Athen-Hilfspaket II
“Eurozone ist knapp einer Katastrophe entronnen”
Die Staats- und Regierungschefs der Euro-Länder hatten am Donnerstag auf einem Sondergipfel ein umfangreiches Hilfspaket beschlossen, das für Griechenland erhebliche finanzielle Unterstützungen und erstmals auch einen Beitrag des Privatsektors dazu vorsieht. Die Hilfe für Athen hat ein Gesamtvolumen von 159 Milliarden Euro - 109 Milliarden Euro kommen von den Euro-Ländern, 50 Milliarden sollen die privaten Gläubiger, also die Banken und Versicherungen, beisteuern (mehr Details dazu siehe Infobox).
"Das ist das letzte Paket"
Der Sondergipfel war kurzfristig einberufen worden, weil die Schuldenkrise von den kleinen Ländern Griechenland, Portugal und Irland auf die wirtschaftlichen Schwergewichte Italien und Spanien überzugreifen drohte. Die Euro-Chefs hoffen, dass sie nach einem Dutzend Treffen mit dem Hauptthema Schuldenkrise binnen eineinhalb Jahren endlich das Ruder herumreißen können. Denn trotz der Kreditprogramme für Griechenland, Irland und Portugal lässt der Druck auf die Eurozone nicht nach. Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker erklärte, die Zeit des Schnürens kleiner Päckchen alle paar Monate sei vorbei. "Das ist das letzte Paket."
Die Sorgen um die Euro-Schuldenkrise hatte in den vergangen Monaten große Unsicherheit auf den Finanzmärkten geschürt. Im Zuge des Sondergipfels entspannte sich die Lage: Weltweit stiegen die Kurse, der Euro legte zu. Die europäische Währung stabilisierte sich bei der Marke von 1,44 Dollar - und gewann damit nach der Einigung etwa vier Cent. "Das Ergebnis hat schon zu einer deutlichen Beruhigung der Märkte geführt", begrüßte etwa auch der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, Ewald Nowotny, das neue Hilfspaket am Freitag.
US-Analysten nicht wirklich überzeugt
Kritische Stimmen gab es hingegen teilweise von US-Analysten. So meinte etwa Win Thin von Brown Brothers Harriman in Anspielung auf ein englisches Bild für jemanden, der ein Problem vor sich herschiebt, mit dem neuen Paket werde nur "die Dose die Straße heruntergetreten", sagte er. "Diese Staaten brauchen eine sehr harte Umstrukturierung." Das Problem sei nicht gelöst: "Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Situation in drei Monaten oder in einer gewissen Zeit wieder auftritt."
"Es müssen noch viele Details ausgearbeitet werden", meinte auch Richard Franulovich von Westpac zu dem Beschluss in Brüssel. Die unmittelbaren Probleme hätten die europäischen Staats- und Regierungschefs zwar jetzt wohl in den Griff bekommen. "Das langfristige Problem ist damit allerdings nicht gelöst." Kathy Lien von GFT hingegen sprach von einem Schritt in die richtige Richtung. "Die Diskussion über den europäischen Währungsfonds ist von sehr großer Bedeutung, weil so im Prinzip die weltweite Finanzarchitektur verändert werden könnte", sagte sie. Ein solcher Mechanismus könnte zudem auf regionaler Ebene die Europäische Union stützen.
Kronen Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen 






Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.