16.10.2021 15:00 |

„Geflügelstreit“

Putengegner klammern sich an neuen „Strohhalm“

X-te Station im Streit der angeblich geruchsbelästigten Einwohner des Obsteiger Weiler Wald mit dem Betreiber eines Geflügelmastbetriebes, der nun noch einen Putenstall errichten will: Das immissionstechnische Gutachten spricht von 1800 Hühnern, die Zahl sei jedoch über 3000. Die Expertise müsse neu gemacht werden.

Der Streit schwelt schon lange, die Fronten verhärten sich zusehends. Alexander Schaber betreibt im Obsteiger Weiler Wald einen Geflügelmastbetrieb mit angegebenen 1800 Stück Hühner – mitten im Wohngebiet. Anrainer sprechen von einer inakzeptablen Geruchsbelästigung, eine Zivilklage ist anhängig. Nun möchte der Geflügelbauer am nordöstlichen Ortsrand einen zweiten Standort errichten, rund 80 Meter vom Siedlungsgebiet entfernt. Hier sollen 600 Puten Einzug halten.

Obsteiger Gemeinderat beharrte auf Beschluss
Im Zuge dieses Umwidmungsverfahrens gab es im Gemeinderat naturgemäß heftige Diskussionen. Ein negatives Gutachten des Sprengelarztes wurde aus formellen Gründen nicht akzeptiert, der Negativbescheid des Umweltreferates der BH Imst nicht berücksichtigt. Die Umwidmung von Freiland in „Sonderfläche Geflügelstall“ fand im Dezember 2020 – zur Bestürzung der Anrainer – eine 9:3-Mehrheit. Auch die zahlreichen Gegendarstellungen der Bürgerinitiative (BI) nützten nichts, das Obsteiger Ortsparlament beharrte im Juni auf der Entscheidung.

Bürgerinitiative: „Über 3000 statt 1800 Hühner, Gutachten neu!“
Nun sehen die Gegner eine neue Chance, die zweite „Stinkquelle“ zu verhindern: Die Umwidmung stützte sich auf ein immissionstechnisches Gutachten der Abteilung Waldschutz des Landes, die die Staub- und Geruchsausbreitung berechnet und in der Conclusio „keine erheblichen Belästigungen“ sieht. „Die Expertise, die auch den bestehenden Standort miteinbezieht, geht von 1800 Hühnern aus“, heißt es von Seiten der BI, „mittlerweile ist die Anzahl weit über 3000.“ Nach der Gutachtenerstellung habe Schaber vier weitere Container aufgestellt, die Emissionen müssten nun neu berechnet werden.

Alter Standort in Immissionsberechnung inkludiert, genaue Zahlen fehlen
Tatsächlich heißt es im Gutachten: „Um Aussagen im Hinblick auf eine gegenseitige Beeinflussung vom bestehenden Masthühnerstall und dem geplanten Vorhaben ableiten zu können, wird auch für den Hühnermaststall eine Immissionsabschätzung durchgeführt.“ Für Verfasser Walter Egger ist diese „neue Situation“ keine einfache Sache: „Die Kumulierung der Gerüche habe ich nur oberflächlich behandelt. Man bräuchte fundierte Zahlen, die zu einer Großvieheinheit führen.“ Das sei aber schwierig, weil es darauf ankomme, wie lange die ursprünglichen Küken gehalten werden.

Sein Ansprechpartner sei jedenfalls der Bürgermeister. „Ich werde versuchen, Herrn Egger in eine Gemeinderatssitzung einzuladen“, sagt dieser. Außerdem warte er immer noch auf ein erbetenes immissionstechnisches Gutachten eines Spezialisten vom Land Tirol. Im Landhaus zeige man aber bisher wenig bis gar kein Interesse.

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