Künstliche Bandscheibe

Sabrina (33): „Ich liebe meine Narbe“

Hinter diesem Satz verbirgt sich die Leidensgeschichte einer Wienerin, die jahrelang Rückenschmerzen hatte. Diese wirkten sich massiv auf ihr Berufs- und Privatleben aus. Die heute 33-Jährige wünschte sich nichts sehnlicher, als eine „normale“ Mama zu sein. Eine Operation beendete ihre Qualen - die Narbe erinnert sie nun immer daran, wie schlecht es ihr davor gegangen ist und wie gut sie sich heute fühlt.

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„Seit meinem 12. Lebensjahr litt ich an Kreuzschmerzen“, erzählt Sabrina Schmidt. Rückengymnastik, Physiotherapie, Schwimmen, Kuren - nichts brachte auf Dauer Besserung. Im Gegenteil, es wurde immer schlimmer: „Mit meiner heute 10-jährigen Tochter Selina schaffte ich es früher gerade noch auf den Spielplatz. An gemeinsamen Sport war nicht zu denken. Vom 1-Meter-Brett im Bad ins Wasser springen? Fehlanzeige! Skifahren musste ich nach 100 Metern beenden, obwohl ich davor Schmerzmittel genommen hatte“, erzählt die Büroangestellte. Sogar das Spazierengehen mit ihrer französischen Bulldogge tat ihr weh, weil der Hund leicht an der Leine zog. Auch einkaufen funktionierte irgendwann nicht mehr - ein Lieferservice stellte ab diesem Zeitpunkt alles zu. „Wenn es mir besonders schlecht ging, rief meine Tochter meine Mutter an, die dann die Rettung verständigte. Das ist sicher insgesamt zehnmal vorgekommen, bei den ersten Notrufen war Selina erst drei Jahre alt“, erinnert sich die heute 33-jährige Wienerin. Im Spital erhielt sie dann nur Infusionen.

Ohne Schmerzmittel schaffte sie den Tag nicht
„Seit 2015 nahm ich täglich Muskelrelaxanzien [Anmerkung: Medikamente zur Entspannung der Muskulatur] und Schmerzmittel ein, um den Arbeitstag zu überstehen. Abends dann noch Schlaftabletten, weil die Beschwerden im Liegen noch schlimmer als im Sitzen ausfielen. Zusätzlich holte ich mir jeden Freitag eine Spritze bei meinem damaligen Orthopäden, damit ich zumindest am Wochenende kleine Unternehmungen mit Selina starten konnte.“ Durch einen Bekannten landete sie 2020 bei Prim. Prof. Dr. Christian Bach, Facharzt für Orthopädie, Traumatologie und Wirbelsäulen-Spezialist in Wien, der ihr zur Operation riet. „Normalerweise ist eine Bandscheibe, die sich immer zwischen zwei Wirbeln befindet, etwa 1 cm hoch. Bei Frau Schmidt war sie im Bereich L5/S1 [Anmerkung: zwischen letztem Lendenwirbel und erstem Kreuzbeinwirbel] nur mehr 1 mm dick, also so gut wie nicht mehr vorhanden. Dadurch entfiel die Dämpfungsfunktion, die dortigen Knochen rieben aneinander, was Schmerzen hervorrief“, erklärt der Facharzt.

Beim Eingriff, der am 9. September 2020 stattfand, entfernte Prim. Bach den Rest der Bandscheibe und setzte eine künstliche aus Kunststoff mit Titanbeschichtung ein, die mit zwei kleinen Stangen verankert wurde. „Den Bandscheibenraum habe ich zudem noch mit körpereigenem Knochen aufgefüllt.“ Wie funktioniert das genau? „Die künstliche Bandscheibe hat kleine Öffnungen. Während der OP gewinnen wir millimeterkleine Knochenstückchen, die wir dann in diesen Mini-Löchern platzieren. Das fördert die Einheilung“, berichtet Prim. Bach. Seitdem ziert eine etwa 10 cm lange Narbe den Rücken der Patientin. „Ich liebe sie heiß“, erzählt Sabrina Schmidt lächelnd. „Denn sie erinnert mich immer daran, wie schlecht es mir früher gegangen ist - und wie toll, weil schmerzfrei, ich heute lebe.“

Bald nach der OP fühlte sie sich wie „neugeboren“
Ihre ersten Schritte nach dem Eingriff machte sie an der Hand ihrer 8-jährigen Tochter, die sich liebevoll um sie sorgte. Etwa eine Woche musste sie im Spital bleiben, darauf folgten 2,5 Wochen Krankenstand inklusive Physiotherapie. „Nach dieser Zeit hatte ich keinerlei Schmerzen mehr, ich fühlte mich wie neugeboren - und konnte endlich normal Mama sein“, freut sich die junge Frau. Heute genießt sie gemeinsam mit Selina ihr Leben und jede Menge Sport wie Reiten, Inlineskaten, Trampolinspringen und vieles mehr.

Prim. Bach rät abschließend allen Patienten mit Bandscheibenproblemen: „Wenn die konservative Behandlung mit Physiotherapie oder Medikamenten nach 6-12 Monaten nicht angeschlagen hat, man täglich an Beschwerden leidet und die Lebensqualität eingeschränkt ist, sollte man einen Wirbelsäulenspezialisten aufsuchen!“

Monika Kotasek-Rissel
Monika Kotasek-Rissel
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Montag, 04. Juli 2022
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