18.12.2021 11:40 |

Afroamerikaner getötet

Ex-Polizistin schilderte „Chaos“ vor Todesschuss

Bei einer Polizeikontrolle in einem Vorort der US-Stadt Minneapolis ist im April ein 20-jähriger Afroamerikaner erschossen worden. Vor Gericht hat die ehemalige Polizistin Kim Potter die Tötung des Mannes am Freitag als Unfall dargestellt. Bei einer Rangelei habe sie ihre Schusswaffe statt wie beabsichtigt die Elektroschockpistole (Taser, Anm.) abgefeuert, sagte sie.

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„Wir versuchten, ihn davon abzuhalten, wegzufahren“, berichtete Potter über die „chaotische“ Szene bei einer Verkehrskontrolle in Brooklyn Center im US-Bundesstaat Minneapolis, die dem 20 Jahre alten Afroamerikaner Daunte Wright das Leben kostete.

Der polizeilich Gesuchte habe demnach versucht, sich der Festnahme zu widersetzen. „Ich erinnere mich, dass ich ,Taser, Taser, Taser‘ schrie“, sagte sie. „Dann sagte er mir, ich hätte ihn angeschossen“, berichtete Potter und brach in Tränen (Bild oben) aus. „An vieles danach kann ich mich nicht mehr erinnern“.

Vor der Verkehrskontrolle war die weiße Polizistin mit einem Kollegen auf Streife. Wegen eines kleinen Verkehrsdelikts beschlossen die beiden, Wright zu überprüfen. Dabei stellten sie fest, dass ein Haftbefehl gegen ihn vorlag. Potter beschrieb dies als eine potenziell gefährliche Situation. „Manchmal befinden sich Waffen im Auto. Manchmal gibt es unkooperative Leute, man weiß nicht, wen man anhält“, sagte die 49-Jährige dem Gericht.

Daunte Wright bei Fluchtversuch erschossen
Wright, der unbewaffnet war, wehrte sich gegen das Anlegen von Handschellen. Er startete seinen Wagen, um zu fliehen. Daraufhin zog Potter einen Gegenstand, den sie für ihren Taser hielt. Auf Aufnahmen ihrer Körperkamera ist zu hören, wie Potter mehrmals „Taser“ ruft, bevor sie mit ihrer Waffe schießt und Wright tödlich verletzt.

Ausschreitungen gegen Polizeigewalt
Wrights Tod im April löste in Brooklyn Center Proteste gegen Polizeigewalt aus. Dabei kam es auch zu Ausschreitungen, bei denen Dutzende Menschen festgenommen wurden. Brooklyn Center liegt nördlich von Minneapolis, wo im Mai des Vorjahres der Afroamerikaner George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz getötet worden war.

Potters Anwalt, Paul Engh, argumentierte, Wrights Tod sei auf menschliches Versagen und den Stress zurückzuführen, unter dem seine Mandantin stand. Sie habe versucht, einen Kollegen zu schützen, als Wright versuchte, davonzufahren.

Staatsanwältin spricht von Fahrlässigkeit
Für Staatsanwältin Erin Eldridge jedoch starb Wright aufgrund von Potters fahrlässigem Umgang mit ihrer Waffe. Ben Crump, der Anwalt von Wrights Familie, erklärte, dass die Aussage der Polizistin zeige, dass „der Tod von Daunte Wright durch Potters Hand absolut vermeidbar war“.

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