Erste Fahrt im E-SUV

Tesla Model Y: Hosianna oder kreuzigt ihn?

Motor
18.09.2021 00:00

Anderthalb Jahre nach Produktionsbeginn ist der Tesla Model Y endlich auch in Österreich angekommen, einige wurden bereits an Kunden ausgeliefert. „Krone“-Motorredakteur Stephan Schätzl hat eines der ersten Exemplare für einen kurzen Test übernommen - seine Eindrücke hier im Video!

(Bild: kmm)

Zunächst muss man sagen, das Model Y macht einen relativ gut verarbeiteten Eindruck. Bei genauerer Betrachtung gibt es zwar noch einiges an Verbesserungspotential im Feinschliff (Details siehe Video!), aber eklatante Schwächen sind nicht zu vermelden.

(Bild: Stephan Schätzl)

Eine der Stärken des US-SUVs ist das Platzangebot, das angesichts der Maße (4,75 Meter lang, 1,92 Meter breit und 1,62 Meter hoch, Radstand 2,89 Meter) ausgezeichnet ist. Insbesondere stechen der große Frunk sowie der opulente Fußraum vor der Rückbank hervor. Der Kofferraum fasst bis zu 1,9 Kubikmeter, unter dem zweigeteilten Boden befinden sich ein kleines und ein richtig großes Fach.

Der Innenraum ist sehr reduziert gestaltet, wirkt aber elegant, mit angenehmen Materialien und offenporigen Holzeinlagen. Auf eine nüchterne Art sogar wohnlich. In der Mittelkonsole bzw. unter der Armlehne befinden sich zwei große Ablagefächer, auf der Konsole zwei Plätze, um Smartphones drahtlos zu laden.

Wie im Model 3, mit dem der Y eng verwandt ist, gibt es hinter dem Lenkrad keinen Tacho und insgesamt praktisch keine Knöpfe. Fast die komplette Bedienung passiert über den zentralen 15-Zoll-Touchscreen (sowie über zwei Rädchen am Lenkrad). Auch für Spiegel- und Lenkrad-Verstellung braucht man den Bildschirm, auch zum Öffnen des Handschuhfachs oder zum Einschalten des Scheibenwischers (wenn die Wischautomatik nicht ausreicht).

(Bild: Stephan Schätzl)

Das Navitainment wirkt sehr ausgereift und bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, von der Navigationsroute mit Satellitenbild, die Ladestopps mit entsprechendem Ladestand kalkuliert, über YouTube- und Netflixdarstellung bis hin zu Spiel und Spaß. Manches davon ist vor allem für Kinder oder Kind gebliebene Erwachsene geeignet.

Abgesehen von der totalen Konzentration der gesamten Bedienung auf das Display stört, dass die kleinen Kreuze (x), mit denen man ein Popup schließt, zu klein sind. Außerdem wird weder Apple CarPlay noch AndroidAuto angeboten.

Vorläufig nur eine Motorisierung
Derzeit ist in Österreich nur die Long-Range-Variante mit Allradantrieb erhältlich. Zwei Motoren sorgen für eine Maximalleistung von 345 PS (inoffiziell, es gibt keine offiziellen Angaben). 5,0 Sekunden braucht das 1984 Kilogramm schwere Fahrzeug für den Sprint von 0 auf 100 km/h. Das Höchsttempo beträgt 217 km/h.

Auch die Batteriekapazität bleibt ein Geheimnis (angeblich sind es 75 kW), Tesla gibt lediglich die WLTP-Reichweite an: 507 km. Geladen wird der Akku an den hauseigenen Superchargern mit bis zu 250 kW, wodurch innerhalb von 15 Minuten bis zu 270 Kilometer Reichweite getankt werden sollen. An Ionity-Ladesäulen lädt das Model Y mit 180 bis 200 kW, an der Wallbox daheim mit 11 kW. Damit die Reichweite bei besonders hohen oder niedrigen Temperaturen nicht leidet, hat das Model Y als erster Tesla überhaupt eine Wärmepumpe serienmäßig.

Freude beim Fahren
Der Tesla Model Y fühlt sich durchaus sportlich an, der Antritt ist so kräftig und direkt, dass man das Performance-Modell nicht vermisst. Dabei sind die Motoren sehr leise. Das Fahrwerk ist ziemlich hart, auf holprigen Straßen beinahe unkomfortabel, wenn man ein Familienauto erwartet. Dafür liegt der Tesla aber auch bei höherem Tempo sehr gut, Kurven machen Spaß und sind dank (in Sportstellung) ausreichend gefühlvoller Lenkung sehr präzise zu fahren. Allerdings neigt die Karosserie dazu, auf leicht welligem Untergrund ein tiefes Dröhnen aufzubauen, das z.B. auf der Tangente am Knoten Inzersdorf sehr laut werden kann.

Unangenehmer „Autopilot“
Schon der einfache adaptive Tempomat heißt bei Tesla Autopilot. Das aufpreispflichtige automatisierte Fahren nennen sie Enhanced Autopilot. Es funktioniert nicht schlechter als bei anderen Herstellern, das System kann bei Betätigen des Blinkers selbsttätig die Spur wechseln. Allerdings muss man alle paar Sekunden leicht am Lenkrad drehen (oder dauerhaft leicht daran ziehen), damit das System erkennt, dass ein Fahrer da ist. Der Tesla hat kein kapazitives Lenkrad. Gefährlich kann es werden, wenn man die automatisierte Steuerung overrulen will: Man muss in diesem Fall einen starken Widerstand überwinden.

Rangieren ist schwierig, das Auto ist unübersichtlich und der Wendekreis beträgt über zwölf Meter. Allerdings funktionieren Kameras und Bildschirm sehr gut.

Der Preis
Die Preisliste fängt an bei 57.490 Euro zuzüglich 980 Euro Bearbeitungsgebühr, abzüglich 5400 Euro Elektroautoförderung - macht also 53.070 Euro. Die Anhängerkupplung kostet 1350 Euro und ist zugelassen für 1,6 Tonnen Anhängelast. Tempomat, Navi mit ladestandsabhängiger Routenplanung über Ladepunkte, Docking-Station für zwei Smartphones zum kabellosen Aufladen, vier USB-Anschlüsse, alles Serie. Auch das riesige Glaspanoramadach, für das es leider keine Abdeckung gibt. Mein Testwagen samt Extras wie 22-Zoll-Alufelgen und Enhanced Autopilot kommt auf gut 60.000 Euro.

Viel Auto fürs Geld. Mehr Infos und das „Fahrzit“ siehe Video!

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(Bild: kmm)



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