„Jeder hatte Angst“
Erdbeben in Südwestchina: Viele Tote befürchtet
Bei einem Erdbeben in der südwestchinesischen Provinz Sichuan sind mindestens 21 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 30 Menschen wurden verletzt, wie das Staatsfernsehen berichtete. Die Erdstöße am Montag erreichten nach Angaben von Seismologen die Stärke 6,8. Besonders betroffen war der Kreis Luding mehr als 200 Kilometer südwestlich der Provinzhauptstadt Chengdu, wie Staatsmedien berichteten. Es kam zu Erdrutschen, Fahrbahnrissen und zerstörten Häusern im Ort Detuo.
Aus Angst seien die Menschen aus ihren Häusern auf die Straße geflüchtet. Es seien in der Kreisstadt zunächst keine größeren Schäden an Gebäuden festgestellt worden. „Jeder hatte Angst“, sagte eine Hotelangestellte in Luding am Telefon zur Deutschen Presse-Agentur. Viele Menschen harrten im Freien aus und trauten sich aus Angst vor Nachbeben zunächst nicht zurück in die Gebäude. „Früher waren Erdbeben nicht so heftig.“ In der Stadt seien die Erdstöße nicht einmal so stark gewesen. „Aber auf dem Land war es schlimmer“, sagte die Frau.
Felsbrocken stürzten auf Straßen
In Orten wie Moxi und Yanzigou in dem Landkreis wurden nach Angaben von Staatsmedien Kommunikationsverbindungen unterbrochen. In Videos (siehe oben) war zu sehen, wie an Berghängen die Erde ins Rutschen kam. Große Felsbrocken lagen auf den Straßen. „Das Erdbeben war ziemlich heftig“, berichtete die Mitarbeiterin eines anderen Hotels in Luding. Häuser seien dort aber nicht beschädigt worden. „Erdbeben gibt es hier häufig.“ In Videos in chinesischen sozialen Medien war zu sehen, wie Regale so stark schwankten, dass die Sachen herausfielen.
Mehr als 100 Tote wahrscheinlich
Sogar in der mehr als 500 Kilometer entfernten Millionenmetropole Chongqing waren die Erdstöße deutlich zu spüren. Im Erdbebengebiet wurden Hunderte Einsatzkräfte mobilisiert, wie staatliche Medien berichteten. Wie die Lage in entlegenen Gegenden ist, war zunächst unklar. Das Portal des Karlsruher Thinktanks „Risklayer“ berichtet auf Twitter, aufgrund von Schadenschätzungsmodellen seien mehr als 100 Todesfälle wahrscheinlich.
Mit 6,8 war es das stärkste Beben in der im Südwesten gelegenen Provinz seit dem Jahr 2017. Wenige Minuten später gab es ein Nachbeben der Stärke 4,2 nahe der Stadt Yaan, die rund 100 Kilometer südwestlich von Chengdu liegt, wo rund 21 Millionen Menschen leben. „Das Beben war ziemlich stark und dauerte eine ganze Weile“, berichtete Shirley Li, die im 30. Stockwerk eines Hochhauses in Chengdu lebt. „Es war eine schwere Zeit für uns - Hitzewellen, der Corona-Lockdown und jetzt das Erdbeben.“
Mehr als 80.000 Tote bei Beben 2008
Die Provinz Sichuan war 2008 von einem schweren Erdbeben der Stärke 7,9 heimgesucht worden. Damals waren mehr als 80.000 Menschen ums Leben gekommen. Sichuan liegt am Rand der Überschiebungszone der indischen Kontinentalplatte und der eurasischen Platte. Wegen Plattenverschiebungen ist die Provinz besonders erdbebengefährdet.
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