Personalnot im Gericht

Justiz-Jobs: „Menschen zu ihrem Recht verhelfen“

Oberösterreich
18.07.2022 09:00

Die Personalnot ist auch bei Gericht angekommen. Und das wird zunehmend zum Problem, werden so doch auch Verfahren in die Länge gezogen. Die „Krone“ sprach mit zwei Justiz-Mitarbeitern, die diesen Weg nicht geplant hatten, aber mit Begeisterung dabei sind.

„Wir finden kein Personal“ – der Präsident des Landesgerichtes Linz, Andre Starlinger, schlägt laut Alarm. Wer denkt, am Gericht sind eh nur Juristen beschäftigt, der irrt gewaltig. Die „Krone“ sprach mit zwei, die es teils auch zufällig ins Gericht verschlug.

„Ich wollte nie Beamter werden“, sagt Josef Ecklmayr auch heute noch aus Überzeugung. „Beamte hatten so ein verstaubtes Image, das überhaupt nicht mit der Realität zusammenstimmt.“ Ecklmayr ist als Amtsdirektor Chef der nicht richterlichen Beschäftigten im Landesgerichtssprengel Linz. Und längst beamtet. Auch Sandra Rosenthaler hatte nach der HAK-Matura die Justiz nicht im Visier. Dass sie sich 1994 beworben hat, war eher Zufall. „Ich habe damals gar nicht gewusst, was ein Diplomrechtspfleger ist“, erinnert sie sich an das Bewerbungsgespräch, das sie damals bei Josef Ecklmayr absolviert hat.

Unverzichtbare Säule
Die Diplomrechtspfleger sind in Österreich eine unverzichtbare Säule der Gerichtsbarkeit. Mehr als drei Viertel aller Entscheidungen bei Bezirksgerichten werden von ihnen getroffen. Sandra Rosenthaler hat eine sechsjährige berufsbegleitende Ausbildung durchlaufen. „Ich habe in allen Kanzleien gearbeitet, war dann Anwärterin zur Rechtspflegerin und habe die Justizschule in Schwechat absolviert.“ Auch der Wiedereinstieg nach zwei Kindern war kein Problem.

Die Amstettnerin ist nun Diplomrechtspflegerin für Exekutionen, Insolvenz und Zivilverfahren sowie Vorsteherin der Geschäftsstelle am BG Perg. „Ich kann, ohne studiert zu haben, richterliche Entscheidungen treffen. Eine verantwortungsvolle Aufgabe. Dadurch kann ich Menschen helfen, dass sie zu ihrem Recht kommen.“

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Rechtspfleger sind eine große Unterstützung für Richter und Richterinnen. Ich könnte mir einen Einsatz auch im Strafrecht durchaus vorstellen

Vizepräsident Walter Eichinger, LG Linz

Berufswahl nie bereut
Sandra Rosenthaler und Josef Ecklmayr haben ihre Berufswahl nie bereut. Ecklmayr über die Voraussetzungen, die man haben sollte: „Es gibt viele Entwicklungsmöglichkeiten bei der Justiz. Fleiß und Ausdauer sind wichtig. Und vor allem gehört soziale Kompetenz dazu. Im Gegenzug hat man einen sicheren Arbeitsplatz. “

Beiden ist es ein Anliegen, ihren Beruf bekannt zu machen und neue Kollegen zu motivieren. Derzeit sind, so Ecklmayr, im Landesgerichtssprengel Linz zehn Stellen im Kanzlei und Supportbereich vakant. Spitze sich die Situation zu, werde dies Auswirkungen auf die Verfahrensdauer haben. Vizepräsident Walter Eichinger könnte sich einen Einsatz nicht richterlichen Personals auch im Strafrecht vorstellen. SP-Nationalrätin Sabine Schatz hat zum Personalproblem am LG Linz eine parlamentarische Anfrage eingebracht.

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