Wanderrouten

Auf winterlichen Pfaden durchs Montafon

Vorarlberg
19.02.2022 14:25

Als zertifiziertes Wanderdorf hat Gargellen Bewegungshungrigen zu jeder Jahreszeit etwas zu bieten. Zu Fuß lassen sich - auch in diesem Wintermonat - interessante Plätze besonders gut erkunden.

Gargellen ist das höchstgelegene Bergdorf im Montafon und zudem ein zertifiziertes Wanderdorf. Rund 110 Einwohner hat der Luftkurort, der zur Gemeinde St. Gallenkirch gehört und auf 1423 Metern liegt. Am alpinen Talabschluss ragt der majestätische Berggipfel der Madrisa empor, und nicht weit davon entfernt verläuft die Schweizer Grenze auf über 2000 Metern Höhe über felsige Bergrücken.

Durchflossen wird die Ortschaft vom Suggadinbach. Urkundlich erstmals erwähnt wird Gargellen im Jahr 1411, doch schon davor war das Gargellental aufgrund eines alten Saumpfades über das Schlappiner Joch von Bedeutung. Der Ortsname stammt wahrscheinlich aus dem Rätoromanischen und bedeutet so viel wie „Wasserstrudel“. Die Pfarrkirche datiert auf das Jahr 1615, eine Schule ist ab 1844 nachweisbar, dennoch wurde der Ort erst ab 1880 ganzjährig bewohnt.

Sportliche Vergangenheit und Gegenwart
Ende des 19. Jahrhunderts begann im Montafon die Entwicklung des Fremdenverkehrs. Zunächst kamen vor allem Sommerfrischler, in der Zwischenkriegszeit entwickelte sich Gargellen allmählich zum Wintersportort. Ein starker Tourismuszuwachs setzte nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Bis 1950 entstand die heutige Verbindungsstraße, 1952 wurde dann das erste Teilstück der Seilbahn auf den Schafberg eröffnet. Bei dieser sportlichen Vergangenheit liegt es quasi auf der Hand, dass Gargellen Wanderern das ganze Jahr über etwas zu bieten hat. Auch im Winter sind gleich mehrere Strecken mit Schneeschuhen oder Tourenski begehbar.

Direkt von der Bushaltestelle bei der Talstation der Bergbahn führt eine Route beispielsweise zur Parzelle Gitzistee. Eine Informationstafel gleich zu Beginn des ausgeschilderten Pfades weist darauf hin, dass diese Strecke regelmäßig von einer Lawinenkommission beurteilt wird und die Begehbarkeit witterungsabhängig ist.

Fakten

Typ: Winterwanderung für verschiedene Niveaus (Gitzistee-Weg, Dorfrundweg etc.)
Dauer: 40 Minuten bis 2.5 Stunden
Startpunkt: Talstation Schafbergbahn, Gargellen
Ausrüstung: Winterwanderschuhe mit guter Profilsohle, Schneeschuhe oder auch Tourenski, Tagesrucksack mit Getränk, Sonnenschutz, warme Kleidung im Schichtprinzip, Stöcke
Einkehrmöglichkeiten: im Ortszentrum (Restaurants, Cafe, Hotels, Skibar)
Öffentliche Verkehrsmittel: mit der Buslinie 87 vom Banhof Schruns

Ist der Pfad für Wintersportler geöffnet, geht es zunächst ein kurzes Stück dem Dorfweg entlang taleinwärts. Dann, den Markierungen folgend, wird die Skipiste gequert und man folgt dem Pfad ein recht steiles Stück bergan. Schließlich erreicht man eine verschneite Forststraße, über die eine schmale Spur entlangführt, direkt unter der Bergbahn hindurch.

Die Route ist mit pinken Täfelchen markiert. Der Name Gitzistee leitet sich von den Dialektwörtern für Ziege (Gitzi) und Stein (Stee) ab. Bei dem großen Felsblock, der mitten in der Landschaft liegt, handelt es sich um einen sogenannten Findling, der von urzeitlichen Gletschern zurückgelassen wurde.Im September 2016 wurden nach dem Viehabtrieb archäologische Untersuchungen an einem Teil des Bodens vor dem Gitzistee durchgeführt. Dabei entdeckten die Forscher Holzkohleschichten sowie ein Artefakt aus Bergkristall.

Putzutensilien ausgegraben
Die Holzkohle wurde in das 15. bis 14. Jahrhundert vor Christus datiert und somit an das Ende der Mittleren Bronzezeit. Die Archäologen vermuten, dass das Bergkristallstück einst Teil einer Silexpfeilspitze war. Ein weiterer Fund konnte nicht datiert werden, wird aber als eine Art Kratzer zum Säubern von Fellen interpretiert. Offenbar dürften nicht nur die Ziegen der heimischen Bauern, sondern viel früher bereits die urzeitlichen Jäger und Sammler den großen Felsblock als geschützte Ruhestätte aufgesucht haben.

Fakten

Baumbart
Wer durch den Wald im Gebiet von Gargellen wandert, wird feststellen, dass zahlreiche Bäume mit langen Flechten behangen sind. Bei den gelbgrünen und bis zu 30 Zentimeter langen Gewächsen handelt es sich um Usnea filipendula, auch Gewöhnlicher Baumbart genannt. Diese Art kann als Gütesiegel gesehen werden, da sie nur in Gebieten mit hoher Luftqualität wächst. Die Flechte bevorzugt Bäume mit „saurer“ Borke wie Nadelbäume oder Birken in exponierten niederschlags- und nebelreichen Bergwäldern. Die Flechten haften nur oberflächig an den Bäumen, sind also nicht parasitär, sondern nutzen diese lediglich als Haltemittel. Die Bartflechte fand in der Volksmedizin auch als eine Art natürliches Antibiotikum Anwendung. In manchen Regionen gilt der Gemeine Baumbart aufgrund voranschreitender Umweltverschmutzung als stark gefährdet. Baumbart (Treebeard) ist auch der Name eines Baumriesen in den fantastischen Werken von J.R.R. Tolkien.

Wem der Aufstieg zum Gitzistee etwas zu mühsam ist, dem sei der bequemere Dorfrundweg empfohlen. Ohne nennenswerte Steigung führt diese Route in einer großzügigen Schlaufe um Gargellen herum, wobei sich immer wieder schöne Ausblicke auf die Ortschaft samt den sie umgebenden Bergspitzen bieten. Ein weiterer präparierter Wanderpfad verläuft entlang des Suggadinbaches talauswärts und ist ebenfalls familientauglich.

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