Homo-Ehe jetzt legal
New York: Fast 900 Homo-Hochzeiten am ersten Tag
Ein weiteres der Paare, die sich am Sonntag in der Stadt, die niemals schläft, das Jawort gegeben haben, ist zusammen 160 Jahre alt. Phyllis Siegal (75) und Connie Kopelov (85) sind seit 23 Jahren ein Paar. Nach der Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen in New York durften sie nun offiziell die Ehe schließen. Unter Tränen versprachen sie sich Treue und wechselten im Blitzlichtgewitter einen ersten, fast scheuen Kuss als Verheiratete. Dafür nahmen sie einige Mühe auf sich: Kopelev kam mit Halskrause als Wirbelsäulenstütze und Gehhilfe vor den "Traualtar".
Schub für die ganzen USA erhofft
New York ist, sofern man die Hauptstadt Washington D.C. mitzählt, zwar schon der sechste US-Staat, der gleichgeschlechtliche Ehen erlaubt, doch er ist mit Abstand der wichtigste. Rudd und Lambert gehören zu den Aktivisten, die seit Jahrzehnten für die rechtliche Gleichstellung solcher Beziehungen kämpfen. Viele erhoffen sich von der New Yorker Entscheidung einen Schub für die ganzen USA, doch der Widerstand ist heftig.
Auch die Stadt New York hatte alles getan, um den Sonntag für Homosexuelle zu einem historischen Datum werden zu lassen. So hatte Bürgermeister Michael Bloomberg angeordnet, dass die Standesämter ausnahmsweise an einem Sonntag öffnen. Bloomberg setzte wie andere Bürgermeister sogar die 24-Stunden-Frist aus, die eigentlich zwischen Anmeldung und Heirat vergehen muss.
860 Paare wollten sich das Jawort geben
Die Stadt hatte mit einem Ansturm von 2.500 Paaren gerechnet und die knapp 800 Hochzeitstermine per Lotterie zuteilen wollen. Tatsächlich meldeten sich aber nur etwa 60 Paare mehr als möglich - und für die sollte dann auch noch ein Termin gefunden werden. Die Stadtangestellten arbeiteten freiwillig und auch Bloomberg half mit: Der Bürgermeister stellte sein Amtsanwesen Gracie Mansion in der Upper East Side für einen seiner engsten Mitarbeiter, John Feinblatt, zur Verfügung: Der 60-Jährige heiratete einen anderen Stadtangestellten.
Einigkeit bei Zulassung von Homo-Ehen
Der von den Republikanern dominierte Senat des Staates New York in Albany hatte vor einem Monat mit knapper Mehrheit die Zulassung gleichgeschlechtlicher Ehen beschlossen. Eigentlich sind die konservativen Republikaner eher Gegner solcher Regelungen, doch in New York fand sich in beiden Kammern eine Mehrheit. Vor zwei Jahren war ein entsprechender Gesetzesentwurf im damals noch von den Demokraten beherrschten Senat gescheitert. Denn auch viele Demokraten sind Gegner der Schwulenehe.
Bisher erlaubten nur Iowa, New Hampshire, Massachusetts, Connecticut und Vermont sowie der Bundesdistrikt Washington die Homo-Ehe. New Jersey erlaubt nicht die Ehe, aber die Eintragung einer Beziehung mit den gleichen Rechten. Einige Staaten dagegen, darunter Texas, Florida und andere Süd- und Mittelwest-Staaten, haben die Schwulenehe in ihrer Staatsverfassung ausdrücklich verboten.
Obama fordert Gesetzesaufhebung
US-Präsident Barack Obama hatte sich erst vor wenigen Tagen für eine Abschaffung des geltenden Verbots gleichgeschlechtlicher Ehen im US-Bundesrecht ausgesprochen. Obamas Sprecher Jay Carney sagte am Dienstag, der Präsident fordere schon seit Langem eine Aufhebung des Gesetzes, das 1996 vom damaligen Präsidenten Bill Clinton unterzeichnet worden war und die Ehe als Bund zwischen Mann und Frau definiert. Obamas Regierung hatte das Bundesgesetz zum Verbot der Homo-Ehe im Februar erstmals als verfassungswidrig bezeichnet.
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