Alarm an Küsten

Tsunamiwelle rollte durch Pazifik: 20 Staaten betroffen

Ausland
11.03.2011 22:08
Das Erdbeben und der Tsunami in Japan haben weltweit Pazifikstaaten in Alarmbereitschaft versetzt. Mit einer Ausbreitungsgeschwindigkeit von 800 km/h rollte die Tsunamiwelle durch den Ozean. Von Russland über Indonesien bis an die gesamte Westküste der USA und Südamerikas flüchteten die Menschen aus ihren Häuser. Zum Glück blieb die befürchtete Katastrophe fast überall aus.

Das Pazifische Tsunamizentrum in Los Angeles erließ Warnungen für die gesamte amerikanische Pazifikküste von Alaska bis Chile. Der Tsunami könne größere Schäden verursachen, hieß es. Die Behörden aller betroffener Länder wurden aufgefordert, Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerungen zu ergreifen.

An der kalifornischen Küste richteten die Wellen zum Teil erhebliche Schäden an. Der nordkalifornische Ort Crescent City wurde von über zwei Meter hohen Wellen getroffen. "Über 30 Boote im Hafen wurden beschädigt, Anlegestellen sind zu Bruch gegangen", sagte Joe Young von der lokalen Katastrophenbehörde. Mehr als 4.000 Einwohner seien in der Nacht in Sicherheit gebracht worden. Nach einem Beben 1964 waren in Crescent City elf Menschen in einer Flutwelle ums Leben gekommen.

Ein Toter in Kalifornien
Auch im Hafen von Santa Cruz südlich von San Francisco, gingen zahlreiche Boote zu Bruch. Die Flutwellen drückten Jachten in die Holzstege, Boote wurden losgerissen und trieben führerlos im Hafenbecken.

Tausende Schaulustige ignorierten Warnungen der Behörden und schauten sich das Naturspektakel entlang der Küste an. An einem Strand in Nordkalifornien wurden drei Männer von einer Welle ins Meer gerissen. Zwei konnten sich an Land retten, die Suche nach ihrem 25-jährigen Freund wurde nach Stunden aufgegeben, berichtete der "San Francisco Chronicle". Er dürfte in den Fluten ertrunken sein.

Osterinsel-Bewohner flüchteten zum Airport
In Chile und Ecuador mussten vorsorglich Tausende Menschen ihre Wohnorte am Pazifik verlassen. In Chile wurden etwa 4.500 Bewohner der wegen ihrer Steinfiguren weltberühmten Osterinsel auf den Flughafen der Insel gebracht. Dort seien die Menschen in Sicherheit, "da das Gelände 47 Meter über dem Meeresspiegel liegt", sagte der Minister für öffentliche Bauten, Hernan de Solminihac. Es wurde mit einer Flutwelle von maximal zwei Metern Höhe gerechnet, die jedoch ausblieb.

Auch in Ecuador mussten Tausende Menschen aus küstennahen Regionen ihre Häuser verlassen und wurden weiter landeinwärts in Notunterkünfte gebracht. Auch in dem südamerikanischen Land blieb die Flutwelle aus.

Galapagos-Schildkröten in Sicherheit gebracht
Auf den zu Ecuador gehörenden Galapagos-Inseln mit ihrer einzigartigen Pflanzen- und Tierwelt wurde ebenfalls Tsunami-Alarm ausgelöst. Menschen und viele der Tiere, darunter auch die Riesenschildkröten, wurden in höhere Regionen gebracht. Alle touristischen Aktivitäten wurden eingestellt. Kleinere Schiffe durften nicht mehr auslaufen, größere wurden aufgefordert, sich Richtung hoher See von der Küste zu entfernen.

Zwei-Meter-Wellen an Hawaiis Küste
Auf die US-Inselgruppe Hawaii traf der Tsunami am frühen Freitagmorgen (Ortszeit). Zunächst waren die Wellen etwa einen Meter hoch, an der Küste Mauis erreichten sie sogar eine Höhe von zwei Metern. Experten warnten, dass die Wellen noch höher werden könnten, was allerdings ausblieb.

Im Badeort Waikiki bahnten sich die Wellen ihren Weg über eine Schutzmauer und stoppten noch vor den Luxushotels. Auch an der US-Westküste wurden vorsorglich Evakuierungen angeordnet.

In anderen Ländern wurde der Alarm wieder aufgehoben. In Taiwan ist die befürchtete Katastrophe ausgeblieben. Die Wellen seien klein geblieben und hätten keine Schäden angerichtet, berichtete die Nachrichtenagentur CNA. Die Behörden hatten vorsichtshalber tief liegende Küstenzonen evakuiert, da zuerst mit Wellen von einem halben bis einem Meter gerechnet worden war.

Auch in Indonesien blieben die Auswirkungen gering. Auf der Insel Halmahera wurde eine Tsunamiwelle von zehn Zentimetern gemessen. Tausende Menschen verließen im Osten Indonesiens wegen der Tsunamiwarnung ihre Häuser. Berichte von Verletzten oder Schäden gab es zunächst nicht.

Ein Toter in Papua-Neuguinea
In Papua-Neuguinea hat eine zwei Meter hohe Flutwelle einen Menschen getötet und etliche Häuser zerstört, als sie einen Küstenabschnitt überflutete. Mindestens 19 Familien wurden obdachlos, Dutzende Boote zerstört. Ein 35-jähriger Mann verlor in den Fluten sein Leben, als er seine Familie retten wollte.

Tausende Einwohner der Philippinen in Sicherheit gebracht
Auch auf den Philippinen wurden wegen des drohenden Tsunamis Tausende Bewohner an der Ostküste in Sicherheit gebracht. Das Institut für Vulkanologie und Seismologie sprach eine Tsunamiwarnung für mehr als 19 Provinzen aus. In der Provinz  Cagayan wurde eine Flutwelle mit 60 Zentimetern gemessen. Von größeren Schäden oder gar Toten wurde jedoch zunächst nichts bekannt.

Im äußersten Osten Russlands wurden mehr als 10.000 Menschen wegen eines drohenden Tsunamis in Sicherheit gebracht. Auf der Inselgruppe der Südkurilen sowie auf der Insel Sachalin seien mehrere Siedlungen in Ufernähe evakuiert worden, teilte der russische Katastrophenschutz mit. Schäden blieben aber aus.

Welle erreichte auch Neuseeland
Die Nordküste Neuseelands wurde am Samstag früh (Ortszeit) von dem Tsunami erreicht. Dort wurde ein um 15 bis 20 Zentimeter höherer Wasserstand gemessen. Der Zivilschutz teilte mit, das Wasser könne an einigen Orten um bis zu einen Meter steigen. Die Menschen sollten sich von den Stränden fernhalten. Evakuierungen wurden jedoch nicht eingeleitet.

Ebenfalls betroffen waren Australien sowie zahlreiche kleine Inselstaaten mitten im Pazifik. Von dort lagen ebenso keine Meldungen über Tote, Verletzte oder Sachschäden vor.

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