Royaler Geleitzug

Sarg der Queen in der Westminster Hall aufgebahrt

Royals
14.09.2022 17:39

Die sterblichen Überreste der britischen Königin Elizabeth II. wurden am Mittwoch in einer feierlichen Prozession durch London in die Westminster Hall gebracht. König Charles III. sowie seine Söhne Prinz William und Prinz Harry geleiteten den Sarg gemeinsam zum britischen Parlament. Vier Tage lang hat die Öffentlichkeit Gelegenheit, in Westminster Hall 23 Stunden täglich Abschied von der verstorbenen Regentin zu nehmen.

Der Geleitzug, in dem auch Elizabeths andere Kinder Prinzessin Anne, Prinz Andrew und Prinz Edward sowie Annes Sohn Peter Philips, ihr Mann Tim Laurence sowie der Herzog von Gloucester und der Earl von Snowdon hinter dem Sarg schritten, benötigte 40 Minuten vom Buckingham-Palast in die Westminster Hall.

Der Sarg wurde auf einer Lafette transportiert, die Träger stammten aus dem Regiment der Queen‘s Company 1st Battalion Grenadier Guards. An der Zeremonie nahm auch eine Ehrengarde aus drei Offizieren und 101 Soldaten der königlichen Leibgarde teil. Die berühmte Glocke Big Ben schlug zu jeder Minute des Zugs einmal.

Trauernde Kate fuhr mit Camilla
Charles‘ Gattin Camilla sowie die Ehefrauen von William, Harry und Edward - Prinzessin Kate, Herzogin Meghan und Gräfin Sophie - fuhren in Autos dem Sarg hinterher.

Die Prinzessin von Wales, die Ohrringe ihrer verstorbenen Schwiegermutter Diana trug, fuhr mit der Queen Consort Camilla im Wagen, Gräfin Sophie in einem weiteren mit Herzogin Meghan.

Kurzer Gottesdienst
In der Westminster Hall, dem ältesten Teil des Parlaments, wurde der geschlossene und mit der royalen Standarte bedeckte Sarg der Queen nach der Prozession auf einem violetten Podest aufgebahrt und ein kurzer Gottesdienst mit der Königsfamilie abgehalten.

Die Royals nahmen gemeinsam rund um den Sarg an einem Gottesdienst teil und verließen im Anschluss die Westminster Hall.

König Charles wird am Freitag eine Trauerreise nach Wales antreten. Sein Sohn Prinz Harry hat am Donnerstag Geburtstag und wird 38 Jahre alt. 

Bis zu zwei Millionen Menschen erwartet
Danach wurden die Tore geöffnet, damit die Öffentlichkeit nun bis Montag Abschied nehmen kann. Schätzungen zufolge könnten bis zu zwei Millionen Menschen der toten Königin in der Westminster Hall die letzte Ehre erweisen. Wie das zuständige Kulturministerium am Mittwoch mitteilte, werden durchgängig mehr als 1000 Freiwillige, Security-Mitarbeiter und Polizisten entlang der Warteschlange im Einsatz sein.

Der öffentlich-rechtliche Sender BBC wird die Aufbahrung auch in einem Livestream übertragen - für Menschen, die sich die langen Wartezeiten nicht zutrauen oder nicht nach London reisen können, aber der gestorbenen Königin ihren Respekt erweisen wollen. Wer sich den Stream der BBC in voller Länge anschaut, kann den Sarg ganze 109,5 Stunden lang betrachten.

Sarg aus Blei und Eiche
Der Sarg hat einen besonders stabilen Deckel, da während der Aufbahrung und der Trauerfeier Königskrone, Zepter und Reichsapfel darauf liegen. Der Sarg der Queen wurde nach Informationen der „Times“ vor mindestens 32 Jahren aus englischer Eiche gefertigt und mit Blei ausgekleidet.

Die Blumen für den Kranz, der auf dem Sarg der Königin ruht, sind handverlesen. Es handelt sich um weiße Rosen, weiße Dahlien und eine Auswahl aus Blattwerk wie Kiefern aus der königlichen Residenz Balmoral in Schottland sowie Klebsamen, Lavendel und Rosmarin aus dem Garten von Schloss Windsor.

