Landesrat Schleritzko:

„Beim Öffi-Angebot ist der Bund in der Pflicht!“

Niederösterreich
12.06.2022 06:02

„Mit dem Einmarsch der Russen in die Ukraine hat sich die Welt grundlegend geändert“, erklärt Finanz- und Mobilitätslandesrat Ludwig Schleritzko beim Gespräch in der „Krone“-Redaktion in St. Pölten.

Herr Landesrat, die aktuelle Teuerung, der Krieg in der Ukraine, die Corona-Pandemie, Klimaalarm und Lieferkettenprobleme. Macht Ihnen die Arbeit als Finanz- und Mobilitätslandesrat überhaupt noch Spaß?
Schleritzko (überlegt): Na ja, sagen wir so: Es macht Freude in den Bereichen, die in meine Zuständigkeit fallen. Es ist aber natürlich auch fordernd. Denn mit dem Einmarsch der Russen in die Ukraine am 24. Februar hat sich die Welt grundlegend geändert. Betroffen von der daraus resultierenden Teuerung sind der Energiebereich, aber genauso der Sozialbereich ebenso wie Familien und vieles mehr.

Kommen wir zu einem konkreten Thema. Betroffen sind auch viele Pendler, die mit steigenden Kosten kämpfen.
200.000 Niederösterreicher fahren jeden Tag nach Wien zur Arbeit. Wir haben aber auch enorm viele Binnen-Pendler und rund 70.000 Menschen pendeln täglich nach Niederösterreich. Einerseits versuchen wir, mit dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs zu helfen. Gleichzeitig muss es auch, das ist klar, Entlastungspakete geben.

Wieso hakt es da manchmal dann doch bei wichtigen Projekten? Wie schnell können Sie helfen?
Beim Entlastungspaket für die Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher warten wir die Effekte der Bundesmaßnahmen ab, um dann auch zielgerichtet mit Landesmitteln unterstützen zu können. Beim Ausbau der Verkehrsinfrastruktur ist es manchmal tatsächlich schwer. Da gibt es sogar Widerstand, wenn man eine Trasse für eine Hochleistungsbahn errichten will.

Wie sieht es mit dem ebenso umstrittenen Projekt der Marchfeld-Schnellstraße derzeit aus?
Die Staus dort zeigen, dass kein Weg an dem Projekt vorbeiführt, um endlich für Entlastung und Sicherheit der Menschen zu sorgen. Das ist genauso wichtig wie andere Straßenprojekte in und um Wien. Auch die Weiterführung der S1 gehört dazu.

Ein erklärtes „Lieblingsprojekt“ von Ihnen ist die Zugverbindung nach Prag über Gmünd. Sind Sie zufrieden mit dem grünen Licht für den „Silva Nortica“?
Ja, diese Zugverbindung ist in der Tat ein Herzensprojekt von mir. Es war aber ein langer Weg. Wir haben drei Jahre verhandelt. Ich bin sicher, dass das eine deutliche Verbesserung für Reisende und Pendler darstellt. Auch Touristen werden Teile der Strecke gerne nutzen. Und es ist ein Zeichen für offene Grenzen in Europa.

Welche Themen sind derzeit aktuell?
Wir müssen Wohnen leistbar halten und die Wirtschaft weiter unterstützen. Natürlich muss auch das Landesbudget gut durch die schweren Zeiten gelenkt werden. Im Bereich der Öffis haben wir mit dem Klimaticket ein gutes Produkt in der Hand – das Öffi-Angebot muss aber natürlich weiter ausgebaut werden. Dabei nehme ich auch den Bund in die Pflicht.

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