„Krone“-Interview

BZFOS: Eine Geister-Nostalgiefart durch den Prater

Musik
23.02.2026 06:00

Mit einer Mischung aus Horrorpunk, Psychobilly und Goth‘n‘Roll begeistern die Bloodsucking Zombies From Outer Space seit mehr als 20 Jahren weit über die heimischen Landesgrenzen hinaus. 2015 gab es dafür auch einen Amadeus Award. Dieser Tage veröffentlichten Frontmann Dead Richy Gein und Co. ihr famoses Werk „Blood Is For Suckers“, mit dem am 22. Dezember auch ein ganz und gar unheiliges Weihnachtskonzert in der Wiener Arena spielen. Alles Weitere erklärt der Sänger im „Krone“-Talk.

kmm

„Krone“: Richy – Hand aufs Herz: Wie schwer ist es eigentlich, nach mittlerweile fast schon 25 Jahren Bandhistorie noch Themen aus dem Horrorbereich zu finden, die man zu Songs verwandeln kann? Überrascht es dich manchmal selbst, dass es da noch was gibt, was ihr noch nicht besungen habt?
Dead Richy Gein:
 Ehrlicherweise fiel mir das gar nicht schwer. Meine Texte haben sich in den letzten Jahren aber schon verändert. Früher habe ich tatsächlich öfter einfach 1:1 Horrorfilme in den Lyrics nacherzählt oder die geballte Ladung Klischees bedient – das würde mir heutzutage keinen Spaß mehr machen. Mittlerweile haben die Texte viel mehr persönliche Inhalte oder beschäftigen sich mit Alltagsthemen, nur dass ich sie in ein Horror-Gewand verpacke. Das hat mein Ideenfeld für Songtexte enorm erweitert.

Andererseits muss man euch eine beeindruckende Frische attestieren. „Blood Is For Suckers“ ist euer neuntes Studioalbum und es klingt so schwungvoll, als hättet ihr euch gerade mal vor zwei Jahren gegründet. Liegt das an der ungebrochenen Leidenschaft, die ihr alle für das Projekt aufbringt?
Ich glaube, das kann man schon so sagen – wir sind zwar schon ein wenig in die Jahre gekommen, aber was die Band angeht, lodert das Feuer nach wie vor. Beim neuen Album hat sich ab der ersten Aufnahmesession alles direkt verdammt gut angefühlt. Das liegt sicher auch an der fabelhaften Arbeit, die EnglMayr als unser Produzent abgeliefert hat.

Stichwort Leidenschaft: Von der Band allein lassen sich die Mieten und Kühlschrankinhalte auch nicht bezahlen – jünger werdet ihr auch nicht mehr. Braucht es noch mehr Commitment als je zuvor, um die Band mit so viel Energie am Leben zu erhalten? Gab es noch nie Abnützungserscheinungen oder Zweifel?
Tatsächlich ja. Speziell das ganze Business-Thema ist schon ziemlich auslaugend und ich habe mit der Band sozusagen zwei Fulltime-Jobs. Das Musikmachen ist mittlerweile fast schon der kleinste Teil – wir sind unser eigenes Label, unsere eigene Merchfirma etc. Dadurch haben wir ultimative Freiheit, aber es ist auch extrem viel Arbeit. Zweifel kamen speziell in den letzten Jahren öfters auf, weil wir – wie einige andere Bands nach Covid – spüren mussten, dass sich doch weniger Leute für uns interessieren als in den Jahren davor.

„Hell Is For Heroes, Salvation For Lovers“ und „Blood Is For Suckers“ heißt es beispielsweise im Titeltrack. Spiegelt der Song eure Lebenseinstellung bzw. euer Lebensgefühl als Band bestmöglich wider?
Jep – das ist sozusagen unser „Pep-Talk“-Song an uns selbst.

