Zu hohe Anforderungen

Manche Bio-Bauern durch EU-Auflagen vor dem Aus

Oberösterreich
30.04.2022 18:00

Als wäre die Kostenexplosion bei Energie infolge des Ukraine-Krieges nicht genug: Die EU setzt unsere Bio-Bauern mit einer neuen Weidepflicht unter Druck. Der Innviertler Reinhard Paischer gab deshalb auf.

Reinhard Paischer, der annähernd 40 Jahre lang 15 Milchkühe im Stall stehen hatte, ist der Frust anzumerken. „Ich habe jetzt kein Milchvieh mehr, als Betrieb mitten in einem Straßendorf wie Munderfing kann ich die verlangte Beweidung nicht erfüllen“, sagt der 58-jährige Landwirt. Zwar hätten seine Kühe Auslauf gehabt, doch eben keine Weide direkt neben dem Stall.

Paischer spricht einen Punkt aus der aktuellen EU-Bio-Verordnung an, der die Weidepflicht für alle Wiederkäuer vorschreibt. Die Einhaltung der Vorschriften wird auf Bio-Höfen heuer streng kontrolliert. Bis zum Jahr 2020 konnte er die „Ausnahmeregelung für beengte Hoflage“ in Anspruch nehmen. Jetzt gibt es keine Ausnahme mehr, was bedeutet: „Ich müsste meine Kühe einen bis mehrere Kilometer über öffentliche Straßen mitten durch Wohnsiedlungen zu den Weideflächen treiben, ich wäre von frühmorgens bis abends nur noch mit den Tieren beschäftigt. Das geht nicht.“ Erfüllt er die Verordnung nicht, wäre der Betrieb auf „konventionell“ zurückgestuft worden: „Ein Rückschlag, den ich nicht wollte.“

Keine Bio-Milch mehr
Darum gibt es von Paischers Hof eben keine Bio-Milch mehr. Er hat die verbliebenen Tiere auf Fleischproduktion umgestellt: „Ich habe acht Stück Jungvieh, die Vorgaben sind hier andere, die kann ich erfüllen.“

Er versteht den Weidezwang nicht: „Es geht bei Bio doch um viel mehr als nur um die Weide: Es geht um die richtigen Futtermittel in bester Bio-Qualität und um sorgsame Betreuung der Tiere. Investitionen in Stallgebäude für die Bio-Tierhaltung bleiben eh als finanzielle Belastung stehen.“ Um das Anwesen für die Zukunft abzusichern, sattelt er beruflich um: „Ich begleite als Berater andere landwirtschaftliche Betriebe in konflikthaften Bereichen – mein neues Standbein.“

An seine Milchkühe denkt Paischer oft: „Sie haben viele Jahre meinen Alltag bestimmt. Den Verlust stecke ich nicht einfach so weg!“

Krieg könnte eine Chance für Bio-Landwirtschaft sein
Der Ukraine-Krieg hat Energie, Dünge- und Futtermittel deutlich teurer gemacht. Das setzt alle Bauern, egal ob mit konventioneller oder biologischer Landwirtschaft, unter Druck. „Wie entwickeln sich die Kosten? Diese Unsicherheit ist das Ärgste!“, sagt Paischer. Gerade jetzt wäre eine gute Chance, die Bio-Landwirtschft, die weniger dünger- und energieintensiv produziert, zu stärken. Davon scheint man sich durch immer strengere Vorgaben zu entfernen. „Wenn man mehr Bio möchte, muss man schauen, wie die Betriebe das durchführen können!“

Dass es Bio-Betrieben immer schwerer gemacht wird, bestätigt Lukas Großbichler von der LK OÖ im Interview unten.

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