Mi, 26. September 2018

Zwei Tote

09.04.2011 09:55

Demonstration in Kairo gewaltsam aufgelöst

Gewaltsam haben ägyptische Sicherheitskräfte am frühen Samstagmorgen eine Demonstration auf dem Tahrir-Platz im Zentrum von Kairo aufgelöst. Nach Angaben des arabischen TV-Nachrichtensenders Al-Jazeera stürmten Hunderte von ägyptischen Soldaten und Sicherheitskräften den Platz. Die Sicherheitsleute hätten in der Nähe des Ägyptischen Museums auch Tränengas eingesetzt, berichteten Augenzeugen. Es sei zu Straßenschlachten gekommen. Nach Angaben von Ärzten zwei Menschen getötet worden. 18 weitere seien verletzt worden.

Die Demonstranten hätten Flaschen, Steine und möglicherweise auch Brandsätze geworfen. Protestierende seien mit Holzknüppeln geschlagen worden. Auch die Polizei habe Steine geworfen. Die meisten Menschen seien vor den Ordnungskräften geflüchtet, sagten Augenzeugen weiter.

Zehntausende Menschen hatten am Freitag erneut auf dem Tahrir-Platz demonstriert, um weitere Reformen nach dem Sturz des Regimes von Präsident Hosni Mubarak und die Auflösung polizeistaatlicher Strukturen zu verlangen. Sie forderten zügigere Gerichtsverfahren gegen ehemalige Regimegrößen wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch und die Auflösung der Mubarak-Partei NDP, wie Augenzeugen und Aktivisten berichteten. Auch wollen sie den Rücktritt des Vorsitzenden des regierenden Militärrats, Ex-Verteidigungsminister Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi.

Forderung nach echtem Bruch
Die Demonstration stand unter dem Motto "Freitag der Reinigung und des Gerichts". Es war die größte Kundgebung dieser Art seit Wochen. Seit Mubaraks erzwungenem Rücktritt am 11. Februar demonstrieren die Anhänger der Demokratiebewegung regelmäßig freitags, um ihrer Forderung nach einem echten Bruch mit dem alten System Nachdruck zu verleihen.

Aufgerufen zu der Kundgebung hatten die Jugendbewegung 6. April und andere Organisationen, die die 18-tägigen Massenproteste initiiert hatten. Der Tahrir-Platz war das Zentrum der Protestbewegung gegen das Regime.

Demonstranten harrten aus
Trotz der gewaltsamen Räumungsaktion harrten am Samstagmorgen weiter etwa 200 Menschen auf dem Platz aus und bekräftigten ihre Forderung nach dem Rücktritt Tantawis. Einige Demonstranten steckten dabei einen Militärbus und ein Zivilfahrzeug in Brand. Die Militärpolizei sperrte den Raum um die Demonstranten mit Stacheldraht ab.

Der Boden war mit Steinen übersät, die offenbar von Auseinandersetzungen bei der Räumung des Platzes zeugten. An einigen Stellen gab es Blutspuren. Einige Demonstranten waren mit Knüppeln bewaffnet; die Protestteilnehmer kündigten an, sie wollten so lange auf dem Platz bleiben, bis Tantawi zurückgetreten sei. Einige Offiziere hatten sich dem Protest angeschlossen und eine "Säuberung" der Armee gefordert.

Die ägyptische Armee erklärte laut der staatlichen Nachrichtenagentur MENA am Samstag, Kräfte des Innenministeriums hätten sich zusammen mit Bürgern "den aufrührerischen Handlungen entgegengestellt" und die in Kairo geltende nächtliche Ausgangssperre durchgesetzt, ohne dass es Opfer gegeben habe.

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