Tumorerkrankungen

Warum Vorsorge bei Darmkrebs so wichtig ist

Jeder 17. Österreicher erkrankt im Laufe seines Lebens an einem Karzinom im Dick- oder Mastdarm. Deshalb kann die Früherkennung von Darmpolypen lebensrettend sein.

Bösartige Darmtumoren zählen hierzulande zu den häufigsten Krebserkrankungen. Für mehr als die Hälfte der jährlich rund 4700 Betroffenen endet diese tödlich. Um das zu verhindern, sollte die Darmspiegelung (Koloskopie) - eine mittlerweile völlig schmerzfreie Untersuchung - für Frauen und Männer ab 50 Jahren ein Pflichttermin sein. Sie ist die sicherste Methode, um den gesamten Dickdarm zu beurteilen. Denn nahezu alle Karzinome im Dick- und Mastdarm entstehen aus gutartigen Wucherungen, sogenannten Adenomen. Diese können im Rahmen der Koloskopie nicht nur erkannt, sondern auch gleich abgetragen werden. Daher hat die Früherkennung hier einen hohen Stellenwert, wie Prim. Univ.-Prof. Dr. Michael Gschwantler, Klinik Ottakring in Wien sowie Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH), im Fachmagazin „Ärzte Krone“ betont.

Screening auch gegen Darmkrebs gewünscht
Die Sozialversicherungsträger bieten im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung ab dem 50. Lebensjahr kostenlos alle zehn Jahre eine solche Vorsorge-Koloskopie an. Im Falle von unklaren Beschwerden kann der Hausarzt die Patienten direkt und altersunabhängig jederzeit zu einer Darmspiegelung überweisen. Für Prim. Gschwantler greift dies aber noch zu kurz und es bedarf eines stärkeren Bewusstseins in der Bevölkerung für diese mitunter lebensrettende Untersuchung: „Eines der großen Ziele der ÖGGH ist es, ein staatlich organisiertes Koloskopie-Vorsorgeprogramm zu etablieren - hier sind wir derzeit in intensiven Verhandlungen. Ähnlich wie bei der Mammografie würden dann alle Personen im entsprechenden Alter schriftliche Einladungen zur Koloskopie erhalten.“ Insgesamt gibt es in diesen Bereichen zahlreiche Erkrankungen, bei denen eine frühe Diagnose wichtig und möglich ist und schwere Verläufe verhindert werden können.

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Ähnlich wie bei der Mammografie würden dann alle Personen im entsprechenden Alter schriftliche Einladungen zur Koloskopie erhalten.

Prim. Univ.-Prof. Dr. Michael Gschwantler, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH)

Wo besteht noch Versorgungsbedarf?
Der Experte ortet hierzulande auch eine Mangelversorgung an Leistungen, die den Magen-Darm-Trakt (gastroenterologisch) bzw. Leber und Gallenblase (hepatologisch) betreffen. „Deswegen haben wir in Kooperation mit der Österreichischen Ärztekammer und dem Wiener Institut für Höhere Studien, IHS, eine Untersuchung in Auftrag gegeben, die den derzeitigen Status der Versorgungslage erfassen soll: Was ist derzeit an Leistungen vorhanden, und was wäre der tatsächliche Bedarf? Diese Daten werden dabei helfen, die weitere Entwicklung der gastroenterologischen und hepatologischen Versorgung zu planen“, so Prim. Gschwantler.

Interview auf krone.tv

27. 9. "Gastroenterologie’’- Prof. Dr. Gschwantler beantwortet Montag: 17.20/ 19.25 Uhr, Dienstag: 07.15/ 12.05 Uhr im Interview mit Moderatorin Raphaela Scharf spannende Fragen zum Thema. Mehr Informationen zum Empfang finden Sie hier.

Regina Modl
Regina Modl
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Sonntag, 17. Oktober 2021
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