Anilin

Fingerfarben: Gift im Kinderzimmer ist kein Spiel

Sie sind bunt, locken Kinder zu unbekümmerter Kreativität - Fingerfarben sind aber mit Gift belastet. Spät, aber doch will die EU den bedenklichen Stoff Anilin noch heuer aus diesen und anderen Spielsachen verbannen.

Krebserregende Stoffe in Spielwaren sind wohl das Letzte, was sich Eltern für ihre Kinder wünschen. Genau deshalb hat der österreichische Verbraucherrat bereits seit 2016 um einen Grenzwert von Anilin gekämpft und damit eine Vorreiterrolle in Europa eingenommen. Doch das war bisher in Brüssel abgeperlt.

Jetzt hat sich aber auch im Machtzentrum der Union die Erkenntnis durchgesetzt, dass gerade die noch sehr verletzlichen Körper von Babys und Kleinkindern keinerlei gesundheitlichem Risiko ausgesetzt werden dürfen. Die mit Jahreswechsel in Kraft getretene EU-Verordnung sieht nun eine Änderung von giftigen Stoffen in Textilien, Leder und Fingerfarben vor. Künftig muss für das riskante Anilin in Spielzeug, das zur Verwendung durch Kinder unter 36 Monaten bestimmt ist beziehungsweise ganz konkret in Rasseln und anderem, das Babys so gerne in den Mund nehmen, wenigstens ein Grenzwert festgeschrieben werden.

Darunter fallen auch die beliebten Fingerfarben. „Ein Gebot der Stunde. Denn unsere Kleinstkinder kauen bekanntermaßen automatisch an vielem, was sie in die Hände bekommen“, gibt sich der bekannte Umweltmediziner Dr. Hans-Peter Hutter erleichtert. Entwarnung will und kann der Wiener Öko-Arzt aber nicht geben. Denn ganz seien die Giftstoffe nicht verbannt: „Die kleinen Körper werden ja weiterhin Schadstoffen ausgesetzt, und in den Kinderzimmern liegt noch belastetes Spielzeug herum, das eigentlich nicht wirklich dort herum liegen sollte.“

Sein Rat an alle Eltern, aber auch alle Omis und Opas: Bei künftigen Geschenken auf ökologische Unbedenklichkeit schauen.
Im Zuge des EU-Plans zur Krebsbekämpfung, sind auch neue Grenzwerte für bestimmte Schwermetalle in einer Vielzahl von Lebensmitteln in Kraft getreten. Vor allem für Säuglingsnahrung, Gewürze, Weine und Salz gelten - was Blei betrifft - strengere oder zusätzliche Höchstgehalte. Außerdem gibt es auch neue Cadmium-Grenzwerte für etliche Obst-, Gemüse- und Getreidesorten sowie Ölsaaten. Öko-Agrarexperte Wilfried Oschischnig empfiehlt ohnehin, statt umständlichen Studiums der Verpackung von ausländischen Billigstprodukten den Griff zu heimischer Bioware. Denn die sei garantiert sauber.

Mark Perry
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Stefan Steinkogler
Stefan Steinkogler
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