Migräne

Kassandra: „Ich stehe zu meiner Migräne“

Das war nicht immer so. Die Wienerin versuchte viele Jahre, ihre Krankheit zu verstecken, da keiner das Leid nachvollziehen konnte.

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„Bereits im Kindesalter traten bei mir heftige Kopfschmerzen auf. Ich hatte sehr darunter gelitten und musste oft von der Schule zu Hause bleiben“, erzählt Kassandra Steiner, Leiterin und Organisatorin der Selbsthilfegruppe Kopfweh für Wien. Sie engagiert sich ehrenamtlich für Betroffene. Die Patientin hatte aber auch keine gute Ausgangslage: Beide Eltern und Großeltern sind Migräniker. „Es ist gar nicht so selten, dass Kinder im Volksschulalter schon unter Attacken leiden. Meist dauern diese aber nur kurz und klingen durch Schlafen schnell wieder ab“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Christian Wöber, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie im Wiener AKH. „Bei häufigeren Anfällen sollte aber eine ärztliche Abklärung erfolgen.“

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Migräne versteht nämlich keiner, der nicht schon selbst betroffen war.

Kassandra Steiner, Leiterin und Organisatorin der Selbsthilfegruppe Kopfweh Wien

Ich wollte einfach nur leben
Als Jugendliche und junge Erwachsene hatte Frau Steiner die Beschwerden verdrängt, wollte einfach nicht wahrhaben, dass sie unter der chronischen Erkrankung Migräne leidet. „Ich nahm Medikamente und machte weiter“, betont die Patientin. „In der Arbeit erzählte ich nie von den Migräneattacken, sondern nur, dass mir schlecht sei, wenn ich erbrechen musste. Dann kam das Gerücht auf, ich sei an Darmkrebs erkrankt. Damals war ich, so komisch das klingen mag, froh, denn damit konnten die Arbeitskollegen etwas anfangen. Migräne versteht nämlich keiner, der nicht schon selbst betroffen war.“

Zum Glück kann sich die Wienerin ihrem neuen Chef anvertrauen. Er versteht, dass sie gut arbeitet, aber manchmal kurzfristig nach Hause muss. „Ich höre jetzt aber auch mehr auf meinen Körper, lege öfter Ruhephasen ein. Die Attacken bremsen mich ein, falls es wieder einmal zu stressig wird. Fragt mich jemand, was ich am Wochenende mache, sind viele verwundert, dass ich mit ,nichts‘ antworte. Aber genau das passt für mich. Ich mache außerdem Yoga und gehe regelmäßig joggen.“

Weniger Heißhunger durch Änderung der Kost
Zusätzlich hat Frau Steiner ihre Ernährung Schritt für Schritt umgestellt: saisonale Lebensmittel, frisch gekocht, und vorwiegend warme Mahlzeiten. Auch Nahrungsergänzung mit hoch dosierten B-Vitaminen, Magnesium, Q10 und Vitamin D hilft ihr. „Zur vorbeugenden Behandlung erhält Frau Steiner die sogenannte Migräne-Spritze. Diese muss sie selbst ein Mal pro Monat zu Hause mittels Pen anwenden“, erläutert Prof. Wöber. „Alle drei Monate sollte man zur ärztlichen Kontrolle gehen. Die Migräne ist damit nicht weg, da sie nicht heilbar ist, aber die Attacken treten seltener auf. Im Akutfall nimmt Frau Steiner Triptane. Diese speziellen Migräne-Medikamente sind sehr sicher. Leider haben sie völlig zu Unrecht noch immer einen schlechten Ruf. Triptane gibt es übrigens jetzt auch ohne Rezept in der Apotheke.“

Karin Rohrer-Schausberger
Karin Rohrer-Schausberger
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