22.03.2022 06:00 |

2023 live in Wien

Sabaton: Martialisch an die Spitze der Charts

Zum Zeitpunkt des Krieges in der Ukraine kommt Sabatons brandneues Album „The War To End All Wars“ zu einem semiglücklichen Zeitpunkt heraus, doch die österrechischen Fans haben das Werk der schwedischen Heavy-Metal-Truppe auf Platz eins der Albumcharts platziert und im Mai 2023 kommt die Band in die Wiener Stadthalle. Mastermind Pär Sundström erklärt uns im belgischen Militärmuseum, wie aus einer Musikgruppe ein großes Wirtschaftsunternehmen wurde.

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November 2021. Die schwedische Metal-Erfolgsband Sabaton lädt ausgewählte Journalisten aus ganz Europa ins imposante Musée Royal de l’Armée in Brüssel, um ihr erst Monate später zugängliches neues Studioalbum opulent zu präsentieren. Es gibt eine beeindruckende, mehrstündige Museumsführung, die keine Fragen zu Kriegen aller Art offenlassen. Die Sammlung ist eine der umfangreichsten der Welt, allein die Flugzeugausstellung nimmt eine 100 Meter lange Halle ein. Die Band präsentiert ihr Album auf einer Riesenleinwand im üppigen Stereo-Sound, steht für Fragen, Interviews und Anliegen aller Art bereit und überrascht die schreibende Zunft am Ende auch noch mit einem aufwändig animierten Film, der das Konzept von „The War To End All Wars“ visuell widerspiegelt. Klotzen statt kleckern, wie man es von der Heavy-Metal-Schmiede gewohnt ist, die in Europa beständig die Charts aufrollt und auch in den USA ungeheure Popularitätswerte aufweist.

Augenmerk aufs Gesamtpaket
Das Erfolgsgeheimnis dahinter ist so simpel wie wirkungsvoll: man greife in die martialische Klischeekiste, erschaffe stampfende, aber sehr eingängige Heavy-Metal-Rhythmen, würze sie mit ohrwurmträchtigen Refrains und unterstütze das Ganze mit historischen Kriegstexten, auffallender Optik und feurigen Bühnenshows, wo auch schon mal Panzer auffahren können. Sabaton sind in einem sich viel zu oft wiederholenden Genre damit keine musikalische Offenbarung, aber eine der ganz wenigen Bands, deren Historie noch keine 20 Jahre aufweist und die trotzdem schon Festival-Headliner sind, ihre eigenen Konzertkreuzfahrten veranstalten oder mit einem Orchester zusammenarbeiten. Dazu kümmert sich die Band wie keine zweite um das gesamte Drumherum. Es gibt einen eigenen „Sabaton History Channel“, wo Interessierte ausrecherchierte und kundige Expertenmeinungen zu Sabaton-Songs und -Konzepten einholen können. Zuletzt überraschte man sogar mit einem eigenen Printmagazin.

„Ich habe so viele Ideen, die kriege ich in einem Leben gar nicht unter“, lacht Pär Sundström im „Krone“-Interview. Bassist Sundström ist neben Sänger und Hauptkomponist Joakim Brodén die zweite dominante Kraft im Sabaton-Kosmos. Ist Brodén hauptsächlich für die Musik und das martialische Äußere zuständig, kümmert sich der stille Sundström ums Geschäftliche und straft alle Lügen, die einem Metal-Musiker fehlendes Wirtschaftsbewusstsein vorwerfen. „Sabaton sind eine Firma. Wir haben ungefähr 25 Menschen in der Organisation und dieses Team zu leiten ist extrem anstrengend. Ich muss überlegen, ob ich jemanden kündigen muss, wen ich einstelle oder welche Verantwortung ich trage, wenn eine Mitarbeiterin schwanger wird. Ich finde das aufregend, wachse und reife daran, aber das war so nicht voraussehbar. Vor allem in den letzten zwei Jahren war ich mehr Geschäftsmann als Musiker, aber mein Herz ist auf der Bühne und ich kann es kaum erwarten, wieder dorthin zurückzukehren.“

Eine Frage des Timings
März 2022. Das Album erscheint endlich und setzt sich sofort an die Spitze der österreichischen Charts. Das gelingt Sabaton hierzulande zum ersten Mal. Die Schweden lassen damit Kapazunder wie Stromae, die Nockis und sogar das Best-Of von Wolfgang Ambros zu seinem 70. Geburtstag hinter sich. Doch nur wenige Kilometer östlich unserer Landesgrenzen tobt der erbitterte Krieg in der Ukraine mit ungewissem Ausgang. Die Geschichte hat Sabaton sozusagen eingeholt und das Timing, ein Album wie „The War To End All Wars“ zu veröffentlichen, ist natürlich zu hinterfragen. Die Band, die sich textlich in ihren früheren Jahren durch ungenaue Recherchen auch schon mal leicht verhoben hat, schickt sofort ein Statement aus und verurteilt den Angriffskrieg der Russen aufs Schärfste. Der schale Beigeschmack bleibt, aber es stellt sich natürlich jetzt mehr denn je die alte Frage, inwieweit sich Kunst von der Realität trennen und abkoppeln lassen muss. Und warum soll eine Konzeptband geächtet werden, nur weil die Realität sie überholt hat?

