Do, 21. Juni 2018

"Schatz" erhofft

03.05.2011 13:57

CIA untersucht jetzt Osama bin Ladens Computer

Bei der Kommandoaktion von US-Elitesoldaten gegen Al-Kaida-Chef Osama bin Laden in der Nacht auf Montag in Pakistan ist den Geheimdiensten nach US-Medienberichten offenbar ein wahrer "Schatz an Informationen" in die Hände gefallen. Auf dem Anwesen (Bild) Bin Ladens in der Stadt Abbottabad seien demnach ein Computer, mehrere Festplatten sowie CDs und DVDs sichergestellt worden. Man erhoffe sich durch die Auswertung der Daten nun aufschlussreiche Hinweise auf Namen, Logistik und Anschlagspläne im Zusammenhang mit dem weltweit operierenden Terrornetzwerk.

"Könnt ihr euch vorstellen, was alles auf Osama bin Ladens Festplatte ist?", zitierte die Online-Nachrichtenseite "Politico" am Dienstag einen Regierungsbeamten. Die Festplatten seien an einen geheimen Ort in Afghanistan gebracht worden, Hunderte Experten würden die Daten nun sichten. Geheimdienstbeamte in Washington seien "begeistert", sagte der Beamte. "Wenn nur zehn Prozent davon verwendbar sind, dann wäre das toll." Auch der Nachrichtensender CNN berichtet von großen Datenmengen, die in dem erstürmten Gebäudekomplex sichergestellt werden konnten.

Bereits am Montag hatte der Anti-Terror-Berater von US-Präsident Barack Obama, John Brennan, erklärt, dassdas 25-köpfige Einsatzkommando der US-Eliteeinheit Navy Seals "sämtliches Material, das wir für brauchbar und nützlich erachteten", konfisziert habe. Laut Brennan würden mögliche Daten nun genau unter die Lupe genommen. Der Regierungsbeamte nannte zwar keine Details, fügte aber hinzu, dass mit der Militäraktion eine "entscheidende Phase" im Kampf gegen Al-Kaida angebrochen sei.

Größere Ausbeute als erwartet
CNN zitierte auch einen anonym bleiben wollenden Anti-Terror-Experten der Regierung, der erklärte, neben einem PC und Festplatten befänden sich auch CDs sowie DVDs unter dem sichergestellten Material. Demnach sei die Ausbeute größer gewesen als erwartet, zumal Bin Laden dafür bekannt gewesen sei, fast ausschließlich via Kurier mit der Umwelt in Kontakt zu treten. Außerdem seien in dem mehrstöckigen Hauptgebäude auf dem weitläufigen, mit bis zu fünf Meter hohen Mauern umbauten Areal weder Telefon- noch Internetverbindungen gefunden worden.

Laut dem Beamten würde das Material nun als erstes nach möglichen Anschlagsplänen durchforstet. Danach würden die Ermittler nach Informationen über weitere Top-Mitglieder der Al-Kaida suchen. Im CIA-Hauptquartier in Langley im US-Bundesstaat Virginia sei bereits eine Task Force eingesetzt worden, um das Material zu durchkämmen.

Fotos von entstelltem Terrorpaten
Wie die Website "Politico" am Dienstag weiter berichtete, gibt es mehrere Fotos des getöteten Osama bin Laden. Dieser sei auf den "schrecklichen" Bildern jedoch dermaßen entstellt, dass die Regierung vorerst von einer Veröffentlichung derselben absehe. Zudem gebe es Aufnahmen des Terrorpaten, die ihn vor seiner Bestattung auf See in einem weißen Leichenhemd zeigen.

Für gewöhnlich gilt "Politico" als sehr gut informiert. Von zwei ehemaligen langjährigen "Washington Post"-Redakteuren Anfang 2007 gegründet, hat sich die Website mit mehreren exklusiven Enthüllungen innerhalb kürzester Zeitals Pflichtlektüre in US-politischen Kreisen etabliert. Die Inhalte des crossmedialen Leitmediums werden sowohl via Website, klassischer Zeitung, Radio und Fernsehen vertrieben.

Bin Laden als "Geronimo"
Indes ist am Dienstag ein kurioses Detail der Operation in Pakistan bekanntgeworden: Der Geheimdienst CIA verpasste dem Terrorpaten den Codenamen "Geronimo", nach dem legendären Häuptling der amerikanischen Ureinwohner. Geronimo gilt als letzter militärischer Anführer der Indianer, der ernsthaften Widerstand gegen die Landnahme der USA im amerikanischen Westen leistete.

Fast dreißig Jahre lang lieferten er und seine Getreuen sich beständig Kämpfe mit Truppen der USA und des Staates Mexiko. Seine Mitstreiter schrieben ihm übersinnliche Fähigkeiten zu, darunter Telekinese und die Immunität gegen Schusswunden. Im Jahr 1886 ergab sich Geronimo der US-Armee. Er verbrachte seinen Lebensabend als Gefangener im Fort Sill in Oklahoma, wo er in späten Jahren zum Christentum konvertierte.

Gentest binnen weniger Stunden
Laut US-Medienberichten soll eine Genanalyse die Identität von Osama bin Laden bestätigt haben, schon bevor Obama die Nachricht vom Tod des Al-Kaida-Chefs bekanntgab. Tatsächlich kann ein solcher Test schon innerhalb von rund drei Stunden sehr exakte Ergebnisse liefern. Aus dem Blut können Experten das Erbmaterial innerhalb von 15 Minuten isolieren. Oft liegt eine Vergleichsprobe vor, etwa DNA aus Haaren, Sperma, Hautteilen oder Speichel des Menschen, der identifiziert werden soll.

Liegt noch kein genetischer Fingerabdruck zum Vergleich vor, können Verwandte analysiert werden: Gene von Eltern und Kindern gleichen sich zu 50 Prozent, woraus sich auch noch ein gutes Ergebnis ermitteln lässt. Schwieriger kann es schon bei Geschwistern werden. Nach CNN-Informationen wurde von Bin Laden zudem ein biometrisches Profil erstellt und die Gesichtszüge genau vermessen.

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