„Jetzt geht es ans Eingemachte für Leute, die schon vor der Inflation ein knappes Budget hatten“, sagt Ferdinand Herndler, Chef der Schuldnerhilfe OÖ, und fürchtet, dass jene Klienten, die schon in einem Sanierungsverfahren sind, rasch wieder zahlungsunfähig werden.
„Diese Leute haben nur das Existenzminimum von 1030 Euro und damit eigentlich keinen Spielraum mehr. Bedienen sie den Zahlungsplan nicht, fliegen sie aus dem Verfahren und landen wieder bei uns“, weiß Herndler und fordert angesichts der aktuellen Preisexplosion ein Anheben des Existenzminimums auf 1371 Euro. Das ist derzeit die Armutsgrenze für einen Einpersonenhaushalt.
„Viele Leute müssen möglichst schnell jeden Euro einsparen. Da geht es darum, statt dem Jausengeld den Kindern ein selbst gemachtes Brot mitzugeben. Oder in die Arbeit einen Kaffee von daheim mitzunehmen, statt einen Coffee to go zu kaufen. Das ist der kleine Luxus von zwei, drei Euro am Tag – im Monat geht’s da aber um viel Geld“, so Herndler.
Nach Überschuldung geht’s rasch bergab
So lange Schulden bezahlt werden, ist alles in Ordnung. Aber wenn das einmal nicht mehr möglich ist, wird die Spirale nach unten „zum Selbstläufer“: Im Durchschnitt haben Schuldner rund 80.000 Euro „Miese“, ursprünglich aber nur etwa 30.000 Euro nicht bezahlt. Der Rest sind Inkasso-, Anwalts- und Verfahrenskosten. Die Gründe für die Überschuldung sind vielfältig, selten wird einer alleine schlagend – siehe Grafik.
Wie groß das Problem ist, zeigt der Vergleich an Beratungsgesprächen: Im Jahr 2020 waren es bei der Schuldnerhilfe, die sich mit der Schuldnerberatung den Markt „teilt“, rund 5800 Beratungsgespräche, 2021 waren es um 1000 mehr.
Immer mehr Beratungen
Und für heuer wird eine Steigerung von zumindest 20 Prozent erwartet. Ein Drittel der Klienten sind Arbeiter, ein Viertel ist arbeitslos und rund 43 Prozent haben weniger als 1250 Euro Nettoeinkommen monatlich zur Verfügung.
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