Neurodermitis

„Die Krankheit begleitet einen rund um die Uhr“

Der ständige Juckreiz ist eine Qual und stellt eine enorme Belastung für die Betroffenen dar. Moderne Medikamente bringen jedoch neue Lebensqualität. Eine Patientin berichtet.

Neurodermitis (atopische Dermatitis) ist eine schubweise verlaufende, chronisch entzündliche Hauterkrankung. Mehrere Faktoren scheinen bei ihrer Entstehung mitzuspielen, unter anderem eine fehlgeleitete Immunreaktion, gestörte Hautbarriere sowie genetische Veranlagung. Typische Symptome sind durch Entzündung hervorgerufene Hautveränderungen mit quälendem Juckreiz, Rötungen sowie nässende Ekzeme. Karoline Singer leidet bereits seit Geburt unter derartigen Beschwerden. „Als Baby kratzte ich mich an den Stäben des Gitterbettes blutig, weil es so stark juckte. Meine Mutter musste mich am ganzen Körper eincremen und bandagieren, ich sah aus wie eine kleine Mumie“, berichtet sie.

Betroffene sind im Alltag stark belastet
Auf jede Veränderung im Leben reagierte die Haut mit heftigen Reaktionen - z. B. bei der Umstellung von Kindergarten in die Schule oder während der Pubertät. „Mit etwa 16 Jahren hatte ich einen der ärgsten Schübe“, so Karoline Singer weiter: „Ich konnte nichts mehr anziehen, stand vor dem Kleiderkasten, von Kopf bis Fuß mit Cortisonsalbe eingeschmiert und weinte nur noch. Jeder Teil meines Körpers war von juckenden Ekzemen betroffen. Ich konnte nicht einmal schmerzfrei sprechen.“ Es vergeht kein Tag, an dem man nicht an die Krankheit denkt. Sie ist rund um die Uhr im Bewusstsein, wie die Oberösterreicherin erzählt. Sei es der täglich prüfende Blick in den Spiegel, ob die Mundwinkel eingerissen sind oder sich irgendwo am Körper neue rote Stellen über Nacht gebildet haben. Genauso vielfältig sich die Ausprägungen der Krankheit bei jedem Einzelnen zeigen, so unterschiedlich sind auch die Behandlungsmöglichkeiten. Wie zahlreiche andere Neurodermitiker hat auch Karoline Singer unendlich viel ausprobiert. Stationäre Aufenthalte im Krankenhaus sind bei einem schweren Verlauf ebenfalls keine Seltenheit und schaffen Erleichterung.

Therapie bei Neurodermitis

  • Basistherapie: Hautpflege, um Feuchtigkeit zuzuführen.
  • Antientzündliche Lokaltherapie mit Calcium und Calcineurin-Inhibitoren.
  • MittelschwereForm: stärker wirksame Entzündungshemmer (Cortisonpräparate).
  • Systemtherapie bei mittelschwerer bis schwerer Form: Biologika (monoklonale Antikörper) hemmen die Ausschüttung entzündungsfördernder Botenstoffe (Spritze oder Pen), Januskinase-Hemmer („small molecules“, als Tabletten).

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Das Immunsystem in die Schranken weisen
„Ich habe bereits drei solcher Aufenthalte hinter mir. Die Behandlung bestand aus Basispflege, Cortisonsalben und Infusionen mit Antihistaminikum. Dies bestimmte meinen Alltag. 2 Mal täglich musste ich den Körper vom Gesicht bis zu den Zehen eincremen, um eine starke Austrocknung der Haut zu verhindern, die zu neuen Ekzemen führen könnte“, berichtet die Marketingleiterin, die sogar schon eine 4-wöchige Hautkur am Toten Meer in Israel absolviert hat. Hinsichtlich der Neurodermitistherapie hat sich in den vergangenen Jahren sehr viel getan. Im Juli 2019 wurde Karoline Singers Behandlung umgestellt auf die damals noch recht neu zugelassenen Biologika, die direkt auf das Immunsystem einwirken. Alle zwei Wochen injiziert sie sich seither das Medikament mittels Spritze oder Pen. Nach 6-8 Wochen war die Wirkung sichtbar. Eine Erlösung für die junge Frau: „Seitdem ich die Spritzen nehme, verspüre ich kaum noch Juckreiz. Das macht mein Leben wieder lebenswert.“

Im Sommer konnte die Patientin den Zyklus der Medikamente sogar erweitern und 5-6 Wochen lang pausieren, wie sie berichtet: „Bei der Umstellung von Herbst auf Winter gehe ich aber wieder auf den normalen 14-tägigen Zyklus zurück. Ich höre genau auf meinen Körper, denn viel passiert auch unter der Haut. Kribbeln oder ein nervöses Gefühl sind Anzeichen, dass der Juckreiz kommt.“ Mit Start der Biologika hat Karoline Singer auch begonnen, ihre Krankheit kennen zu lernen und zu akzeptieren. „Ich weiß, sie ist nicht heilbar, muss sie als Teil von mir sehen. Psychologische Betreuung kann helfen, um aus Denkmustern auszubrechen. Oft sieht man bei einem starken Schub keinen Ausweg. Durch den Austausch mit Gleichgesinnten habe ich gemerkt, dass es Menschen gibt, die das Gleiche durchmachen.“ Sie empfiehlt anderen Betroffenen daher: „Offen über die Krankheit reden! Das hilft auch dem Gegenüber, alles richtig einzuschätzen.“

Regina Modl
Regina Modl
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Mittwoch, 01. Dezember 2021
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