15.11.2021 06:30 |

Trauercafé in Dornbirn

Begleiterinnen auf dem letzten Weg

Vier engagierte Frauen, die eines verbindet - das Bedürfnis, Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu begleiten und ihnen beizustehen: Ulrike Metzler, Hildegard König, Sonja Rusch und Marietta Endrich leiten zusammen das Trauercafé in Dornbirn und haben allesamt viel Erfahrung im Umgang mit sterbenden und trauernden Menschen. Das Leben ist für sie aber auch sehr freud- und humorvoll, wie sie beim Gespräch bei Kaffee und Kuchen beweisen.

Es ist eine lustige und herzliche Runde. Vier Frauen, drei von ihnen Pensionistinnen, erzählen über das Leben und das Sterben, über ihr eigenes Schicksal und was sie dazu bewegt hat, ehrenamtliche Hospizbegleiterinnen zu werden. Trotz des schwierigen Themas haben die Frauen das Lachen nicht verlernt, im Gegenteil: „Seit ich mir diese ganz besondere Aufgabe ausgesucht habe, schätze ich das, was ich habe, umso mehr“, erzählt Ulrike Metzler und erntet dafür bei den anderen Frauen zustimmendes Nicken.

Alle haben sie gemein, dass es sehr persönliche Erfahrungen waren, die sie dazu bewegten, die Ausbildung zur Hospizbegleiterin zu machen. „Ich habe zuerst meine Mutter fünf Jahre lang gepflegt, dann meine Schwiegermutter und schließlich meinen dementen Vater“, berichtet die 75-jährigen Hildegard König. Auch Sonja Rusch hat das Sterben einiger Familienmitglieder begleitet: „Mein Opa ist gestorben, als ich 16 war. Damals hatte ich ein sehr schwieriges Verhältnis zum Thema Tod. Auch meine Mutter ist relativ früh verstorben, sie hat schließlich in meinen Armen ihre letzten Atemzüge gemacht. Das hat mich tief bewegt.“ Eine ganz ähnliche Erfahrung hat Marietta Endrich gemacht: „Als die Oma von meinem Mann vor einigen Jahren im Sterben lag, waren mein Mann und ich beide dabei. Ich spürte, dass sie mir etwas sagen wollte, als sie mich ganz nahe an sich gedrückt hat. Das hat mich damals tief berührt und mir gezeigt, dass ich diese Art der Begleitung weitermachen möchte.“

Einzigartige Momente
Wenngleich schon viele Jahre dabei und reich an Erfahrungen, erinnern sich die vier Frauen noch sehr gut an ihre allererste Begleitung. Sonja Rusch etwa wurde zu einer sterbenden Frau ohne Angehörige ins Krankenhaus gerufen: „Sie war bereits komatös und ich saß eineinhalb Stunden bei ihr und hielt ihre Hand. Immer wieder las ich dazwischen etwas in einem mitgebrachten Buch. Plötzlich überkam mich ein kalter Schauer, ich sah von meinem Buch auf und war bei ihr, als sie ihre letzten Atemzüge machte. Es war, als würde der Herrgott sagen, es ist soweit, kümmere dich nochmals um diese Frau.“

Völlig andere Erfahrungen machte Ulrike Metzler bei ihrem ersten Einsatz: „Ich wurde einem Mann in einem Pflegeheim zugeteilt, der sehr schwierig war. Einmal wollte er meine Besuche, einmal wieder nicht. Ich setzte mich dann vor die Türe und wartete, bis er nach einer Pflegerin läutete, dann bin ich wieder hineingegangen. So ging das eine ganze Weile lang, zwei Mal in der Woche. Irgendwann hat er sich dann über meinen Besuch gefreut.“

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Als die Oma von meinem Mann vor einigen Jahren im Sterben lag, waren mein Mann und ich beide dabei. Ich spürte, dass sie mir etwas sagen wollte, als sie mich ganz nahe an sich gedrückt hat. Das hat mich damals tief berührt und mir gezeigt, dass ich diese Art der Begleitung weitermachen möchte.

Marietta Endrich

Empathie und Geduld
Jeder Patient ist anders, jeder Mensch hat seine eigene Persönlichkeit. Darauf gilt es sich einzustellen - das erfordert Geduld und ein hohes Maß an Empathie. Und natürlich gibt es auch Fälle, die die Hospizbegleiterinnen an ihre Grenzen bringen. Zum Beispiel, wenn es um Kinder geht, wie es Marietta in ihrer eigenen Familie erleben musste. In diesen Situationen gibt ihnen besonders eines Kraft: Der Glaube an Gott und die Überzeugung, dass der Tod nicht das Ende ist.

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