Was sind die Bloodsucking Zombies From Outer Space für euch eigentlich? Eine Fluchtmöglichkeit aus der grausamen realen Welt in eine, die ihr euch baut, wie ihr möchtet? Eine Art Cosplay für magensichere Erwachsene? Eine Notwendigkeit, um nicht wahnsinnig zu werden?
All das, was du gerade geschrieben hast – plus eine mehr als 25 Jahre lange Freundschaft. Für mich ist es die ultimative Spielwiese, um meine ganze Leidenschaft für Musik und Horror auszuleben. Ich kann mich bei allem, was mir Spaß macht, voll austoben – bei den Songs, Texten, der Grafik, der Bühnenshow etc – mit dem ultimativen Benefit, dass es sogar ein Publikum dafür gibt, das bereit ist, dafür zu bezahlen.

Mittlerweile werdet ihr in diversen Reviews schon als Szene-Veteranen beschrieben. Ist das nicht eine schöne Adelung oder hat das auch die Nebenwirkung, dass man sich unausweichlich fragt, wo denn die ganze Zeit hin geronnen ist?
Hm, ich weiß nicht, ob „altern“ per se als Leistung verbucht werden kann - uns gibt’s halt einfach schon sehr lange. Natürlich kommt es einem so vor, als wären die Jahre im Flug vergangen. Irgendwie schaffen wir es aber, dass wir nie das Gefühl hatten, stehen geblieben zu sein, und jeder ist nach wie vor neugierig, was als Nächstes kommt.

Habt ihr euch für das neue Album eigentlich wieder ein besonderes Konzept überlegt? Ist es in eine Art Überthema gehüllt?
Nur in ganz losen Zügen. „Vampirismus“ war als loser roter Faden da. Der Albumtitel war schon lange vor den ersten Songs festgelegt, aber es hat sich ganz natürlich entwickelt, dass sich einige Songs mit Sterblichkeit, Unsterblichkeit, ewiger Jugend etc. beschäftigt haben.

Musikalisch ist das Album für mich persönlich eine sehr bunte Mischung aus all euren Stärken, die man so in den letzten Jahren zu hören bekam. Horror-Punk, Punkrock, Goth, Rock’n’Roll, eine Pop-Kante und viel Alice Cooper- und Danzig-Worship. Wurde es eher zufällig zu einer „Best-Of“, ohne eben eine Best-Of zu sein?
Ich denke, über die Jahre haben wir so ein bisschen unsere eigene Mischung gefunden – das, was unser Stil im Großen und Ganzen ist. Die Einflüsse haben sich in den 25 Jahren gar nicht so grundlegend verändert, nur unsere handwerklichen Fähigkeiten sind besser geworden. Scheuklappen hatten wir ja nie auf, aber ich muss dir recht geben: Beim neuen Album ist uns das Mischverhältnis ganz gut geglückt. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir uns diesmal ein Jahr länger Zeit gelassen haben als gewohnt.

Bei euch war immer schon viel Doppelbödigkeit zu bemerken. Horror und Trashiges wurde stets mit Sozial- und Gesellschaftskritik vermischt, aber eben bekömmlicher verpackt. Hat sich die Intensität in diese Richtung hin über die Jahre noch gesteigert? Ist das politische bzw. gesellschaftliche Wissen ein noch Größeres als je zuvor?
Die aktuelle Weltlage geht natürlich auch an uns nicht spurlos vorüber und schlägt sich sicher sowohl unbewusst als auch bewusst in unserem Songwriting nieder. Ich glaube, es ist unbestritten, dass die Welt vor 20 Jahren noch eine ganz andere war als heute. Und nachdem ich Musik auch als Transmitter verwende, um mich und meine Gedanken auszudrücken, haben sich in den letzten Jahren sicher viel größere Themen und Fragen für mich aufgedrängt als „welchem Filmbösewicht huldige ich im nächsten Song?“.

