Schonfrist zu Ende?
US-Ratingagenturen drohen Klagen der Börsenaufsicht
Ratingagenturen verdienen ihr Geld damit, die Bonität von Staaten und Unternehmen sowie die Ausfallwahrscheinlichkeit von Wertpapieren zu bewerten. Zusammen mit Fitch gelten Standard & Poor's und Moody's als die "großen Drei" der Branche - die New Yorker Firmen geben 95 Prozent aller Bonitätsbewertungen ab.
Bisher nur Verbalattacken
Viele Investoren vertrauen ihrem Urteil nahezu blind. In der Finanzkrise hatte sich diese Blauäugigkeit gerächt: Die Ratingagenturen hatten auch jenen US-Hypothekenpapieren gute Zeugnisse ausgestellt, die ab dem Jahr 2007 massiv an Wert verloren und damit die Krise des gesamten Finanzsystems auslösten.
Seither haben Politiker und Finanzaufseher die Ratingagenturen scharf kritisiert und ihnen vorgeworfen, mit ihren guten Noten die Immobilienblase in den USA verstärkt zu haben. Allerdings blieb es bisher weitgehend bei Verbalattacken. Versuche, die Ratingagenturen zur Rechenschaft zu ziehen, scheiterten bisher zumeist. So urteilte ein US-Berufungsrichter nach Angaben des "Wall Street Journal" noch im Mai, es habe sich bei den Ratings um "bloße Meinungen" gehandelt und diese seien durch die in der Verfassung verankerte Meinungsfreiheit geschützt.
Prüfung auf falsche oder unvollständige Daten
Die SEC will nun prüfen lassen, ob sich die Ratings damals auf falsche oder unvollständige Daten gestützt hatten oder aber die Agenturen Anzeichen des bevorstehenden Platzens der Subprime-Blase ignoriert hatten. Konkret konzentrieren sich die juristischen Ermittlungen der SEC auf Standard & Poor's sowie die Moody’s-Tochter Moody’s Investor Service, so das "Wall Street Journal". Standard & Poor's wollte sich gegenüber dem "Wall Street Journal" nicht äußern, Moody's kündigte ungeachtet des konkreten Falls an, mit der SEC bei einer Anfrage zusammenzuarbeiten.
Neben der gefürchteten Börsenaufsicht ermittelt auch eine ganze Reihe an US-Staatsanwälten gegen die Wall Street. Die juristische Aufarbeitung der Finanzkrise hat in den USA gerade erst richtig begonnen. Anders als Banken, die sich infolge der Finanzkrise einer strengeren Regulierung beugen mussten, blieben die Bonitätsbewerter weitgehend von Auflagen verschont. Auch die Finanzaufseher und Staatsanwälte knöpften sich bei ihren bisherigen Ermittlungen zu den Verfehlungen der Finanzwelt lieber die einfacher zu greifenden Banken vor. Die US-Investmentbank Goldman Sachs zahlte in einem Vergleich mit der SEC 550 Millionen Dollar (385 Millionen Euro). Nach Informationen des "Wall Street Journal" steht ein SEC-Vergleich mit der US-Großbank JPMorgan Chase kurz bevor.
Europa will Ratingagenturen an die kurze Leine nehmen
Auch in Europa stehen die Ratingagenturen im Kreuzfeuer der Kritik. Bereits im März wertete die Europäische Kommission die Herabstufungen für Spanien und Griechenland als Beleg für die Notwendigkeit einer stärkeren Regulierung der Agenturen, zuletzt hatte Standard & Poor's im Mai Italiens Bonität in Frage gestellt. Nach Auffassung der Kommission muss der Sektor der Ratingagenturen erweitert werden. Zudem gelte es, ein übertriebenes Vertrauen in die Bonitätsnoten zu reduzieren und die verbliebenen Interessenskonflikte auszuräumen
Kronen Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen 






Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.