29.06.2022 09:37 |

Nach Microsoft-Rückzug

Russen setzen verstärkt auf Raubkopien und Linux

Nachdem Microsoft wegen des Angriffskrieges auf die Ukraine seine Geschäfte in Russland weitgehend eingestellt hat, sehen sich viele Russen gezwungen, nach Alternativen im Software-Bereich zu suchen. Legal dürften diese zumeist nicht sein.

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Microsoft hatte Anfang des Monats bekannt gegeben, dass es seine Geschäfte in Russland erheblich einschränkt und sich damit in eine lange Liste von Unternehmen eingereiht, die ihre Geschäfte in dem Land im Zuge der weitreichenden Sanktionen wegen des Krieges in der Ukraine einstellen. Der Schritt treffe Russland hart, da das Land auf ausländische Software angewiesen sei, um viele seiner technischen Systeme in der Produktion und im Ingenieurwesen zu betreiben, berichtete Bloomberg am Dienstag.

Die Folge: Laut einem Bericht der russischen Zeitung „Kommersant“ vom Montag sind die Suchanfragen nach raubkopierter Microsoft-Software in Russland um bis zu 250 Prozent gestiegen, nachdem der US-Konzern bereits am 4. März den Verkauf neuer Produkte eingestellt hatte. Die Suchanfragen nach der Tabellenkalkulationssoftware Excel verzeichneten demnach im Juni einen Anstieg um 650 Prozent.

Eine steigende Nachfrage verzeichnet der Zeitung nach aber auch Linux, nachdem russische Regierungsbehörenden laut „Moscow Times“ damit begonnen haben, von Microsofts Windows auf das Open-Source-Betriebssystem umzusteigen.

Kaum Alternativen aus Russland
Doch nicht in allen Branchen lassen sich Betriebssysteme und Software so einfach ersetzen. In der Industrie sei die Software in der Regel in die Maschinen eingebettet, und die Anbieter gewährten den Kunden keinen Zugang zum Code, erklärte Sergey Dunaev, Chief Information Officer des Stahlriesen Severstal, gegenüber Bloomberg. „Alle Industrien stehen vor den gleichen Problemen. Viele Prozesse in modernen Betrieben werden durch Software gesteuert“, sagte er.

Kurzfristig gibt es nur wenige Alternativen. „Russische Gegenstücke in diesem Bereich sind viel schwächer und der Bedarf ist hoch“, sagte Elena Semenovskaya, eine auf Russland spezialisierte Analystin bei IDC, zu Bloomberg. „Aber im Moment besteht der Ansatz darin, sich auf Piraterie und veraltete Kopien zu verlassen, was eine Sackgasse und nicht nachhaltig ist.“

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