Mi, 19. September 2018

Kommunalwahlen

16.05.2011 22:20

Berlusconi zittert um seine Hochburg Mailand

Der italienische Premier Silvio Berlusconi muss bei den Kommunalwahlen schwere Verluste hinnehmen. Erstmals seit 15 Jahren wird die Partei des Medienzaren in dessen Heimatstadt Mailand voraussichtlich in die Stichwahl gehen müssen. Laut stabilisierten Hochrechnungen vom Montag erhielt die bisherige Bürgermeisterin und Berlusconi-Kandidatin Letizia Moratti, 42 Prozent der Stimmen, der Mitte-links-Kandidat Giuliano Pisapia mehr als 48 Prozent. Für einen Sieg im ersten Durchgang wäre eine Mehrheit von 50 Prozent erforderlich.

Berlusconi hatte bei dem Urnengang, zu dem 13 Millionen Italiener in 1.300 Gemeinden aufgerufen waren, mit der Wiederwahl seiner Kandidatin beim ersten Wahldurchgang gerechnet. Nun könnte seine Partei "Volk der Freiheit" (PdL - Popolo della liberta) in Mailand sogar ihre Position als stärkste Einzelgruppierung im Gemeinderat verlieren. Die Partei konnte ihre Enttäuschung nicht verbergen. "Wir hegten in Mailand andere Erwartungen. Wir hatten nicht mit einem derart hohen Vorsprung unseres Rivalen Pisapia gerechnet", erklärte der Koordinator von PdL, Dennis Verdini. Jetzt muss sich die Mitte-rechts-Allianz auf einen harten Wahlkampf für die Stichwahlen am 29. und 30. Mai gefasst machen. Jede Stimme könnte für die Wiederwahl der Bürgermeisterin Moratti zählen.

Bologna und Turin als Hochburgen der Opposition
Auch in Bologna und in Turin spürt die Opposition Rückenwind. In der Fiat-Hauptstadt schaffte der Mitte-links-Kandidat Piero Fassino beim ersten Wahlgang den Sprung in den Gemeinderat. Der Ex-Außenminister Fassino könnte laut Hochrechnungen auf 57 Prozent der Stimmen kommen und somit dem Mitte-rechts-Kandidaten Michele Coppola den Weg zu Stichwahlen versperren. Die Industriestadt bestätigte sich somit als eine Hochburg der Opposition.

Auch in Bologna, einer weiteren Hochburg der Linken, liegt die Opposition im Rennen voran. Mitte-links-Kandidat Virginio Merola eroberte laut den Hochrechnungen mit 51 Prozent der Stimmen den Bürgermeisterposten. Er setzte sich gegen den Anwärter der Mitte-rechts-Allianz, Manes Bernardini, durch. Die Opposition behauptete sich auch in Triest, hier wird es allerdings zu einer Stichwahl kommen. Der Mitte-links-Kandidat Roberto Cosolini kam auf 40 Prozent der Stimmen, sein Rivale aus dem Berlusconi-Lager, Roberto Antonioni, schaffte es lediglich auf 28,1 Prozent.

Spannend ist auch der Wahlkampf in Neapel, wo nach zehn Jahren die Ära der Mitte-links-Bürgermeisterin Rosa Russa Jervolino zu Ende gegangen ist. Der Mitte-rechts-Kandidat Gianni Lettieri eroberte laut Hochrechnungen 40,1 Prozent der Stimmen. Der Kandidat der Oppositionspartei "Italien der Werte" Luigi De Magistris schnitt laut Hochrechnungen mit 25 Prozent der Stimmen besser als der Mitte-links-Anwärter Mario Morcone ab, der sich mit 20,3 Prozent begnügen muss. Auch in Neapel dürfte es in zwei Wochen zu einer Stichwahl kommen.

"In Italien beginnt jetzt eine neue politische Phase"
Nach einer langen Durststrecke spürt die italienische Opposition wieder Rückenwind. "Wir werden bei den Stichwahlen Mailand erobern. Das wird die Krise der Regierung Berlusconi bis zum Bruch verschärfen. In Italien beginnt jetzt eine neue politische Phase", prophezeite Oppositionschef Pierluigi Bersani. "Die Ära Berlusconi geht dem Ende zu. Die Italiener haben begriffen, dass die Zeit für eine politische Wende gekommen ist", kommentierte der Präsident der Oppositionspartei "Italien der Werte", Felice Belisario.

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