19.01.2022 11:55 |

krone.at-Kolumne

Machen wir uns nichts vor: SO sieht Realität aus

Ja, die Empörung über das schamlose Party-Video eines bekannten Start-Up-Unternehmers ist berechtigt. Dass sich die Hautevolee inmitten einer Pandemie auf einer Kitzbühler Après-Ski-Veranstaltung abfeiert und dann noch hirnbefreit auf einem sozialen Netzwerk postet, während der Rest der Bevölkerung seit Monaten auf dem Trockenen sitzt, ist abgehoben wie schnöselig. Aber machen wir uns nichts vor: SO sieht die Realität aus.

Artikel teilen
Drucken
Kommentare
0

Florian Gschwandtner ist ja eigentlich fürs Laufen bekannt. Seit vergangener Woche kennt man ihn aber auch als Kitzbüheler Partytiger. Denn seitdem er auf seinem Instagram-Kanal ein Video von einer feucht-fröhlichen Après-Ski-Party gepostet hat, gehen die Empörungswogen auf den sozialen Netzwerken hoch. Ja darf der denn das?

Party und Corona - das geht nicht zusammen
Eigentlich nicht. Après Ski hat nämlich nicht zuletzt wegen seiner unrühmlichen Vorgeschichte zu Beginn von Corona (Stichwort: „Kitzloch“) seine Unschuld verloren. Die typischen Attribute - dichtes Gedränge, zu Helene Fischer grölende Menschen und viel Bier - passen eben nicht zum aktuellen Geist der Kontaktminimierung und Aerosolreduzierung. Party und Pandemie geht nicht zusammen. Das sind zwei entgegengesetzte Pole.

Damit erntet man keine Sympathiepunkte
Der Shitstorm gegen den Start-Uper ist angesichts der Wurschtigkeit gegenüber geltenden Corona-Regeln natürlich berechtigt. Es hat nämlich schon etwas Schamloses, ohne jegliches Unrechtsbewusstsein ein Video von seinem elitären Partygelage zu posten, während die allermeisten Österreicher um 22 Uhr die Zelte in ihrem Lieblingsrestaurant abbrechen müssen - oder überhaupt gar nicht hineindürfen. Sympathiepunkte erntet man damit keine.

Warum Einschränkungen, wenn sowieso eine Durchseuchung stattfindet?
Wer aber glaubt, dass solche Feiern kurzsichtige Einzelfälle sind, verschließt die Augen vor der Realität. Der Wunsch nach Normalität und die schwindende Akzeptanz der seit Jahren anhaltenden Einschränkungen lassen die Bevölkerung nachlässiger werden. Aber auch die ohnehin stattfindende Durchseuchung tut ihr Übriges. Viele fragen sich: Warum die vielen Einschränkungen, wenn selbst die GECKO-Leiterin davon ausgeht, dass „eine Durchseuchung stattfinden wird“?

Diese Antwort muss die Regierung noch liefern
Und hier ist auch die Politik gefragt. Es reicht nämlich nicht, nur eine Impfpflicht auszurufen. Sie muss einen klaren Fahrplan vorlegen, was danach passiert. Wenn nämlich trotz breiter Durchimpfung Einschränkungen bleiben, könnte es mit der Akzeptanz noch schwieriger werden. Und selbst Geimpften bei weiteren Maßnahmen das Geimpfte aufgehen.

 krone.at
krone.at
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Sonntag, 22. Mai 2022
Wetter Symbol
(Bild: stock.adobe.com, Krone KREATIV)