Ein Mann zwischen Standesdünkel und Selbstmitleid: Arthur Schnitzlers Novelle „Leutnant Gustl“ gilt als Klassiker in der österreichischen Literatur. Cornelia Metschitzer inszeniert das Monarchie-Stück für die Tribüne Linz.
Mit „Leutnant Gustl“ schuf Arthur Schnitzler eine der bekanntesten Novellen der Wiener Moderne. In einer einzigen Nacht erlebt der junge Offizier Gustl eine tiefgreifende Krise: Aus Angst vor dem Verlust seiner Ehre zweifelt er an seinem gesamten Leben.
In der Neuinszenierung für die Tribüne Linz sitzt Gustl, gespielt von Jakob Griesser, anfangs mitten im Publikum. Der junge Offizier fadisiert sich in der Oper, räsoniert halblaut vor sich hin. Was unausgesprochen bleibt, enthüllt seine Stimme aus dem Off.
Ein Narziss geht im Kreis
Regisseurin Cornelia Metschitzer dramatisierte die Novelle. Die Monologe auf der Bühne verschränkt sie mit Stimmen von außen, dazu werden Bilder projiziert. Man erlebt die Kränkung, anschließend taumelt Gustl 90 Minuten durch das nächtliche Wien, gefangen in einem Gedankenkarussell aus Todesangst, Auflehnung Selbstverachtung und Frauenfeindlichkeit. Lisa Kröll übernimmt zahlreiche Begegnungen, bleibt dabei aber recht farblos.
Bogen zum Heute angedeutet
Metschitzers Inszenierung beobachtet ein egozentrisches Individuum von fragilem Selbstwert, mit einer Identität, die sich ausschließlich über die Meinung anderer definiert. Die allgegenwärtige Parallele zum Heute braucht in dem Fall keine Regiekeulen. Wo Gustls Angst kurz vor seinem selbst festgelegten Todeszeitpunkt körperlich greifbar wird, gewinnt der Abend an Intensität.
Eine glückliche Fügung verhindert den Selbstmord. Gustl kann weiterleben. Mit ihm ein Weltbild, das eigentlich hätte sterben sollen. Gelungene Inszenierung in der Tribüne Linz, freilich mit einigen Längen.
Nächste Vorstellungen: Sonntag, 25. Oktober, Freitag, 6. November.
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