Energiesparmodus

So finster wird es im Winter in Österreich

Österreich
16.09.2022 06:00

Die Republik schaltet nun in den Energiesparmodus - mit Hürden und Herausforderungen. Welche Region setzt welche Maßnahmen?

„Das ist kein Jahr wie jedes andere“, ließ Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) zum Auftakt der „Mission 11“ wissen. Ein Satz, den wir schon aus Pandemiezeiten kennen. Durch Maskentragen, Abstandhalten und Händewaschen leistete die Bevölkerung damals ihren Beitrag, jetzt ist sie neuerlich gefordert: Haushalte sollen über den Winter elf Prozent Energie einsparen - auf freiwilliger Basis. Die Empfehlungen reichen von der Senkung der Raumtemperatur über das Abtauen des Gefrierschranks bis hin zur Reduktion der Geschwindigkeit beim Autofahren (mehr Tipps übrigens auf www.mission11.at).

Raumtemperatur wird auf 19 Grad gesenkt
Bei öffentlichen Gebäuden - abgesehen von Schulen, Krankenhäusern und ähnlichen Einrichtungen - wird in diesem Winter die Raumtemperatur auf „knusprige“ 19 Grad gesenkt. Ähnliche verpflichtende Maßnahmen sind in Vorbereitung.

Österreich ist jedoch ein heterogenes Land, die Voraussetzungen zum Energiesparen sind von Region zu Region verschieden. Wie planen die neun Bundesländer den kommenden Winter und welche sind die Herausforderungen? Hier eine kleine Reise zwischen Boden- und Neusiedler See.

In Kärntner Bank geht das Licht aus
Finster wird’s bei den Filialen der Kärntner Sparkasse: Diese dreht außerhalb der Öffnungszeiten die Außenbeleuchtung ab. Auch in Foyers und bei Bankomaten bleibt nur ein Sicherheitslicht - insgesamt spart die Bankengruppe Strom von umgerechnet 1000 Haushalten ein. Weiterhin angeleuchtet wird in Klagenfurt vorerst der Lindwurm, bis 24 Uhr soll er strahlen dürfen.

Eisenstadt schaltet Beleuchtung ab
Im Zuge eines Energiespar-Paketes dreht Burgenlands Landeshauptstadt die Beleuchtung von Denkmälern (im Bild die Bergkirche) ab. Auch die Straßenbeleuchtung wird gedimmt und die Weihnachtsbeleuchtung verkürzt. Im Hallenbad wird das Wasser weniger aufgeheizt. In Bad Tatzmannsdorf wird das bekannte Weihnachtshaus heuer eine Stunde kürzer beleuchtet.

Denkmälern in Niederösterreich wird Stecker gezogen
Mit der Forderung nach einer Stromsperrstunde übernahm Niederösterreich eine Vorreiterrolle. So werden auch in Wiener Neustadt Denkmäler wie der Pavillon im Stadtpark nächstens nicht mehr beleuchtet. Im Landhaus in St. Pölten wird ab Herbst die Raumtemperatur in den Büros gedrosselt. Weiters wurden rund 200.000 Straßenlaternen auf LED umgestellt.

Salzburg dreht das Licht nun früher ab
Schon im August setzte die Mozartstadt ein Zeichen: Die Festung und weitere 31 Wahrzeichen wurden eine Stunde früher finster. Den Stecker ganz zu ziehen sei jedoch keine Option, heißt es aus der Stadt. Ähnlich schaut es bei der Advent-Beleuchtung in der berühmten Altstadt aus, denn die kommt fix. Offen ist derzeit aber noch, wann und für wie lange.

Graz macht Bäder ein Grad kälter
Graz ist mit einem ambitionierten Plan vorgeprescht: Unter anderem werden Gebäude weniger beleuchtet und städtische Bäder ein Grad kälter. Auch die meisten steirischen Bezirksstädte sparen bei Heizungen, Eishallen und Flutlicht. In Deutschlandsberg etwa diskutiert der Gemeinderat über Umstellung auf LED-Lampen, Reduktion der Beleuchtung und mehr.

Fahren die Skilifte in Tirol heuer langsamer?
Um sieben bis acht Prozent erhöhen die Tiroler Skigebiete im Schnitt ihre Ticketpreise. Ob das die explodierenden Kosten kompensiert, ist fraglich. Nun prüft man alle Sparoptionen - zeitweise weniger Gondeln einzuhängen, langsamer fahren, kleine Lifte in Randlagen an frequenzarmen Tagen zusperren. Der Kundenkomfort solle aber nicht zu viel leiden, so das Ziel.

Notfallpläne für alle Ländle-Bäder
Zahlreiche Energiesparmaßnahmen wie etwa eine Verlängerung der Revisionszeit wurden in den drei Vorarlberger Hallenbädern schon umgesetzt. lm Moment wird an Notfallplänen gearbeitet. Die Wassertemperatur der Hallenbäder will keiner der Geschäftsführer senken - die Leute sollen Spaß haben, nicht frieren! Abstriche müssen eventuell die Sauna-Fans machen.

Im Winter bibbern in den Wiener Schanigärten?
Um die von der Corona-Krise gebeutelte Gastronomie zu unterstützen, hat die Stadt Wien erst im Juli die Öffnung von Winterschanigärten erlaubt. Zahlreiche Lokale bereiten sich bereits darauf vor und könnten von einem Heizschwammerlverbot kalt erwischt werden. Erste Rückmeldungen aus der Gastro-Szene lassen auf eine hitzige Diskussion schließen.

Keine Heizung in Oberösterreich, aber Beleuchtung bleibt
Dass man auf dem Christkindlmarkt heuer auf Heizstrahler verzichtet, verkündete der Bürgermeister der Stadt Wels in Oberösterreich, Andreas Rabl (FPÖ), am Donnerstag. Die Weihnachtsbeleuchtung soll aber auf jeden Fall bleiben. Außerdem würden Bedienstete der Stadt angehalten, Energie zu sparen, und die Beleuchtung öffentlicher Bauten werde reduziert.

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