17.11.2021 06:00 |

Hoher Hartweizenpreis

Ernteausfälle sorgen für steigende Nudel-Preise

Spaghetti bolognese geht einfach immer! Teigwaren sind in Österreich nicht nur als Hauptspeise beliebt, sondern auch als Beilage. Und vor allem Eltern sind über Nudeln froh, denn kaum ein Kind verschmäht Spirali, Farfalle oder Penne. Von Groß bis Klein - alle lieben Teigwaren, doch die Klimaerwärmung in Kanada bedroht nun die weltweite Nudelproduktion.

Was als günstiges und gutes Essen gilt, wird nun erheblich teurer werden. Der Ursprung des Preisanstieges liegt 7150 Kilometer entfernt in Kanada und hat mit dem Klimawandel zu tun. Im heurigen Sommer wüteten dort verheerende Waldbrände (Bild unten) - ausgelöst durch eine wochenlange Dürre. Mehr als 3000 Quadratkilometer Land wurden zerstört, vor allem Felder voller Hartweizen waren betroffen - und dieses Getreide ist schließlich der Hauptbestandteil von Nudeln.

Auf dem Weltmarkt fehlen geschätzt zwei bis drei Millionen Tonnen Hartweizen auf einem seit bereits Jahren eng versorgten Markt. Im August kostete das Getreide zwischenzeitlich mehr als 600 Euro pro Tonne. Im Vorjahr war es weniger als die Hälfte und 2019 rund 220 Euro. Durch die Corona-Hamsterkäufe ist außerdem die Nachfrage gestiegen. Die Exportpreise steigen seither. „Was die Preise und die Knappheit von Hartweizen angeht, steht das Schlimmste vielleicht noch bevor“, warnt Analystin Severine Omnes-Maisons vom französischen Agrarforschungsinstitut Strategie Grains.

Engpässe bereits in unseren Regalen sichtbar
Auf dem heimischen Markt ist der Engpass bereits zu spüren: „Wir haben bei unseren Bestellungen schon Probleme. Der Nudel-Preis ist schon gestiegen. Es kommt bereits zu Hamstereinkäufen“, verrät ein Großhandel-Insider der „Krone“. Kein Wunder, schließlich isst ein Österreicher im Durchschnitt sechs Kilogramm Teigwaren pro Jahr.

Aber nicht nur die Rohstoffpreise werden sich erhöhen: Für Energie, Transport und Logistik, aber auch für Verpackungsmaterialien muss deutlich mehr gezahlt werden. Corona führte in vielen Branchen zu Lieferengpässen.

Keinerlei Getreide-Knappheit hat Österreichs Öko-Nudelkönig Joachim Wolf aus Güssing im Burgenland zu befürchten. „Ich habe langfristige Verträge mit Bauern aus der kleinen Weinviertler Ortschaft Ladendorf. Von dort, nämlich der Familie Mechtler, beziehe ich Hartweizen, den ich in Graz vermahlen lasse“, schildert der Unternehmer. Er ist übrigens auch „Eier-autark“ - denn diesen Rohstoff bezieht er von seinen 30.000 Legehennen. Dadurch muss er auch keine Verteuerung an seine Kunden weitergeben.

Klimawandel verteuert jetzt viele Lebensmittel
Die von der rapiden Erderwärmung ausgelösten Wetterkapriolen verteuern Kaffee und mehr. „Es wird früher oder später zu Engpässen und zu Teuerungen kommen. Denn wegen des Bodenfraßes durch Verbauung schrumpfen fruchtbare Äcker im Rekordtempo“, warnte Hagelversicherungsdirektor Kurt Weinberger am Diensttag beim virtuellen Nachhaltigkeitsfrühstück, zu dem er Wifo-Direktor Gabriel Felbermayr als Key-Note-Speaker eingeladen hatte.

Jetzt schon spürbar ist die generelle Teuerung bei Kaffee. „Durch die Dürre in Brasilien haben Hunderttausende Sträucher nichts getragen, Kaffee braucht Feuchtigkeit. Dadurch ist fast die ganze Ernte ausgefallen und der Kilopreis im Höhenflug“, so die Wiener Kaffee-Legende Ernst Naber.

Doch auch Schokolade und Kakao könnten zum Luxuslebensmittel werden. Schuld daran ist die Erderwärmung. Denn in den Hauptanbaugebieten Westafrikas wird es so heiß, dass die Pflanzen keine Kraft mehr zur Früchtebildung haben. Dabei halten sie Temperaturen bis 35 Grad aus. Brände, Dürre, aber auch Unwetterkatastrophen zerstören immer mehr Ernten - vieles wird teurer.

Katharina Pirker
Katharina Pirker
Mark Perry
Mark Perry
Peter Stadlmüller
Peter Stadlmüller
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