10.01.2022 09:52 |

... und weg damit!

Warum regelmäßiges Aufräumen so wichtig ist

Zu Jahresbeginn und in Lockdowns sind wir besonders fleißig! Wir schmeißen weg, was wir nicht mehr brauchen, und trennen uns von Belastendem und Freunden, die uns nicht guttun. Warum regelmäßiges Aufräumen so wichtig ist.

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Und weg damit! Das denken Sie sich dieser Tage vielleicht auch. Weg mit den lästigen Kilos und den verführerischen Zigaretten, weg mit den vielen Energieräubern und all jenen Dingen, die den Alltag erschweren. Zu Beginn eines jeden Jahres haben wir das Bedürfnis, so richtig auszumisten. Seit wir in dieser Pandemie stecken, ist dieses Bedürfnis nicht nur zu Jahresbeginn spürbar. Jeden Lockdown nutzen wir dafür, Ordnung in unser Leben zu bringen.

Erinnern wir uns: Mitte März 2020 im ersten Lockdown entrümpelten wir Keller, Garagen und Dachböden. Alte Möbel, Elektrogeräte und Ähnliches haben wir in dieser Zeit gnadenlos hinauskatapultiert. Kein Wunder, dass der Sperrmüll explodierte! Landesweit meldeten Sammelzentren Steigerungen von 30 Prozent und mehr. „Unsere Sammelzentren waren damals zwei Wochen geschlossen, durften aber - auch auf Druck der Bevölkerung - unter Auflagen wieder öffnen“, erinnert sich Cathrin Schiefer, Sprecherin des Gemeindeverbands für Abgabeneinhebung und Umweltschutz im Bezirk Krems.

Unordnung stresst und belastet unser Gehirn
Ausmisten tue eben gut, ist Hirnforscher Marcus Täuber überzeugt. „In einem überladenen, unaufgeräumten Zuhause sind wir oft unglücklicher, gestresster und fühlen uns weniger sicher. Auch greifen wir in unordentlichen Räumen eher zu ungesunden Lebensmitteln wie Süßigkeiten.“

Gesundheitlich betrachtet führt Unordnung - etwa, wenn man genervt nach Dingen sucht oder Platz fehlt - zu einem höheren Cortisol-Spiegel. Cortisol wird in der Nebennierenrinde erzeugt und ist neben Adrenalin das bekannteste Stresshormon. Im Gehirn können dauerhaft stark erhöhte Cortisol-Werte das Denkvermögen beeinträchtigen und sogar Erkrankungen wie Alzheimer begünstigen. Regelmäßiges Räumen hilft und entlastet.

War es im ersten Lockdown noch der Sperrmüll, dessen wir uns rasch entledigten, folgten im zweiten und dritten im nächsten Schritt Gröberes, wie Heimwerkerutensilien und Bauholz. Tonnenweise haben wir Zementsäcke, Verpackungsfolien, Kartonagen und Ähnliches weggeworfen.

Im vierten Lockdown Ende November waren dann offensichtlich Garten und Balkon dran. „Unsere Container waren zuletzt mit Gras- und Strauchschnitt gefüllt“, erzählt Müllexpertin Schiefer.

Weg mit anderen Meinungen - oder nicht?
Seit geraumer Zeit misten wir aber nicht nur Dinge aus, sondern auch uns selbst. Wir trennen uns von ungesunden Gewohnheiten und sogar Kontakten, die uns nicht guttun. „Wir haben gelernt, uns selbst aufzubauen. Ausmisten ist hilfreich, weil es eine reinigende Wirkung hat“, sagt Peter Stippl, Vorsitzender des Österreichischen Verbands für Psychotherapie.

Was passiert, wenn wir Freunde oder Kontakte aus unserem Leben streichen, weil sie nerven, andere Meinungen vertreten oder auf Facebook für Unruhe sorgen? Das komme darauf an, sagt Stippl und nimmt die Corona-Impfung als Beispiel. „Ich habe einen Freund, der in dieser Frage eine andere Meinung vertritt als ich. Seine Freundschaft ist mir wichtig - also haben wir uns darauf geeinigt, nicht darüber zu sprechen. Wenn aber auf Facebook irgendein Bekannter Dinge postet, die mir missfallen, sieht die Sache anders aus“, erklärt der Psychotherapeut, „dann tut es vielleicht gut, mit diesem Menschen keinen Kontakt zu haben.“

Die Frage, um die sich alles dreht, lautet daher: Was tut uns gut? Seit Ausbruch der Pandemie wissen wir das tatsächlich besser! Wir nehmen z. B. nicht mehr jeden Termin wahr, sinnlose Verpflichtungen auch nicht und meiden lästige Energieräuber. Trauen Sie sich - nur Mut! „Ausmisten ist ein Zeichen von psychischer Gesundheit“, sagt Psychotherapeut Stippl. Also: Weg damit!

Silvia Jelincic
Silvia Jelincic
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