16.10.2021 15:30 |

Wanderrouten

Über stille Pfade zum Falvkopf

Ein besonderes Bergpanorama erwartet den Wanderer auf dem Aussichtsgipfel „Falvkopf“ im Großen Walsertal. Im Jänner 1954 ging dort eine verheerende Staublawine ab.

Eine stille Herbstwanderung mit vielen schönen Ausblicken führt auf den eher wenig begangenen Falvkopf im Großen Walsertal. Ausgangspunkt ist der Wanderparkplatz Valentschina in Blons. Etwa einen Kilometer nach dem Dorfzentrum in Fahrtrichtung Damüls biegt man links von der Hauptstraße ab und folgt der einspurigen Fahrbahn weiter bergan. Diese Strecke ist mautpflichtig, Berechtigungskarten können für sechs Euro im Dorfladen oder im Haus Nr. 40 (ausgeschildert mit Mautstelle) erworben werden.

Bald ist der kleine Schotterparkplatz erreicht. Von dort geht es zu Fuß der weiß-rot-weißen Markierung folgend in Richtung Falvkopf. Zunächst führt ein Forstweg gemächlich ansteigend durch den Wald, dabei werden Kalktuffquellen passiert. Charakteristisch für diese Gewässer sind Ausfällungen von Kalksinter (Kalktuff) im unmittelbaren Quellbereich. Dieser Prozess wird durch Algen und Moose verstärkt, die dem Wasser durch Photosynthese zusätzlich Kohlendioxid entziehen.

Fakten

Typ: Halbtageswanderung
Dauer: 2,5 bis 3 Stunden
Anstieg: ca. 560 Hm
Startpunkt: Wanderparkplatz Valentschina - mautpflichtig (6 Euro), die Tour kann allerdings auch vom Ortszentrum Blons gestartet werden (plus 2 Stunden)
Ausrüstung: Tagesrucksack, knöchelhohe Schuhe mit guter Profilsohle, Sonnen/Regenschutz, Getränk u. Jause
Info: Aufgrund der aktuellen Witterungsverhältnisse liegt im Gipfelbereich Schnee.
Einkehrmöglichkeit: Blons

Die Pflanzen nahe der Quelle werden mit einer dünnen Kruste von ausgefälltem Kalziumkarbonat überzogen und so bilden sich im Laufe der Zeit filigrane, poröse Kalkgesteine. Durch die permanente Neubesiedelung der Kalkkrusten durch Moose können die Steine „wachsen“ und die typischen Rinnenformen bilden. Aufgrund ihrer Seltenheit und Kleinflächigkeit sowie der standortgebundenen Flora und Fauna werden Kalktuffquellen oft als Naturdenkmäler oder schützenswerte Lebensräume ausgewiesen. Die fragilen Biotope können durch Trittbelastung stark beschädigt werden, daher sollte man sie mit entsprechendem Abstand bestaunen.

Traumhafte Ausblicke
Nach etwa 40 Minuten Gehzeit durch bewaldetes Gebiet wird eine Lichtung mit einem urigen Holzhaus erreicht. Bereits von hier bietet sich ein schöner Ausblick ins Tal hinab. Die Beschilderung weist den Weg und es geht nach dem Haus scharf rechts weiter bergan.

Nach einigen Metern gelangt man zu einer nicht markierten Abzweigung - wer zum Falvkopf möchte, geht daran vorbei und folgt weiter der weiß-rot-weißen Markierung, die den Wanderer schließlich linker Hand bergan führt. Wenig später wird die Hütte der Wildbach- und Lawinenverbauung erreicht. Von dort kann man zwischen zwei verschiedenen Aufstiegsrouten wählen. Die Linke führt von Westen her zum Gipfel, der rechte Pfad schlängelt sich in vielen Kurven durch den Wald auf den Berg.

Fakten

Schwalbenwurz-Enzian
Die Pflanze ist im Volksmund auch als Blaue Kreuzwurz, Herbst-Enzian und Hirschbrunft-Enzian (aufgrund der späten Blüte) bekannt. Der Schwalbenwurz-Enzian erreicht eine Wuchshöhe von bis zu einem Meter und bildet aufrechte bis überhängende, mehrblütige Stängel aus. Die Pflanze gedeiht in Tallagen sowie in Höhen von bis zu 2000 Metern und bevorzugt feuchte Wiesen, Waldränder, Flachmoore sowie kalkhaltige Böden. Die Blütezeit erstreckt sich von August bis Oktober. Aufgrund der intensiven Bewirtschaftung von Frisch- und Feuchtwiesen gilt der Schwalbenwurz-Enzian mancherorts als gefährdet.

Das Lawinenjahr 1954
Immer wieder werden dabei Lawinenverbauungen passiert. Das hat einen guten Grund: Am 11. Jänner 1954 ging nach starken Schneefällen vom Falvkopf eine Staublawine ab. 82 Bewohner von insgesamt 14 Höfen wurden dabei verschüttet, 34 von ihnen starben in den Schneemassen. In jenen schicksalhaften Jännertagen ereigneten sich im ganzen Land mehrere verheerende Lawinenabgänge. Der Winter 1953/54 hatte mild begonnen. Noch im Dezember war es der Chronik zufolge ungewöhnlich warm, sogar Frühlingsblumen sprossen. Ab dem 8. Jänner setzte jedoch überraschend starker Schneefall ein - binnen 24 Stunden fielen bis zu zwei Meter Neuschnee. Diese großen Mengen konnten sich aufgrund der zuvor herrschenden, milden Temperaturen nicht mit dem Untergrund verbinden und die Lawinengefahr spitzte sich dramatisch zu. Bis zum 12. Jänner gingen landesweit rund 400 Lawinen ab. Insgesamt verloren 125 Menschen ihr Leben, zahlreiche Gebäude wurden zerstört. Als Konsequenz aus dieser Naturkatastrophe wurde mit der Errichtung umfassender Lawinenverbauungen begonnen. Am Falvkopf reichen diese bis kurz unters Gipfelkreuz.

Der Weg dorthin ist teilweise verwachsen und stellenweise nicht gut sichtbar, was volle Achtsamkeit erfordert. Erst kurz vor dem Ziel tritt man aus dem Wald. Der Bergrücken ist gesäumt von einem Feld aus Heidelbeersträuchern, deren Blätter in der Herbstsonne nun rot leuchten. Von dem 1984 Meter hohen Gipfel bietet sich ein fabelhaftes Panorama auf die Ortschaften des Großen Walsertals, des Walgaus sowie die benachbarten Bergspitzen. Eine Bank lädt zur Rast ein. Hier kann man die wunderbaren Aussicht in Ruhe auf sich wirken lassen. Retour geht es entweder über denselben Weg oder alternativ über den Falvkopf-Rundweg (ausgeschildert). 

Rubina Bergauer
Rubina Bergauer
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