27.09.2022 06:00 |

„Krone“-Kommentar

Keine Gespräche mit FPÖ: Ist das demokratisch?

Artikel teilen
Drucken
Kommentare
0

Ein Satz des Tiroler ÖVP-Chefs Anton Mattle zog sich am Sonntag wie ein Mantra durch die gesamte Wahlberichterstattung. Er werde mit allen Parteien reden - außer mit der FPÖ.

Nun kann sich der Wahlsieger mit dem blauen Auge - die Volkspartei stürzte quasi auf Platz 1 ab - seine Koalitionspartner aussuchen, sowohl Zweier- als auch Dreierbündnisse sind möglich. Und natürlich muss er mit einer Partei, deren Bundesobmann die Klimakrise relativiert, keine Regierungszusammenarbeit anstreben. Aber nicht einmal Gespräche führen, ist das demokratisch? Immerhin erreichte die FPÖ mit plus 3,31 Prozent den zweithöchsten Zuwachs nach der Protestbewegung Liste Fritz und Platz 2 noch vor der SPÖ.

Das erinnert an die „Vranitzky-Doktrin“, mit der der frühere SPÖ-Bundeskanzler eine Art „antifaschistischen Schutzwall“ gegenüber Jörg Haiders FPÖ aufgebaut hatte. Dieses ungeschriebene Gesetz verhalf Wolfgang Schüssel (ÖVP) zu einer sechsjährigen Kanzlerschaft mit den Blauen. Auch eine Warnung von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vor einer rechten Regierung in Italien hat nicht dazu geführt, dass Giorgia Melonis rechtsradikale Fratelli d’Italia ein blaues Auge davongetragen hätte. Ganz im Gegenteil.

Kindern würde man das Wort „Ausgrenzung“ damit erklären, dass jemand eine Grenze zwischen sich und anderen errichtet, um sich in seiner Gruppe stärker zu fühlen. In der Politik ist das ein Irrglaube. Da schadet Ausgrenzung eher den Ausgrenzenden.

explore
Neue "Stories" entdecken
Beta
Loading
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Kommentare lesen mit
Jetzt testen
Sie sind bereits Digital-Abonnent?



Vorteilswelt

Alle Magazine der Kronen Zeitung