Bub verstorben

Absturz in Russland: Zahl der Toten auf 45 gestiegen

Ausland
22.06.2011 10:19
Nach dem Flugzeugabsturz mit zunächst 44 Toten in Russland ist nun auch ein Zehnjähriger seinen schweren Verletzungen erlegen. Der Bub, der das Unglück mit seiner 14-jährigen Schwester zunächst überlebt hatte, starb nach Regierungsangaben Mittwoch früh in einem Krankenhaus der Stadt Petrosawodsk. Damit überlebten nur sieben der 52 Insassen die Katastrophe.

Die Verletzungen des Buben seien zu schwer gewesen, sagte die Gesundheitsministerin der russischen Teilrepublik Karelien, Valentina Ulitsch. Ermittler gehen bisher von einem Pilotenfehler aus. Die Maschine mit 43 Passagieren und neun Besatzungsmitgliedern an Bord war am Montag um 23.45 Uhr Ortszeit (21.45 Uhr MESZ) in der Provinz Karelien nahe der finnischen Grenze vom Radar verschwunden. 

Das Flugzeug des Typs Tupolew-134 war aus Moskau gekommen. Nach Angaben von Rettungskräften streifte die Unglücksmaschine beim Landeanflug mehrere Bäume und einen Strommasten. Dadurch fiel kurzzeitig die Landebahn-Beleuchtung aus. Danach stürzte sie etwa 700 Meter von der Landebahn entfernt auf einer Straße ab, zerbrach in mehrere Teile und ging in Flammen auf.

Wie durch ein Wunder keine Stadtbewohner verletzt
Zahlreiche Löschzüge der Feuerwehr waren im Einsatz. "Die Trümmer liegen überall. Wie durch ein Wunder ist in der Nähe der Gebäude niemand verletzt worden", sagte ein Mitglied der Rettungskräfte. Augenzeugen sprachen von einem Bild der Verwüstung und herumliegenden Leichen.

Zu den Opfern des Absturzes zählen ein Deutscher, der auch einen russischen Pass besaß, ein Schwede, ein Niederländer, zwei Ukrainer sowie vier Mitglieder einer Familie mit russischer und US-Staatsbürgerschaft, hieß es. Bei dem Unglück kamen zudem zahlreiche Konstrukteure des staatlichen Atomkonzerns Rosatom ums Leben. Auch der junge russische FIFA-Schiedsrichter Wladimir Leonidowitsch Pettai starb. Österreicher sind laut Außenministerium in Wien nicht betroffen.

Junges Geschwisterpaar überlebte
Die Rettung des nun verstorbenen Buben namens Anton war am Dienstag noch als Wunder gefeiert worden. Zunächst hatte es geheißen, dass er und seine vierzehnjährige Schwester Anastasia mit Brüchen und Verbrennungen überleben würden. Nun mussten die Ärzte den Kampf um sein Leben aber aufgeben.

Laut einer Liste des Ministeriums stammen die Geschwister von der Pazifikinsel Sachalin. Eine Sprecherin sagte, dass auch die Mutter der beiden Kinder bei der missglückten Notlandung ums Leben gekommen sei. Die Kinder hatten demnach mit ihrer Mutter in der Region ihren Onkel besuchen wollen. Dieser habe sie abholen wollen und das Unglück mit eigenen Augen mit angesehen. Daraufhin habe er einen Herzanfall erlitten und das Bewusstsein verloren.

Behörde: Landebahnbeleuchtung defekt
Bei ersten Untersuchungen hätten Vertreter der Luftfahrtbehörde festgestellt, dass während der Landung der Maschine die Hochleistungsstrahler kurze Zeit nicht funktioniert hatten, die bei Nebel zusätzlich zur Landebahnbeleuchtung angeschaltet werden müssen, sagte eine Sprecherin der Zivilschutzbehörde. "Warum, das muss die Untersuchungskommission jetzt feststellen."

Trotz der ersten Hinweise auf den Fehler in der Landebahnbeleuchtung ist die genaue Absturzursache damit weiter unklar. "Gegenwärtig ermittelt eine Sonderkommission, aber es ist bekannt, dass im Moment des Absturzes starker Nebel herrschte und jetzt in der Gegend schwerer Regen fällt", so die Sprecherin. Ermittler gingen demnach zunächst drei Versionen nach: menschliches Versagen, technische Probleme und ungünstige Wetterbedingungen. Der bereits geborgene Flugschreiber der Maschine soll nun Aufschluss geben.

"Eines der zuverlässigsten Flugzeuge der Welt"
Die seit Sowjetzeiten produzierte Tupolew war nach Behördenangaben erst kürzlich gewartet worden. "Wenn man sich die Zahl der Unglücke bei dem seit 40 Jahren hergestellten Typ anschaut, dann lässt sich sagen, dass dies eines der zuverlässigsten Flugzeuge der Welt überhaupt ist", sagte der prominente russische Pilot Magomed Tolbojew der Agentur Itar-Tass.

Allerdings hatte Präsident Dmitri Medwedew kürzlich seine Tupolew gegen ein westliches Modell eingetauscht und Mängel in der heimischen Produktion von Flugzeugen kritisiert. Auch bei der im April 2010 abgestürzten Maschine des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski handelte es sich um ein Fabrikat des Unternehmens, und zwar um das Modell Tu-154. Bei dem Absturz in Russland kamen außer Kaczynski 95 Menschen ums Leben, darunter auch dessen Ehefrau und zahlreiche weitere hochrangige Vertreter Polens.

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