20.07.2011 12:53 |

"Anfang aller Dinge"

Fischer eröffnete die 66. Bregenzer Festspiele

Bundespräsident Heinz Fischer hat am Mittwoch die 66. Bregenzer Festspiele eröffnet. In seiner Rede widmete sich Fischer vor allem dem Thema Schöpfung, dem diesjährigen Motto des Musikfestivals. "Ein enorm spannendes Thema", befand der Bundespräsident. Für Aufsehen sorgte während des Festaktes, dass Festspielpräsident Günter Rhomberg ankündigte, sein Amt niederzulegen (siehe Infobox).

Auf dem Spielplan der Bregenzer Festspiele 2011 steht unter anderem Umberto Giordanos Revolutionsoper "Andre Chenier", die am Mittwochabend Premiere auf der Seebühne feiert. Einen Tag darauf eröffnet das Auftragswerk "Achterbahn" der Britin Judith Weir den bis 2013 dauernden Reigen der Uraufführungen im Festspielhaus. Binnen vier Wochen werden bis zu 200.000 Besucher erwartet.

Fischer: "Schöpfung" perfektes künstlerisches Motto
Das Motto "Schöpfung" biete Anlass, über die Errungenschaften der menschlichen Erkenntnis nachzudenken, aber auch über die sich verändernden Theorien zum Ursprung des Lebens und des Universums, sagte Fischer bei der Eröffnung. Die Frage nach der Entstehung des Universums sei eine Zentralfrage der Naturwissenschaften und vieler Religionen, die die Menschen seines Erachtens für immer faszinieren werde. Der Schöpfungsakt liege in jedem Fall jenseits der menschlichen Ratio. Dies sei der Grund, weshalb die Schöpfung seit jeher Künstler zu bildnerischen, literarischen oder musikalischen Auseinandersetzungen mit dem "Anfang aller Dinge" inspiriert habe, so der Bundespräsident.

Kunst sei "nicht mehr brillantes handwerkliches Schaffen, das die Natur abbildet, sondern Kunst wird durch die Interpretation des schöpferischen Geistes zu etwas Neuem, zur Creatio: Was als 'künstlerisch' oder 'kreativ' gelten will, muss oder soll über das Altbekannte und Tradierte hinausweisen", sagte Fischer. Das Neue werde zu einem bestimmenden Kriterium der Kunst. Andre Chenier als Hauptdarsteller des Eröffnungsabends erfülle diesen Anspruch voll und ganz. Umberto Giordano habe dem Dichter mit der Oper ein Denkmal gesetzt.

Fischer bedankte sich auch bei den Festspiel-Verantwortlichen "für ihr Engagement und ihre Kreativität, die für die Zusammenstellung eines so erstklassigen und vielschichtigen Programmes erforderlich ist". Zum Abschluss gratulierte er dem Vorarlberger Landeshauptmann Herbert Sausgruber noch zu seinem bevorstehenden 65. Geburtstag.

Dritte Pionierphase für Festspiele notwendig
Der scheidende Bregenzer Festspielpräsident Günter Rhomberg betonte in seiner Eröffnungsrede die Notwendigkeit der Weiterentwicklung des Musikfestivals: "Wenn ich heute einen Blick in die Zukunft der Jahre bis 2020 wage, dann habe ich die Vision eines notwendigen dritten Pionierschrittes", erklärte Rhomberg, der zuvor einen Rückblick auf die Gründungszeit ab 1946, als die Festspiele von ehrenamtlichen Funktionären aufgebaut wurden, und die "zweite Pionierphase" Anfang der 1980er-Jahre unternahm. Damals sei unter der Führung von Intendant Wopmann, Franz Salzmann und ihm selbst der "Durchbruch zu wirklich internationalem Renommee" gelungen.

Das Festival habe sich "aus einem Häuflein ideell gesinnter Künstler" und in gleicher Weise "begeisterungsfähiger Vorarlberger Bürger" entwickelt. Die weitere Entwicklung solle die Bedürfnisse der neu heranwachsenden Generation ernst nehmen und müsse "von der Kraft einer neuen Führungsmannschaft" getragen sein. "Die Erfolgsfaktoren der Vergangenheit werden nicht ausreichen, um auch in fünf, zehn Jahren noch erfolgreich zu sein", mahnte der Präsident.

Rhomberg bedankte sich bei allen Politikern, die in den Jahren 1995 und 2005 Investitionen in das Festspielhaus zustimmten. Er betonte, dass die Festspiele in den vergangenen 25 Jahren die Betriebsbudgets "niemals überzogen" hätten und derzeit "völlig schuldenfrei" seien.

Schmied erkennt aktuellen Bezug in Seeoper
Kulturministerin Claudia Schmied zog in ihrer Rede einen Vergleich zwischen der Zeit der französischen Revolution, dem Thema der Seeoper "Andre Chenier", und heutigen Revolutionen. Der "Geist des Widerstands" sei in Europa angekommen, so Schmied. "Wo viele junge Menschen ohne Arbeit und somit ohne Perspektive sind, ist der soziale Friede in Gefahr", befand sie. Darum sei es so wichtig, dafür zu sorgen, dass jeder in Österreich die Chance erhalte, zu lernen, sich zu bilden, zu arbeiten und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. "Das ist unser klares politisches Bekenntnis", betonte die Ministerin.

Bei der von Intendant David Pountney unterhaltsam gestalteten Eröffnungsfeier dominierten Auszüge aus dem Programm des Festivals. So waren etwa zu den Wiener Symphonikern Solisten aus "Andre Chenier" zu hören, ebenso "Hassans Arie" aus der Hausoper "Achterbahn".

Passend zum Festspiele-Motto wurden Teile aus Haydns Oratorium "Die Schöpfung" präsentiert. Die zeitgenössische Schiene der Festspiele "Kunst aus der Zeit" war mit einem Auszug aus dem Auftragswerk "Der Beschwerdechor Bregenz" von Jorge Sanchez-Chiong vertreten. Nach dem Festspiele-Trailer war weiters Berlioz' "Hymne des Marseillais" zu hören.

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