Geheimdienst-Bericht
USA: “Gadafi wird den Bürgerkrieg wohl gewinnen”
Gadafi verfüge laut Clapper über zahlreiche russische Flugabwehrraketen und Radarsysteme. Die Luftabwehr sei die zweitgrößte in der Region; nur die in Ägypten sei noch umfassender. Die Rebellen hätten dem nicht genug entgegenzusetzen und seien zudem nicht ausreichend gut für den Kampf ausgebildet und organisiert. Zudem seien wichtige Militäreinheiten des Regimes ausgesprochen loyal zu Gadafi, da er sie luxuriös ausstatte.
Mit seiner Einschätzung dürfte Clapper den Handlungsdruck auf die US-Regierung erhöht haben, die Rebellen im Kampf gegen den Diktator zu unterstützen. US-Präsident Barack Obama hat zwar Gadafi bereits mehrfach zum Abtreten aufgefordert, seine Regierung schreckt aber vor einem militärischen Einsatz zurück.
Alliierte sollen Krise lösen
Nach einem Bericht der "Washington Post" vom Donnerstag will das Weiße Haus es lieber seinen Alliierten überlassen, nach Lösungen für Libyen zu suchen. Demnach wolle Obama die US-Truppen nicht in einen weiteren Konflikt schicken. In Afghanistan sind derzeit rund 100.000 US-Soldaten im Einsatz, im Irak immer noch 50.000.
US-Außenministerin Hillary Clinton kündigte an, dass die USA vorerst ihren diplomatischen Draht zu Gadafis Regime kappen. "Wir suspendieren unsere bestehende Beziehungen mit der libyschen Botschaft" in Washington, sagte sie am Donnerstag vor dem US-Kongress.
Gadafi-Regime bereitet weitere Militäraktion vor
Unterdessen bereitet das libysche Regime nach den Worten eines Sohns von Diktator Gadafi eine umfassende Militäraktion vor, um den Aufstand niederzuschlagen. Die Führung werde nicht kapitulieren, auch wenn der Westen eingreifen sollte, sagte Saif al-Islam am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters.
Auf die Frage, ob das Regime seine Militäraktionen verstärke, sagte er: "Die Zeit ist jetzt abgelaufen. Jetzt wird gehandelt. Wir gaben ihnen zwei Wochen für Verhandlungen. Wir werden niemals aufgeben, wir werden niemals kapitulieren", fügte er hinzu. "Das ist unser Land. Wir kämpfen hier in Libyen, wir sterben hier in Libyen."
"Libyen ist nicht Stück des Kuchens"
Angesichts der Krisengespräche von NATO und EU über die Lage in Libyen und die Möglichkeit zur Einrichtung einer Flugverbotszone sagte Islam: "Das libysche Volk wird die NATO und die USA niemals willkommen heißen. Libyen ist nicht das Stück eines Kuchens." Zugleich kritisierte er den Schritt Frankreichs, das am Donnerstag als erstes Land die libysche Opposition als rechtmäßige Vertretung des Landes anerkannt hatte.
Ebenfalls am Donnerstag berichtete das libysche Staatsfernsehen, dass die Ölstadt Ras Lanuf bereits von Aufständischen "geleert" sei und sich die Gadafi-treuen Truppen auf dem Weg nach Bengasi, der Oppositionshochburg, befänden. Die Truppen seien derzeit dabei, die Ölstadt Brega weiter östlich zurückzugewinnen. Offizielle Berichte über den Fall der Stadt Ras Lanuf waren jedoch laut den Rebellen falsch. Bei Bombardierungen bei Ras Lanuf wurden nach Angaben eines Krankenhausmitarbeiters in Brega am Donnerstag mindestens vier Menschen getötet und 35 verletzt.
Gadafi hat offenbar riesige Bargeld-Mengen gehortet
Finanzielle Probleme bei der Bezahlung seiner Armee und der Finanzierung eines möglichen Wiederaufbaus dürfte Gadafi nicht bekommen - trotz der Sperren seiner Auslandskonten. Denn laut einem US-Pressebericht verfügt der Diktator über Bargeldreserven in Höhe von vielen Milliarden Dollar. Gadafi habe "wahrscheinlich Dutzende Milliarden Dollar in bar, zu denen er innerhalb Libyens Zugang hat", zitierte die "New York Times" am Donnerstag einen Vertreter der US-Geheimdienste.
Gadafi habe die Barreserven offenbar nach 2004 angelegt, als die internationalen Sanktionen gegen sein Land gelockert wurden. Er habe sich für den Fall vorbereiten wollen, dass neue Sanktionen gegen Libyen verhängt werden. Zahlreiche Staaten - unter ihnen die USA und Deutschland - hatten in den vergangenen Tagen nach UN- und EU-Sanktionen libysches Vermögen auf Konten in ihrem Land eingefroren.
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