22.11.2021 09:55 |

Portrait

„Das Kultur-Angebot in Dornbirn wird unterschätzt“

Langsam, aber sicher macht sich die Wirtschaftsstadt Dornbirn auch als Kulturstandort überregional bemerkbar. Maßgeblich daran beteiligt: Kulturamtsleiter Roland Jörg.

„Zwar fehlt uns ein Zugpferd wie etwa die Festspiele, aber die Dornbirner Kulturpolitik sowie die dortigen Kulturschaffenden haben einen langen Atem und setzen nicht auf Strohfeuer.“ Der Mann, der das sagt, muss es wissen: Roland Jörg ist seit 20 Jahren Kulturamtsleiter in Vorarlbergs größter Stadt und hat davor auch im Bregenzer und Bludenzer Kulturbetrieb Erfahrungen gesammelt. Der Vergleich macht ihn sicher: „Das kulturelle Angebot in Dornbirn wird unterschätzt!“

Der Germanist, der bereits mit 19 Jahren die Literaturzeitschrift „Graugans„ publizierte, verfolgte zwar die “eigene literarische Karriere nicht mit letzter Konsequenz“, zeigte aber früh sein Organisationstalent. „Wir holten damals Stars wie Allen Ginsberg für Lesungen in die Galerie Krinzinger nach Innsbruck“, erinnert sich Roland Jörg, der schon als Jugendlicher Handke und Bernhard „verschlang“, an seine Studienzeit. Folglich war es nur konsequent, dass er sich nach seinem Abschluss beruflich im Kulturbereich verwirklichte: In Bregenz agierte er im Kulturamt an der Seite des legendären Oscar Sandner, in Bludenz war er federführend am Aufbau der „Remise“, seit jeher ein Hotspot der Avantgarde, beteiligt.

Glücklich in Dornbirn
Kein Wunder also, dass sich Dornbirn 2001 für ihn als neuen Kulturamtsleiter entschied. Ein Gewinn für beide Seiten, war und ist er doch maßgeblich daran beteiligt, dass die Messestadt mittlerweile auch eine kulturelle Identität hat: „Klar, für die meisten ist Dornbirn immer noch eine Wirtschaftsstadt“, macht sich der 61-Jährige keine Illusionen. Allerdings würde das Klischee angesichts des vielfältigen kulturellen Angebots zunehmend bröckeln: „Neben Veranstaltern wie dem Spielboden und dem Conrad Sohm oder der von mir kuratierten Reihe ’Dornbirn Klassik’ mit ihren zahlreichen österreichischen Erstaufführungen, gibt es eine Reihe von wichtigen stationären Einrichtungen.“

Dem kann man nicht widersprechen: Gleich ob Flatz-Museum, Kunstraum Dornbirn, Jazz-Seminar, Vorarlberger Architektur-Institut, „Tanz ist“-Festival oder das Worldmusic-Event „Origano“ - die Dornbirner Kulturszene strahlt längst weit über die Stadtgrenzen hinaus. Dass die Bewerbung zur „Europäischen Kulturhauptstadt 2024“ gescheitert ist, kann er verschmerzen: „Ich werte es schon als Erfolg, dass wir gemeinsam mit den anderen Städten diesen Prozess durchlaufen und Visionen und Konzepte ausgearbeitet haben. Das Rheintal wird nachhaltig davon profitieren", ist Roland Jörg, der Ende des Monats zum dritten Mal Großvater wird überzeugt. Er ist eben einer, der prinzipiell über Tellerränder hinausblickt.

Raimund Jäger
Raimund Jäger
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