Tod in Balmoral
Queen Elizabeth II. war am Donnerstag im Alter von 96 Jahren auf ihrem schottischen Landsitz Schloss Balmoral gestorben.

Am Sonntag wurde ihr Sarg in die schottische Hauptstadt Edinburgh überführt und am Montag mit einem Trauermarsch, an dem auch König Charles III. und seine Geschwister zu Fuß teilnahmen, in eine Kathedrale gebracht.

Applaus Tausender Menschen
Der Sarg mit den sterblichen Überresten der Queen kam dann am Dienstagabend mit einer Transportmaschine der britischen Luftwaffe von Edinburgh nach London. Er wurde vor dem Buckingham-Palast von Tausenden Menschen mit lautem Beifall begrüßt und dann von König Charles, seinen Geschwistern sowie den Enkeln der Queen empfangen. Über Nacht war der Sarg im sogenannten Bow Room aufgestellt.

König Charles III. war zuvor von einem historischen Besuch in Nordirland zurückgekehrt. In der früheren Bürgerkriegsregion hatte er sich auch mit Politikern der Partei Sinn Fein getroffen, die für eine Wiedervereinigung mit dem EU-Staat Republik Irland eintritt und früher als politischer Arm der Terrororganisation IRA galt.

Mitarbeiter fürchten um Jobs
Nachdem der neue König zu Beginn seiner Amtszeit für seine Reden und Gesten gelobt wurde, gibt es mittlerweile auch Kritik. Die Londoner Zeitung „Guardian“ berichtete am Mittwoch, dass Dutzende langjährige Mitarbeiter von Charles um ihre Jobs fürchteten. Sie sollen demnach in dieser Woche, während sie Überstunden und Sonderschichten schoben, per Brief darüber verständigt worden sein, dass mit Charles‘ Thronbesteigung etliche bisherige Posten wegfallen.

Eher belustigt wurde ein Videoclip in sozialen Netzwerken geteilt, in dem zu sehen ist, wie der Monarch über einen offenbar auslaufenden Füllfederhalter schimpft. „Ich kann dieses blöde Ding nicht ertragen (...) jedes verdammte Mal“, murmelte der Regent. Bereits bei seiner Proklamation am Samstag hatte Charles mit einer herrischen Geste gegen Bedienstete für Unmut im Netz gesorgt.

Staatsbegräbnis mit Biden und Kaiser
Das Staatsbegräbnis für die Queen findet am kommenden Montag statt. Dazu werden Hunderte Staats- und Regierungschefs, Angehörige von Königshäusern und andere Würdenträger in London erwartet. Als große Ehre gilt, dass Japans Kaiser Naruhito und seine Gemahlin, Kaiserin Masako, anreisen werden. Japanische Monarchen nehmen traditionell eigentlich nicht an Bestattungen teil, weder im eigenen Land noch im Ausland. Dass Kaiser Naruhito dennoch kommt, sei Ausdruck der tiefen Verbundenheit zwischen der königlichen und der kaiserlichen Familie, berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo.

Erwartet werden zudem Bundespräsident Alexander Van der Bellen, US-Präsident Joe Biden, der französische Präsident Emmanuel Macron und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Vertreter aus Russland und Weißrussland sind nach Informationen der britischen Nachrichtenagentur PA unerwünscht.

Neue Hoffnung
Mit dem Amtsantritt von Charles als König besteht nun neue Hoffnung auf Versöhnung unter seinen Söhnen. In seiner ersten Rede an die Nation betonte der neue Monarch seine Liebe zu Harry und Meghan.

Am Samstag zeigte sich das Paar, das seit Längerem mit seinen Kindern Archie und Lilibet in Kalifornien lebt, demonstrativ gemeinsam mit William und Kate am Schloss Windsor. In einer Mitteilung kündigte der Herzog von Sussex, wie Harrys offizieller Titel lautet, zudem an, seinen Vater als König zu ehren.

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(Bild: kmm)



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