Schönste Wanderrouten

Naturjuwel zwischen Rhein und Dornbirner Ach

Vorarlberg
28.04.2022 11:55

Eine große Artenvielfalt gibt es im Naturschutzgebiet Rheindelta. Besonders an, um und in den Schleienlöchern sowie der Rheinmündung tummeln sich zahlreiche Vertreter der heimischen Fauna.

Das Naturschutzgebiet Rheindelta ist über 2000 Hektar groß, etwa zwei Drittel davon sind Wasser und ein Drittel Landfläche. Rund 600 verschiedene Pflanzen wachsen in dem Gebiet, viele davon gelten als gefährdet - etwa der Sonnentau oder der Kleine Rohrkolben. Durch die Nähe zum Wasser ist eine Vielfalt an Naturlebensräumen entstanden, die zahlreichen Tieren ein Zuhause bietet. Im Rheindelta kommen über 300 Vogelarten vor, einige davon machen dort nur während ihres alljährlichen Zuges in die Brutgebiete Rast. Dazu gehört unter anderen der Alpenstrandläufer. Andere wie die Flussseeschwalbe brüten im Rheindelta und ziehen dort auch ihre Jungen auf. Bei einem Ausflug in das Schutzgebiet lassen sich spannende Beobachtungen machen, das Fernglas sollte also auf jeden Fall eingepackt werden. Der heutige Rundgang startet beim Parkplatz am Rheindamm in der Nähe des Restaurants „Fischerheim am Schleienloch“.

Anpassungsfähige Schleie „hält den Atem an“
Die Schleienlöcher sind nach der Fischart Schleie benannt - ein Süßwasserfisch aus der Ordnung der Karpfenartigen. Die Schleie lebt überwiegend am Grund langsam fließender oder stehender Gewässer und ernährt sich hauptsächlich von Kleinlebewesen sowie Schnecken. Diese Fischart verfügt über die Fähigkeit der Kälte- und Hitzestarre, was es ihr ermöglicht, kurzfristig auch extremen Sauerstoffmangel zu überleben. Deshalb wird die Schleie häufig in Tümpeln angetroffen und hat sich auch im Harder Naturschutzgebiet etabliert. Dank der geschützten Lage bieten die Schleienlöcher aber auch gute Bedingungen für andere Tiere und Pflanzen.

Auf dem Schleienloch-Rundweg ist das einzigartige Naturjuwel in rund 40 Minuten Fußmarsch umrundet. Allerdings sollte man auf jeden Fall mehr Zeit einplanen, denn unterwegs gibt es vieles zu entdecken, und es bieten sich immer wieder gute Möglichkeiten, Vögel oder verschiedenste Wasserbewohner zu beobachten. Die Wege sind gut ausgeschildert und können entweder zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt werden. Zur Balzzeit im Frühjahr ist auf dem Wasser besonders viel los. So liefern sich unter anderem die Blässhühner teils heftige Revierkämpfe. Der schwarze Vogel mit der auffälligen Blässe auf der Stirn und den langen mit Schwimmlappen ausgestatteten Zehen gehört zu den Rallen (Kranichvögel) und ist somit - im Gegensatz zu seinem Namen - enger mit den Kranichen verwandt als mit Hühnern. Blässhühner sind Allesfresser. Fische, Pflanzenteile, Schnecken, Wandermuscheln, Larven sowie Schilf werden verspeist. Wer ein wenig am Ufer verweilt, kann den Vögeln bei der Nahrungssuche zusehen.

Die Rheinmündung zählt zu den wertvollsten Lebensräumen im Naturschutzgebiet. Für Fische, Wasser- und Waldvögel sind die Flachwasserzonen unverzichtbare Jagdgründe und Rückzugsorte. Hier ist auch der größte und in unseren Gefilden wohl bekannteste Vertreter aus der Familie der Lappentaucher anzutreffen - der Haubentaucher. Mit seinem langen Hals und der aufgestellten Haube ist der Wasservogel eine elegante Erscheinung.

Pinguin als Haltungsvorbild 
Die Tiere fressen hauptsächlich kleine Fische, die sie unter Wasser jagen. Aber auch Kaulquappen, Frösche, Krebstiere, Spinnen, Wasserinsekten und Samen stehen auf dem Speiseplan. Auffallend ist das Balzverhalten dieser Vögel - dazu zählt heftiges Kopfschütteln mit gespreizter Federhaube sowie die sogenannte Pinguin-Pose, bei der sich die Vögel durch rasches Paddeln mit den Füßen fast senkrecht voreinander aus dem Wasser heben. Es tummeln sich aber noch weit mehr „bunte Vögel“ im Wasser bei der Rheinmündung: imposant und unverkennbar der Höckerschwan.

Die Tiere können eine Körperlänge von bis zu 160 Zentimeter und eine Flügelspannweite von 240 Zentimetern erreichen. Ursprünglich kam der Höckerschwan im nördlichen Mitteleuropa, im südlichen Skandinavien, im Baltikum und im Bereich des Schwarzen Meers vor. Die heutigen Brutpopulationen in Westeuropa gehen auf ausgesetzte und verwilderte Vögel zurück, die ursprünglich in Parkanlagen gehalten wurden. Während die mitteleuropäischen Schwäne auch im Winter in ihren angestammten Gebieten bleiben, ziehen jene aus Skandinavien während der kalten Jahreszeit in den Süden. Viele Jahre waren auch die Graugänse - die wilden Vorfahren der Hausgänse - nur Gäste im Bodenseegebiet. Mittlerweile verweilen sie immer länger auf Vorarlberger Boden.

Fakten

Typ: kurzweilige Spazierrunde
Dauer: 45 Minuten reine Gehzeit (auch mit dem Fahrrad möglich)
Startpunkt: Parkplatz bei den Schleienlöchern, Hard
Ausrüstung: dem Wetter angepasste Kleidung, Laufschuhe, Fernglas, eventuell Getränk
Einkehrmöglichkeit: Restaurant Fischerheim am Schleienloch (Di-Mi Ruhetag)

Deltabewohner im Konflikt mit den Menschen
Doch nicht jeden freut das: Da die Tiere mit Vorliebe frisches Gras fressen, haben sie bereits den Unmut so manchen Landwirts auf sich gezogen. Schwäne, die sich ebenfalls gerne einmal an landwirtschaftlichen Feldern gütlich tun, werden bereits bejagt. Ein weiterer Deltabewohner, der ob seiner Ausflüge in Felder und seiner Bautätigkeit mit dem Menschen öfter in Konflikt gerät, ist der Biber. Auch wenn man den Nager kaum zu Gesicht bekommt, so sind seine Spuren in Ufernähe fast überall zu finden. Manche Bäume wurden bereits mit einem Schutz versehen, damit sie nicht angenagt werden. Der kurzweilige Spaziergang um die Schleienlöcher ist bei (fast) jedem Wetter zu empfehlen.

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