"Wir sind bereit"
Rom will Migranten aus Tunesien zwangsabschieben
Maroni erklärte in einem Interview mit der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera", dass sich Tunesien am Freitag verpflichtet habe, Maßnahmen gegen die Abfahrt der Migranten von seinen Küsten zu ergreifen - passiert sei aber nichts.
"Wir bringen sie nach Hause"
"Wenn wir in den kommenden Tagen keine Signale erhalten, werden wir mit den Zwangsabschiebungen beginnen. Wir setzen die Migranten auf Schiffe und bringen sie nach Hause", warnte Maroni, der erklärte, dass die Regierung in Rom die tunesischen Migranten im Gegensatz zu den libyschen nicht als Flüchtlinge sehe. Der Minister wandte sich auch an die EU: "Die ganze EU muss sich um die Frage der Flüchtlinge aus Nordafrika kümmern."
Alleine am Samstag und am Sonntag erreichten 1.300 Menschen aus Tunesien Lampedusa, über 5.400 Flüchtlinge befinden sich noch auf der Insel, die selbst nur 4.500 Einwohner hat. Das Flüchtlingslager hat seine Kapazitätsgrenze erreicht, daher wurden über 2.500 Immigranten in Zeltlagern untergebracht. Seit Beginn der Unruhen in Tunesien im Jänner sind 18.500 Afrikaner in Süditalien gelandet - im Gesamtjahr 2010 waren es 4.000 gewesen.
Flüchtlinge im Hungerstreik
Indes ist eine Gruppe tunesischer Migranten am Montag in einen Hungerstreik getreten, um gegen die schwierigen hygienischen Bedingungen und die langen Wartezeiten für die Mahlzeiten zu protestieren. Die Männer verlangten, aufs Festland geführt zu werden. Bereits zuvor wurde ein Teil der Migranten aus Lampedusa im neu errichteten Flüchtlingsdorf Mineo unweit der sizilianischen Stadt Catania untergebracht.
Lampedusa: "Tor nach Europa"
Die kleine Felseninsel Lampedusa südlich von Sizilien ist seit Jahren Anlaufpunkt für Bootsflüchtlinge. Zwischen Juli 2008 und Juli 2009 erreichten etwa 20.000 Einwanderer aus Nordafrika über den gefährlichen Seeweg die 20 Quadratkilometer große Insel. Nur 130 Kilometer von der tunesischen Küste entfernt ist Lampedusa für viele Verzweifelte das "Tor nach Europa". Erst die rigide, umstrittene Abschiebepolitik der italienischen Mitte-Rechts-Regierung von Silvio Berlusconi ließ die Flüchtlingsströme stark zurückgehen - bis zum Beginn dieses Jahres.
Landschaftlich und architektonisch mutet Lampedusa afrikanisch an. Abgesehen von vereinzelten Olivenbäumen und Palmen gibt es kaum höhere Bäume. Die Architektur des einzigen Ortes, der ebenfalls Lampedusa heißt, ist bestimmt durch niedrige Bauten mit flachen Dächern, die pastellfarbenen Legosteinen ähneln.
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