Do, 19. Juli 2018

Afghanistan-Einsatz

30.05.2011 07:55

NATO entschuldigt sich für getötete Zivilisten

Die NATO hat sich für einen Luftangriff entschuldigt, bei dem in der Nacht auf Sonntag im Süden Afghanistans einige Kinder getötet worden waren. "Ich entschuldige mich von ganzem Herzen bei den Familien und Freunden der Getöteten", sagte der Kommandant der Internationalen Schutztruppe ISAF im Südwesten Afghanistans, der US-Generalmajor John Toolan, nach Berichten des US-Senders CNN am Sonntag.

Er bat die Afghanen um Vertrauen und forderte sie auf, die eigenen Sicherheitskräfte weiter zu unterstützen. Die Entschuldigung erfolge im Namen der ISAF, der International Security Assistance Force, und ihres Oberkommandierenden David Petraeus, sagte er. Der Vorfall werde untersucht.

Toolan zufolge kamen bei dem Angriff in der Provinz Helmand neun Zivilisten ums Leben. Laut CNN hatte die ISAF zuvor - ebenso wie die Provinzregierung - von zwölf Kindern und zwei Frauen gesprochen, die getötet worden seien. Einen Grund für unterschiedlichen Angaben nannte Toolan nicht. Insgesamt starben bei Luftangriffen der NATO in Afghanistan in den vergangenen Tagen nach örtlichen Behördenangaben mehr als 30 Zivilisten und 20 Polizisten.

Karzai: Angriff auf Zivilisten "Mord"
Die Tötung von afghanischen Zivilisten bei ISAF-Einsätzen, zu der es immer wieder kommt, ist ein besonders heikles Thema zwischen dem Westen und der Regierung in Kabul. Der afghanische Präsident Hamid Karzai bezeichnete den Angriff am Sonntag in einer Erklärung als "schweren Fehler" und "Mord" und forderte die Armee und die Regierung der USA in einer "letzten Warnung" auf, ihre "einseitigen und unsinnigen" Einsätze zu unterlassen.

Erst am Samstag hatte Karzai das Verteidigungsministerium angewiesen, Angriffe ausländischer Truppen zu verhindern, die nicht mit den Afghanen koordiniert sind. Das Ministerium soll nach der Direktive außerdem die gezielten nächtlichen Operationen von US-Spezialeinheiten - sogenannte Night Raids - unter seine Kontrolle bringen.

Die US-Regierung nimmt die von Karzai geäußerte Kritik an der Tötung von Zivilisten bei den NATO-Angriffen nach eigenen Angaben "sehr ernst". "Präsident Karzai hat mehrmals seine Besorgnis ausgedrückt hinsichtlich des Todes von Zivilisten", so der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney. "Das ist eine Sorge, die wir teilen und die wir sehr ernst nehmen."

Immer wieder tote Zivilisten bei Angriffen
Der Tod von vier Zivilisten in Talokan in der nordöstlichen Provinz Takhar hatte am 18. und 19. Mai zu gewaltsamen Ausschreitungen in Talokan geführt, wo auch ein Stützpunkt der deutschen Bundeswehr attackiert wurde. 17 Menschen starben. Am Samstag wurden bei einem Selbstmordanschlag in Talokan zwei deutsche Soldaten getötet und fünf weitere verletzt, unter ihnen der für den Norden Afghanistans zuständige ISAF-Kommandant Markus Kneip. Auch ranghohe afghanische Sicherheitsvertreter wurden getötet.

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