So, 16. Dezember 2018

Kaution hinterlegt

21.05.2011 12:59

Ex-IWF-Chef Strauss-Kahn aus U-Haft entlassen

Ein Richter in New York hat am Freitag die Freilassung des früheren IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn verfügt und den Franzosen gleichzeitig zu Hausarrest in einem Wohnhaus im Stadtteil Lower Manhattan, dem Finanzzentrum der Metropole, verdonnert. Davor hatte Strauss-Kahn die geforderte Kaution von einer Million Dollar sowie Bürgschaften in Höhe von fünf Millionen Dollar hinterlegt. Die Enthaftung hatte noch am Abend gehörig gewackelt, weil die Nachbarn in der ursprünglich geplanten Bleibe des Ex-IWF-Chefs auf die Barrikaden gegangen waren.

Der seit vier Tagen auf der berüchtigten Gefängnisinsel Rikers Island einsitzende Strauss-Kahn wollte ursprünglich in eine von seiner Frau Anne Sinclair gemietete Wohnung im "Bristol Plaza" in der betuchten Upper East Side von Manhattan ziehen.

Medienberichten zufolge war Strauss-Kahn dort aber nicht mehr willkommen, nachdem die Auflagen für seinen Hausarrest - darunter eine ständige Überwachung des Anwesens - bekannt wurden. Außerdem fürchteten die Bewohner des Hauses möglicherweise den Medienrummel. "Jemand Wichtiges" in dem Wohnhaus habe Einspruch gegen die Anwesenheit Strauss-Kahns erhoben, berichteten Medien am Freitag.

Die Verwaltung des "Bristol Plaza" wollte keinen Kommentar dazu abgeben. Auf Nachfrage der Nachrichtenagentur AFP, ob auf den Namen Sinclair oder Strauss-Kahn eine Wohnung gemietet worden sei, antwortete ein Sprecher knapp: "Wir haben keine Gäste, die so heißen."

Trotz dieser Widerstände wurde dann allerdings die Enthaftung angeordnet. Statt in der noblen Upper East Side wohnt Strauss-Kahn vorerst in Lower Manhattan, in einer Wohnung jener Sicherheitsfirma, die für seine Bewachung zuständig ist.

Kaution von sechs Millionen Euro
Ein New Yorker Richter hatte am Donnerstag zugestimmt, Strauss-Kahn gegen eine Kaution in Höhe von einer Million Dollar aus der Untersuchungshaft auf der Gefängnisinsel Rikers Island freizulassen. Weitere fünf Millionen Dollar muss der Ex-Präsident des Internationalen Währungsfonds in Form von Bürgschaften hinterlegen.

Der Richter verfügte, dass Strauss-Kahn in einer Wohnung rund um die Uhr unter der Beobachtung von bewaffneten Wachen stehen muss. Außerdem muss der Franzose eine elektronische Fußfessel tragen und seinen Reisepass abgeben. Für die Kosten der Sicherheitsvorkehrungen in Höhe von monatlich mehr als 200.000 Dollar muss er komplett selbst aufkommen.

250.000 Dollar Abfindung für Ex-IWF-Chef
Indes meldete der IWF am Freitag, dass Dominique Strauss-Kahn eine einmalige Abfertigung von 250.000 Dollar erhalten soll. Der Internationale Währungsfonds reagierte damit auf Zeitungsberichte, in denen über die Höhe von Zahlungen an den wegen Vergewaltigungsvorwürfen zurückgetretenen Strauss-Kahn spekuliert wurde.

"Die jährliche Pension für den Ex-IWF-Chef und Anwartschaften wurden in den Medien in dieser Woche deutlich überschätzt", hieß es in einer Mitteilung. Die jährlichen Zahlungen fielen in den folgenden Jahren sehr viel niedriger aus als diese einmalige Abfertigung. Strauss-Kahn war im September 2007 mit einem Gehalt von 420.930 Dollar eingestellt worden.

Strauss-Kahn drohen bis zu 74 Jahre Haft
Strauss-Kahn ist angeklagt, weil er vergangenen Samstag in einem New Yorker Luxushotel ein Zimmermädchen aus dem westafrikanischen Guinea sexuell bedrängt und zum Oralsex gezwungen haben soll. Bei einer Verurteilung drohen Strauss-Kahn, der als aussichtsreicher Kandidat für die französischen Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr galt, bis zu 74 Jahre Haft. Strauss-Kahn weist die Vorwürfe zurück, dessen ungeachtet trat er als IWF-Chef zurück.

Nachfolger soll bis Ende Juni feststehen
Der IWF will bis spätestens Ende Juni über einen Nachfolger von Strauss-Kahn entscheiden. Das teilte der Währungsfonds am Freitagabend (Ortszeit) in Washington mit. Kandidaturen könnten von kommendem Montag an bis zum 10. Juni eingereicht werden.

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble hat sich dafür ausgesprochen, die französische Finanzministerin Christine Lagarde zur Nachfolgerin Strauss-Kahns zu machen. Lagarde sei "in der Sache und als Person hervorragend geeignet", sagte Schäuble. "Sie wird in der gesamten Finanzwelt überaus respektiert und geschätzt."

Die europäischen IWF-Mitglieder sollten sich daher auf Lagarde als Nachfolgerin Strauss-Kahns einigen. "Mit Christine Lagarde, so sie sich dann entscheidet zu kandidieren, hätte Europa beste Chancen, den Posten wieder zu besetzen", sagte Schäuble, der den Anspruch der Europäer auf den Posten bekräftigte. Entscheidend sei jetzt vor allem, dass Europa in dieser Frage mit einer Stimme spreche.

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