21.11.2021 11:20 |

„Stimme der Menschen“

Netz feiert Professor, der Taliban die Leviten las

In Afghanistan sorgt eine TV-Debatte mit einem Professor für Aufregung, der in der Livesendung die Regierungsführung der militant-islamistischen Taliban kritisierte. „Die Menschen haben kein Brot zu essen. Wie die Sicherheit ist? Keiner kann irgendetwas sagen“, sagte Faisullah Dschalal, Lektor für Rechts- und Politikwissenschaften, in der Debatte des TV-Senders ToloNews. Die Taliban müssten sich reformieren, denn die Menschen flöhen unter ihrer Herrschaft aus dem Land. In den sozialen Netzwerken stellten sich zahlreiche Afghanen hinter den Professor.

Der an der Debatte teilnehmende Taliban-Sprecher Mohammed Naeem konterte, es sei besser, eine sprechende Person befinde sich in einem normalen Zustand und nicht in einem, in dem er nicht wisse, ob er andere beleidige. Daraufhin fiel Dschalal ihm ins Wort und nannte Naeem ein „Kalb“.

Dschalal nimmt sich kein Blatt vor den Mund
Professor Dschalal wird in Afghanistan seit Jahren von den beliebtesten Fernsehsendern zu Debatten eingeladen. Er ist für seine unverblümte Kritik an den Machthabern des Landes bekannt, die auch die Ex-Präsidenten Hamid Karzai und Ashraf Ghani traf.

In sozialen Medien erhielt Dschalal viel Lob für seinen Mut. Er sei der Erste, der sich traue, die Islamisten offen zu kritisieren, und sei die Stimme der Menschen Afghanistans. Viele tauschten ihr Profilbild mit dem eines Bildes von Dschalal. Andere drückten Sorgen um seine Sicherheit aus.

Taliban-Mitglieder fordern Bestrafung
Anhänger der Taliban zeigten sich erbost über ToloNews und den Professor. Manche Taliban-Mitglieder schrieben auf Twitter, man respektiere die Redefreiheit, aber der Professor solle für die Beleidigung des Taliban-Sprechers bestraft werden.

Die Taliban hatten nach Beginn des Abzugs der internationalen Nato-Truppen weite Teile Afghanistans erobert. Am 15. August zogen sie kampflos in die Hauptstadt Kabul ein und regieren seitdem. Sie sehen sich mit zahlreichen Problemen konfrontiert, darunter einer massiven humanitären Krise.

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