Aus dem Kriegsministerium. „Die Welt blickt gebannt auf den Roten Platz“, hatten wir in der Montag-Ausgabe der „Kronen Zeitung“ getitelt. Und dann blickt, nein, nicht die Welt, aber ganz Österreich am Montag weniger zu Putins Kriegsparade in Moskau, sondern plötzlich zum ehemaligen Kriegsministerium in Wien. Denn im Prachtbau Stubenring Nr. 1, errichtet als „k. u. k. Reichskriegsministerialgebäude“, mit dem Radetzky-Reiterdenkmal davor und einem 40 Tonnen schweren und 15 Meter breiten Doppeladler an der Fassade „residieren“ aktuell drei Regierungsmitglieder. Neben dem erst vor zwei Monaten zugezogenen Grünen Gesundheits- und Sozialminister Johannes Rauch, der hier die Nachfolge der dienstkurzen Minister Anschober und Mückstein antrat, sind es zwei ÖVP-Frauen: Elisabeth Köstinger, Ministerin mit einem bunten Ressort-Gemischtwarenladen von Landwirtschaft über Tourismus bis Zivildienst, und Margarete Schramböck, als Ministerin zuständig für Wirtschaft und Digitalisierung. Am Vormittag sickerte zunächst durch, dass Köstinger ihren Auszug aus der Regierung bekanntgeben werde. Was sie im blütenweißen Kleid knapp nach 11 Uhr mit einem Lächeln um die Lippen vor den TV-Kameras und der Presse bei einer „persönlichen Erklärung“ dann auch tat. Und ihre nicht-amtsmüde Kollegin Margarete Schramböck (und/oder deren Chef Karl Nehammer) offensichtlich in Zugzwang brachte. Keine fünf Stunden später veröffentlichte die Wirtschaftsministerin ein Video, in dem auch sie ihren Rücktritt erklärte. Und so verdrängen die Damen aus dem Kriegsministerium heute den Kriegsherrn Putin als „Krone“-Schlagzeile.
Nehammers Freiheit. Vor allem mit dem Abgang seiner treuen Weggefährtin Elisabeth Köstinger bleibt von Sebastian Kurz und seiner „Partie“ noch weniger. Ein weiterer Befreiungsschlag für Kurz-Nachfolger Karl Nehammer, der gleichzeitig auch von der Last Schramböck befreit ist. Die Ministerin, deren Meisterstück das „Kaufhaus Österreich“ hätte sein sollen, war allerspätestens seit dem fulminanten Scheitern dieses „österreichischen Amazon“ eine lahme Ente. Aber überlebte diesen Schiffbruch immerhin eineinhalb Jahre. Karl Nehammer kann nun sein eigenes Team vervollständigen. Doch dabei werden ihm wohl wieder starke ÖVP-Landeshauptleute entscheidend „unter die Arme greifen“. Nehammers Freiheit - eine sehr relative!
Einen schönen Dienstag!









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