Wenn man sich die politische Weltsituation so ansieht, kommt man mit Skandalen und Rückschritten ja gar nicht mehr nach. Würdest du sagen, dass die Realität Kunst wie etwa eure längst schon überholt hat?
Also was uns angeht, auf alle Fälle. Wir hatten aber auch nie den Anspruch, unser Publikum wirklich zu schocken, wachzurütteln oder ihm den Spiegel vorzuhalten. Ich habe unsere Bühnenshow immer eher als Nostalgie-Geisterbahnfahrt im Prater gesehen, die in erster Linie unterhalten soll.

„Monster“ ist ein Song, der als Hymne für alle Außenseiter gedacht ist? Wart ihr immer eine Band für die Missverstandenen, nicht an die Norm angepassten?
Das würde ich schon sagen. Wir haben von Anfang an Musik gemacht für Leute, die so sind wie wir selbst – Creeps & Freaks, Spooks and Ghouls, wie wir sagen. Im Grunde geht es um Leute, die von der Mehrheit der Bevölkerung eher als „schrullig“ oder „seltsam“ eingestuft werden.

Auch den guten alten Krampus habt ihr in „Krampus Is Coming“ verewigt. Ist euch dieser österreichische-heimische Touch wichtig? Die Sagen und Kreaturen aus unserer Historie auch um die Welt zu tragen?
Was „True Crime“ angeht, haben wir uns da in der Vergangenheit ein wenig abgearbeitet, wenn es um heimische Mörder etc. ging, aber was die Sagenwelt angeht, war der Krampus tatsächlich der erste Versuch. Ist aber auf alle Fälle spannend und könnte möglicherweise ein Plan für eine zukünftige weitere „Mörderblues“-Platte sein.

Hand aufs Herz – hattest du früher Angst vorm Krampus oder sind dir ganz besondere Krampus-Erlebnisse erinnerlich?
Na sicher, und wie! Ich war aber immer draußen „Krampus reizen“ und habe mich in irgendwelchen Büschen versteckt, wenn sie gekommen sind. Aber noch wichtiger war: Ich wollte unbedingt auch so eine Maske haben. Ich war von klein auf komplett begeistert von allem, was schiarch und gruselig ist.

Im Video zum großartigen Song „Evocation“ lässt du dich zwischenzeitlich mit Kunstblut vollspritzen. Sind das die Momente, wo euch die Band erlaubt, für immer Kinder am Spielplatz zu sein?
Vielen Dank für die Blumen erst mal. Und ja – auf alle Fälle. Das ist die besagte Spielwiese und Dinge, bei denen wir alle richtig Spaß haben und Jahre später noch in Erinnerungen schwelgen können. Generell haben wir mit der Band so viele Dinge erlebt, die man als „normaler“ Mensch nie machen würde bzw. wo man nie die Gelegenheit dazu hätte. So eine Blutsauerei als Video stand schon lange auf der Bucket List – und jetzt haben wir das damit abgehakt.

Unlängst habt ihr eure traditionelle Weihnachtsshow zu Ehren von Ozzy Osbourne gespielt – wer kommt als nächstes dran? Und wie werdet ihr das neue Album live visuell umsetzen? Darf man sich da auf manch Spezielles freuen?
Beim letzten „Jamboree“ haben wir ein Golden Ticket verlost und der Gewinner darf sich das Coverset wünschen – wir wissen also selbst noch nicht, was auf uns zukommen wird. Ich bin aber sicher, es wird lustig. Und nachdem das definitiv unser letztes Weihnachtskonzert sein wird, garantiere ich jetzt schon den kompletten Abriss in der Wiener Arena.

Weihnachtsshow in der Arena
Ein bisschen muss man noch warten, aber am 22. Dezember kann man sich in besagter Wiener Arena beim „X-Mas-Jamboree“ der Bloodsucking Zombies From Outer Spaces selbst überzeugen, welcher Rockgröße aus der Musikhistorie man dieses Mal huldigt – und die Songs des neuen Albums gibt‘s natürlich auch zu hören. Unter www.oeticket.com gibt es noch Karten und alle möglichen Infos dazu.

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