Einen schönen Montagabend.
Es ist kein Geheimnis, dass es neben Politikern, die vor versteckten Kameras Blödsinn reden, auch jene gibt, die dies vor Kameras tun, die ganz klar als solche erkennbar sind. Die im „Club 3“-Studio sind nicht als Blumentöpfe oder Rauchmelder getarnt, sie sehen wie ganz normale Kameras aus, lassen sich verschieben wie normale Kameras, blinken wie normale Kameras und sind so groß wie normale Kameras, was eben daran liegt, dass sie normale Kameras sind. Oft steht sogar drauf: Kamera 1. Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka hat sich im „Club 3“ also selbst eine Videofalle gestellt und sich um Kopf und Kragen geredet. In anderen Ländern endet das schon einmal mit einer persönlichen Erklärung, in Österreich gilt die Unschuldsvermutung sogar dann bis zum Schluss, wenn es ein Bekennervideo gib.
Entlarvend schon seine Einstellung zum Flüchtlingsthema. Sobotka: „Die Ukrainer müssen in der Ukraine bleiben und letztlich ihr Land verteidigen. Was wäre gewesen, wenn alle Österreicher nach 1945 geflohen wären?“ Eine bemerkenswerte Aussage von einem Mann, der sich vor einer Granate schon in die Hose macht, wenn sie ihren Ursprung nicht in einer Munitionsfabrik, sondern nur im menschlichen Allerwertesten hat. Wir erinnern uns an seine Kameraoffensive gegen jenen Amok-Defäkierer, der sich vor seiner privaten Haustür als Zeichen des Protestes gegen Sobotka nicht auskotzte, sondern sich für eine andere Körperöffnung entschied. Landesweite Videoüberwachung, weil ihm jemand vor die Haustür gewurstet hat. Zumal halte ich die Aussage für narzisstisch und bequem. Sobotka hat sein warmes Bett, seine Familie um sich, feines Hapi-Papi, ein sicheres Zuhause, sterben sollen die anderen. In der Ukraine müssen die 18- bis 60-Jährigen zum Kriegsdienst, Wolfgang Sobotka ist 66 Jahre alt. Die Gnade des Geburtsortes und die Gnade des Alters.
Zur Diskussion über seinen Vorsitz im U-Ausschuss erklärte Sobotka dann: „Es wird nicht möglich sein, mit permanenten Unterstellungen jemanden rauszukicken. Dann könnte man auch die Zweite Präsidentin und den Dritten Präsidenten rauskicken. Und wer soll es dann machen? Das haben wir schon einmal gehabt - 1933.“ 1933 und 1945. Was für ein verheerendes Geschichtsbild. Beim 1945-Vergleich ruderte Sobotka schließlich zurück, wenn auch nicht sehr weit. Dabei könnte man es belassen, wäre Sobotka der schrullige Bürgermeister einer Ortschaft in Niederösterreich, der liebe Wolfi, der seit Jahren aufopferungsvoll für die Bepflanzung des Kreisverkehrs neben der Kirche kämpft. Aber Wolfgang Sobotka ist Nationalratspräsident. Wenn man den guten Ton nicht mehr erkennt, sollte man das Dirigieren lassen.
Ich wünsche einen schönen Feierabend, so Sie einen haben.











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