09.11.2021 15:55 |

Neues Zentrum C4

128 Cyber-Ermittler auf Streife im Internet

Kampfansage an Hacker & Co.: In der neuen Hightech-Zentrale des Bundeskriminalamtes in Wien gehen künftig 128 Cyber-Cops im World Wide Web auf die virtuelle Jagd nach Tätern.

„Jeder von euch ist sicherlich schon einmal Opfer von Betrug im Internet geworden“, so Innenminister Karl Nehammer eingangs bei der offiziellen Eröffnung der neuen Hightech-Zentrale der heimischen Cybercrime-Ermittler in der Lassallestraße im 2. Wiener Gemeindebezirk.

Allein in den vergangenen fünf Jahren habe sich in Österreich die Zahl der angezeigten Verbrechen im Internet verdreifacht, wie Andreas Holzer, der Direktor des Bundeskriminalamtes (BK), bei der Pressekonferenz betonte.

Fakten

  • Das Cybercrime Competence Center (C4) wurde im Jahr 2011 im Bundeskriminalamt installiert.
  • Der neue Standort in Wien-Leopoldstadt bietet auf 3600 Quadratmetern Platz für bis zu 128 Cyber-Ermittler und Forensiker.
  • Allein seit 2016 hat sich in Österreich die Zahl der angezeigten Straftaten im Internet von 13.103 Delikten auf 35.915 im Vorjahr beinahe verdreifacht.
  • Und auch heuer setzt sich der Negativ-Trend fort: Mit 37.106 angezeigten Cyber-Delikten (Jänner bis Oktober) verzeichnet man jetzt schon eine Steigerung zum Vergleichszeitraum des Vorjahres von rund 26 Prozent.
  • Mehr als 15.000 Anfragen und Meldungen gingen im Jahr 2020 von Bürgern und Unternehmen im Cybercrime Competence Center ein.
  • Im Zuge der laufenden Kriminaldienstreform werden auch Bezirksbeamte in den Bundesländern „cyberfit“ gemacht. Bislang wurden 300 im C4 ausgebildet.

So war es dringend notwendig, die kriminaltechnischen Ressourcen im Kampf gegen Cyber-Verbrechen sowie für die elektronische Beweismittelsicherung und -Auswertung aufzustocken.

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Wir brauchen mehr Personal, Raum und Kooperationen – deshalb sind diese umfassenden Neuerungen im Kampf gegen die Internet-Kriminalität auch so wichtig.

BK-Direktor Andreas Holzer

„Wir brauchen mehr Personal, Raum und Kooperationen - deshalb sind diese umfassenden Neuerungen im Kampf gegen die Internet-Kriminalität auch so wichtig“, so Holzer. Aufgeteilt auf zwei Stockwerke bietet das neu aufgestellte Cybercrime Competence Center (C4) mit 3600 Quadratmetern Fläche nun Platz für bis zu 128 Hightech-Ermittler. Inklusive neuer Werkstätten und Top-Ausrüstung für die IT-Forensik-Experten. Auch wenn aktuell noch viele Schreibtische unbesetzt sind.

Enge Zusammenarbeit mit sozialen Netzwerken
„Je nach Soko-Lage befinden sich derzeit bei uns 60 bis 80 Cyberbeamte im Einsatz. Wie im Regierungsprogramm festgehalten, wird der Personalstand im Laufe der kommenden drei Jahre aber dementsprechend aufgestockt“, sagt Holzer.

Hinsichtlich der immer breiter gefächerten Cyber-Ermittlungsaufgaben auch unumgänglich. Kaum eine Kriminalitätsform wird nicht in irgendeiner Art und Weise über das Internet abgewickelt - Landesgrenzen spielen hierbei naturgemäß keine Rolle.

„Das C4 ist neben den nationalen Ermittlungen auch die internationale Schnittstelle zu Europol, Interpol und den Sicherheitsbehörden anderer Staaten. Zudem kooperieren wir über das Competence Center auch eng mit den sozialen Netzwerken und Online-Providern“, so Holzer.

Interview: „Pandemie hat Internet-Kriminalität befeuert“
Österreichs höchster Cyber-Cop Erhard Friessnik vom Bundeskriminalamt klärt im Gespräch mit der „Krone“ über die aktuell größten Gefahren im digitalen Raum auf.

„Krone“: Herr Friessnik, was sind die häufigsten Kriminalitätsformen im Netz?
Erhard Friessnik: Wenn man den Privatbereich anspricht, dominiert ganz klar der Internet- bzw. Bestellbetrug. Wenn man den wirtschaftlichen, geschäftlichen Bereich betrachtet, haben wir es hauptsächlich mit Angriffen von Hackern auf deren Firmen-Computersysteme (Ransomware) und Erpressungen zu tun.

Spielt die Pandemie auch eine kriminelle Rolle?
Die Pandemie hat die Internet-Kriminalität regelrecht befeuert - im privaten wie auch wirtschaftlichen Bereich. Viele mussten plötzlich Einkäufe oder Besorgungen über das Internet organisieren. Aber auch Firmen haben durch Homeoffice-Maßnahmen eine größere Angriffsfläche geboten. Viele Klein- und Mittelbetriebe brauchten schnell professionelle IT-Lösungen - und Dienstleister waren bei diesem Umfang oft nicht greifbar. So haben sich Firmen teilweise selbstgestrickte, semi-professionelle Lösungen gebaut. Für Hacker war es so einfach, deren Computersysteme anzugreifen.

Haben sich Unternehmen in den letzten Jahren generell besser abgesichert?
Unsere Zahlen zeigen, dass es bei IT-Sicherheit immer noch Handlungsbedarf gibt.

Weihnachten steht vor der Tür - befürchten Sie als Cyber-Ermittler Schlimmes? Stichwort Online-Einkäufe.
Man kann davon ausgehen, dass Internetkriminelle in den Startlöchern stehen - vor allem hinsichtlich der Bestellbetrügereien werden die Zahlen wohl nach oben gehen. Gerade in Pandemiezeiten versuchen Menschen so billig wie möglich einzukaufen - und damit arbeiten auch die Täter. Grundsätzlich gilt: Wenn etwas zu günstig ist, um wahr zu sein, dann sollten sämtliche Alarmglocken schrillen. Niemand hat etwas zu verschenken, auch nicht im Internet.

Klaus Loibnegger
Klaus Loibnegger
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