„Eine Branche, die 8,70 Euro für einen Cappuccino verlangt ...“: Die Kritik von Gewerkschafter Roman Hebenstreit gegenüber den Touristik-Betrieben sorgt nicht nur für Missmut: Sie könnte auch die Lohnverhandlungen zum Scheitern bringen, bevor sie begonnen haben. In der „Krone“ stellen die Arbeitgeber nun Bedingungen – und liefern einen Faktencheck zu Hebenstreits Vorwürfen.
„Scharfe Kontrollen“, „härtere Sanktionen“ und „Gütesiegel für Betriebe, die bei der Arbeitszeitaufzeichnung korrekt agieren“: Roman Hebenstreit setzte jüngst mit harten Forderungen die Arbeitgeber in Hotellerie und Gastronomie unter Druck, holte zum Rundumschlag gegen die Arbeitgeber gegen die Branche aus: „8,70 Euro für einen Cappuccino mit Lohnerhöhungen zu argumentieren, greift zu kurz“, polterte der Gewerkschafter – und das just vor dem Start der Kollektivvertragsverhandlungen. Die wurden daraufhin auf Eis gelegt.
Nach einigen Tagen Schockstarre holt nun die Branche zum Gegenschlag aus: Man stehe zwar weiterhin für die Verhandlungen zur Verfügung, so die Branchenobleute Georg Imlauer (Hotellerie) und Alois Rainer (Gastronomie). Aber nur, wenn „von pauschalen Unterstellungen gegenüber der Branche Abstand genommen und wieder auf Basis von gegenseitigem Respekt“ verhandelt werde. Hinter vorgehaltener Hand heißt es: ohne Entschuldigung von Seiten der Gewerkschaft keine Verhandlung.
Deeskalation? Fünf Vorwürfe, fünf Entgegnungen
Um den Arbeitgebern diesen Schritt zu „erleichtern“, melden sich die Arbeitgeber nun auch mit einer Entgegnung zu Hebenstreits einzelnen Vorwürfen:
„Diese Schutzmechanismen existieren bereits. Die Betriebe der Hotellerie und Gastronomie unterliegen klaren und strengen gesetzlichen Rahmenbedingungen inklusive gesetzlich festgelegter Strafrahmen“, so die Arbeitgeber. Sie verweisen unter anderem auf Lebensmittel- und Hygienerecht, über Gewerbe-, Steuer-, Arbeitsrecht, Bau- und Brandschutzregelungen – die auch kontrolliert würden.
„Zahlen der Arbeiterkammer, die für alle Branchen in ganz Österreich erhoben wurden, werden von Roman Hebenstreit rein tourismusbezogen dargestellt“, werfen Rainer und Imlauer dem Gewerkschafter vor. Das sei verkürzt und rufschädigend.
Kein Faktencheck, aber eine Feststellung: Sozialpartnerschaft lebe – „besonders in sensiblen Verhandlungen“ – von gegenseitigem Respekt und Verlässlichkeit: „Die Wortwahl und Tonalität von Herrn Hebenstreit spiegeln dies nicht wider.“
„Wir wissen nicht, wo Roman Hebenstreit seine Preiserhebung durchführt. Fakt ist: Einzelpreise aus Einzelfällen sind kein geeigneter Maßstab für eine Gesamtbeurteilung einer Branche. Mit seinen Aussagen werden wieder extreme Einzelfälle zu einem verzerrten Gesamtbild der Branche pauschaliert.“ Die Arbeitgeber verweisen auf Daten der Statistik Austria, dass die Mindestlöhne in der Branche mit 27,1 Prozent in vier Jahren im Vergleich am stärksten gestiegen seien und das Plus immer über der Inflation lag. Eine Umfrage unter 600 Betrieben habe zudem ergeben, dass 90 Prozent der Unternehmen Preissteigerungen nicht oder nur bedingt weitergeben.
Abschließend verweisen Imlauer und Rainer auf den neuen Rahmenkollektivvertrag, der seit 2024 gelte. Darin habe man zahlreiche Anliegen der Arbeitnehmer aufgegriffen und umgesetzt.
Über 200.000 Menschen arbeiten in Österreich in Hotellerie und Gastronomie. Für sie wäre in Zeiten der Teuerung eine rasche Rückkehr an den Verhandlungstisch wünschenswert. Vorerst sieht es frühestens im März danach aus. Also ausreichend Zeit, um wieder zu einem respektvollen Umgang miteinander zurückzukehren ...
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