Inhaltlich ist das neue Album eine Fortsetzung des 2019er Werks „The Great War“, das sich schon intensiv mit dem Ersten Weltkrieg befasst hat. Durch die Pandemie sei die Wirkung des Werkes verpufft, meint Sundström rückblickend. „Das Album konnte einfach nie sein volles Potenzial ausschöpfen. Wir mussten die Tour und die gesamte Promo-Kampagne in der Mitte stoppen.“ Die Pandemie gab Sabaton aber auch die Zeit, schneller als erwartet ans neue Werk ranzugehen. Ursprünglich war nur die ausgekoppelte Single „Christmas Truce“ geplant, doch den Vielarbeitern war schnell klar, dass da noch mehr Feuer im Köcher stecken würde. „Wir haben jetzt auch das Album selbst mehr in den Mittelpunkt gestellt, uns nicht so sehr auf Singles konzentriert wie beim letzten Werk. Wir müssen in einem Jahr noch einmal darüber sprechen, aber ich bin mir sehr sicher, dass ,The War To End All Wars‘ mehr Aufmerksamkeit bekommen wird.“

Man kann weiter forschen
Musikalisch wird das Rad im Sabaton-Kosmos nicht neu erfunden. Epische Chöre, treibende Beats, etwas Doublebass und viel Heavy-Metal-Riffgewalt. Insgesamt hat „The War To End All Wars“ aber etwas mehr Power als der doch zu melodisch geratene Vorgänger. Textlich bewegt man sich querbeet und nicht chronologisch durch das A&O des Ersten Weltkriegs. Die deutschen Sturmtruppen, das Attentat auf Franz Ferdinand, die berühmten und gefürchteten „Dreadnought“-Kriegsschiffe oder auch den Vertrag von Versailles. „Es ist schwierig, ausufernde Themen in einen dreiminütigen Song unterzubringen, aber dafür gibt es eben unseren ,History Channel‘. Viele unserer Fans wollen die Musik hören, ein Bier trinken und eine gute Zeit haben. Andere aber wollen tiefer gehen und sich der Thematik genauer widmen. Für sie bieten wir mehr an.“ Wenn Sundström von seiner Erfolgsband spricht, dann verwendet er gerne den Terminus „Universum“. Was alles in das Sabaton-Universum passt und was nicht, das entscheidet sich in engster Absprache innerhalb der Bandmitglieder.

„Ich sehe mich als Filter und habe ein gutes Gespür dafür, welche Idee wo reinpasst, um der Marke Sabaton zu dienen. Egal, ob es sich um einen Song, ein Musikvideo, ein Konzert oder das neue Magazin dreht. Jedes einzelne Detail muss einen Grund, einen Platz und ein Ziel in diesem Universum haben. Es ist sehr groß und es passt sehr viel rein, aber eben nicht alles.“ So greifen Sabaton oft auch auf zehn oder 20 Jahre alte Songfragmente zurück, die zum jeweiligen Konzept musikalisch plötzlich doch Sinn machen. „Die Musik soll leben und sich entwickeln. Es darf nie etwas zu erzwungen oder gewollt klingen.“ Auf die Nase sind Sabaton bislang kaum gefallen. Als einzigen Misserfolg sieht Sundström eine einst versuchte Radiosendung in Schweden. „Das hat nur bei uns daheim geklappt und dadurch haben wir weltweit viele Fans exkludiert. Das mag ich gar nicht, deshalb haben wir das Thema wieder gelassen.“ Und was schwebt dem wirtschaftlichen Masterbrain bei all seinen Ideen sonst noch so vor? „Ein eigenes Sabaton-Museum wäre schon cool…“

Live in Wien
Von den Verschiebungen ist auch das Konzert von Sabaton in der Wiener Stadthalle (ein weiteres Mal) betroffen. Der neue Termin ist nun der 7. Mai 2023. Auf www.oeticket.com gibt es noch Karten für das Konzerthighlight nächste Jahr im Frühling - dazu alle weiteren Infos rund um das Event.

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