Kunstbanausen

Kunstwerk für Müll gehalten – verbrannt

Viral
14.01.2005 12:59
Die Stadt Frankfurt hat ein Kunstwerk als vermeintlich wild abgestellten Sperrmüll verbrannt. Der von Oberbürgermeister Petra Roth persönlich bestellte Leiter der Stabsstelle "Sauberes Frankfurt", Peter Postleb, übernahm die Verantwortung für das Vorgehen. Er selbst habe die gelben Plastikteile der Skulptur für Müll gehalten und ihren Abtransport veranlasst. Der Künstler Michael Beutler zeigte sich erfreut über Postlebs Offenheit und will keinen Schadensersatz verlangen.
Der Städel-Absolvent Beutler hatte unterdem Titel "nicht innen sondern außen - nicht drinnen sonderndraußen" für den Frankfurter Kunstverein überdas ganze Stadtgebiet zehn Skulpturen verteilt, die er aus gelbemBetonschalmaterial fertigte. Die nur per Exkursion zu besichtigendeArbeit besteht nun nur noch aus sieben Teilen, da laut Kunstvereinzwei weitere Werke auf unbekanntem Wege verschwunden sind. DieAusstellung dauert noch bis zum 16. Jänner. 
 
Künstler nimmt's mit Humor
"So was gehört halt irgendwie dazu", kommentierteder inzwischen in Berlin lebende Künstler das Geschehene.Seine Arbeit sei von vornherein als vorübergehend geplantgewesen, das vom fränkischen Hersteller Peca zur Verfügunggestellte Baumaterial sollte anschließend entsorgt odervon Anderen weiterverwendet werden. Ein Wiederaufbau habe keinenSinn, da die Diskussion um das verschwundene Werk interessantersei. 
 
Postleb war nach eigenem Bekunden erst auf Grundeines Zeitungsfotos auf seinen Fehler aufmerksam geworden. "Dawar kein Schild dran und die Einzelteile waren vom Wind zerfleddert",entschuldigte er sich. Er habe angenommen, dass sich Leiharbeitereinen Unterstand aus den Schalteilen gebaut hätten. In denvergangenen Jahren sei zwei Mal der Abtransport von ähnlichenWerken in letzter Minute verhindert worden, berichtete Postleb.Dabei habe es sich um ein mit Sand gefülltes Auto und einean einen Baum gekettete Badewanne gehandelt. 
 
Beim Kunstverein habe man schon geschmunzelt, dassausgerechnet die Stadt vorher genehmigte Kunstwerke abräume,sagte Sprecherin Katja Schroeder. "Damit hat keiner gerechnet."Mit Postleb habe sie vereinbart, dass die Stadt die ohnehin geplanteEntsorgung des Materials übernehme.
 
Kunst-"Nachhilfe" für die Saubermacher
Die Beamten der Stabstelle "Sauberes Frankfurt" sollenkünftig Kunst-Nachhilfe nehmen: Unter dem Motto "Testen SieIhr Kunsturteil!" will das Frankfurter Städel das breiteKunstverständnis schärfen. Das neue Angebot könneerstmals am 16. Jänner ausprobiert werden, wie das renommierteMuseum mitteilte. Dazu will das Städel ein weitgehend unbekanntesGemälde aus dem Depot holen, das einem Bild der öffentlichpräsentierten Sammlung gegenübergestellt wird. Die Aktionzur Beurteilung von Kunst soll künftig ein Mal im Monat angebotenwerden. 
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