27.07.2011 18:29 |

Zeuge der Blutnacht?

Litauen will nun auch Gorbatschow verhaften

Nach Ex-KGB-Mann Michail G. rückt nun wegen der Blutnacht von Vilnius auch ein prominenter Russe in das Visier der litauischen Behörden. Wie am Mittwoch bekannt wurde, erwägt das baltische Land, gegen den ehemaligen sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow einen europäischen Haftbefehl zu beantragen. Außenminister Audronius Azubalis sprach sich allerdings zunächst dafür aus, Gorbatschow nur als Zeugen vorzuladen.

Die "Einladung" an den mittlerweile 80-jährigen ehemaligen Präsidenten der Sowjetunion solle in regelmäßigen Abständen ergehen, so Azubalis laut der baltischen Nachrichtenagentur BNS. "Die Staatsanwaltschaft muss auf Basis der ihr zugänglichen Dokumente entscheiden, ob die Erlassung eines europäischen Haftbefehls gegen Gorbatschow notwendig ist", so Azubalis weiter.

Die litauische Justiz hat laut BNS bereits mehrfach ein Rechthilfeansuchen im Zusammenhang mit der Rolle Gorbatschows bei den Ereignissen von Vilnius im Jänner 1991 an Moskau gestellt. Sämtliche Ansuchen seien allerdings unbeantwortet geblieben.

Die "Blutnacht von Vilnius"
Am 13. Jänner 1991 starben in Vilnius 14 Menschen, Hunderte weitere wurden verletzt, als sowjetische Truppen und Loyalisten eine um den Fernsehturm der litauischen Hauptstadt versammelte Menschenmenge mit Panzern und Feuerwaffen angriff. Das Massaker ging als "Blutnacht von Vilnius" in die Geschichte ein. In den Folgejahren eröffnete die Republik Litauen einen Prozess gegen etliche Personen wegen Angriffs auf die Souveränität Litauens und wegen Mordes.

Der Fall Michail G.
Einige Personen werden seitdem per Haftbefehl gesucht, so auch der Ex-KGBler Michail G., dessen Fall die österreichische Justiz in den letzten Wochen beschäftigte und für massive Kritik sorgte.

G. war Mitte Juli am Wiener Flughafen aufgrund eines europäischen Haftbefehls festgenommen, jedoch kurze Zeit später wieder freigelassen worden. Ihm wird von Litauen vorgeworfen, die "Blutnacht von Vilnius" verschuldet zu haben, da er die Truppen angeführt haben soll. Litauen erachtet G. als Kriegsverbrecher, Österreich bezeichnete die Vorwürfe im Haftbefehl allerdings als "zu vage" (siehe Infobox). Seither ist die Beziehung zu Litauen von Unverständnis, Enttäuschung und scharfer Kritik geprägt.

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