07.09.2021 23:08 |

Weltpremiere

Renault Mégane Electric: Wo er den VW ID.3 abhängt

Renault bringt im März 2022 ein brandneues kompaktes Eletroauto auf den Markt: den Mégane E-Tech Electric. Er tritt an gegen den VW ID.3, wirkt aber opulenter als der Wolfsburger, ist eine Spur kleiner sowie gut 100 Kilogramm leichter und hängt ihn beim Navitainment regelrecht ab.

Der Renault Mégane E-Tech Electric basiert auf der neuen Konzernplattform namens CMF-EV. Optisch fallen die extrem hohe Schulterlinie, die flachen seitlichen Fensterlinien sowie die Lasercut-Heckleuchten auf.

Anders als der deutsche Hauptkonkurrent setzt der Renault auf Vorderradantrieb. Die Entwickler haben möglichst viele Aggregate unter die Fronthaube gepackt, um möglichst viel Platz im Innenraum zu schaffen. So befindet sich die Klimaanlage statt hinter der Armaturenkonsole nun im Vorderwagen.

Die Überhänge sind betont kurz gehalten, der Radstand ist mit 2,70 Meter sieben Zentimeter kürzer als beim VW. Mit 4,21 m Länge, 1,78 m Breite und 1,50 m Höhe unterbietet er den Deutschen um Fünf, drei bzw. sieben Zentimeter. Die geringe Höhe wurde durch die nur elf Zentimeter hohe Batterie im Fahrzeugboden möglich und geht nicht zulasten der Kopffreiheit.

Riesige Displaylandschaft
Der Innenraum bietet eine opulente Hightech-Umgebung. Der Tacho ist ein 12,3-Zoll-Display und geht über Luftausströmer gefühlt nahtlos über in das zentrale Touchdisplay, das wahlweise 9 oder 12 Zoll misst und hochformatig ausgeführt ist. Die Bedienelemente sind zum Fahrer hin orientiert. Das bekommt der Beifahrer allerdings zu spüren, weil der untere Teil der Konsole in seinen Beinraum hineinragt und unangenehm in das linke Bein drückt.

Der Vorteil dieser Konstruktion ist, dass unterhalb des Bildschirms ein doppeltes Handyfach geschaffen wurde: Entweder man legt sein Smartphone hinein und lässt es drahtlos auf oder man stellt es aufrecht davor und hat das Display im Blick. Eine geniale Lösung - wenn sie nicht den Beifahrer beeinträchtigen würde.

Bei der Version mit 9-Zoll-Screen soll das Problem jedoch nicht bestehen. Diese wurde aber bei einer Vorabpräsentation nicht ausgestellt.

Tatsächlich wird man den Blick aufs Handy allerdings nicht oft brauchen, man kann es via Apple CarPlay oder AndroidAuto connecten. Zudem wird man es wahrscheinlich nicht wirklich zum Navigieren verwenden: Das Onboard-Navi ist ein hervorragend umgesetztes Google Maps und beherrscht sogar die Navigationsplanung über Ladestopps, ähnlich wie das bei Tesla funktioniert. So etwas können sich VW-Kunden nur wünschen.

Das ganze Navitainment namens OpenR Link baut auf Android Automotive OS auf, wurde gemeinsam mit Google entwickelt. Neben den über Google Play verfügbaren Apps sind auch der Google-Sprachassistent und die My Renault App verfügbar.

Edles Recycling-Ambiente
Die Materialien im Innenraum sind zum großen Teil recycelt. Teilweise kommen neuartige Holzoberflächen zum Einsatz: „Nuo“ ist eine Art Holztextil. Für Wohlfühlatmosphäre sollen auch die 48 Farben der Ambientebeleuchtung sorgen. Auf Wunsch wechselt automatisch alle 30 Minuten die Farbe - passend zur Tageszeit.

Großzügiges Platzangebot mit Einschränkungen
Wenn man nicht gerade auf dem Beifahrersitz Platz nimmt, findet man ein gutes Platzangebot vor, auch auf den Rücksitzen. Hier braucht man allerdings die Mithilfe von Fahrer bzw. Beifahrer, denn wenn die Vordersitze in der tiefsten Position stehen, kann man seine Füße nicht drunterstellen.

Beim Kofferraum kommt das Konzept mit dem Fronantrieb bestens zur Geltung. In den Laderaum passen 440 Liter, unter dem Boden befindet sich ein 22 Liter großes Staufach, in dem man das z.B. Ladekabel unterbringen kann. Das empfiehlt sich allerdings nicht, wenn der Kofferraum bis obenhin beladen ist. Einen Frunk, also einen Kofferraum unter der Fronthaube, gibt es nicht, weil dort ja alle Aggregate gebündelt sind. Übrigens hat auch der VW ID.3 keinen Frunk - obwohl dort vorne nicht einmal der Motor sitzt.

Zwei Motoren und Batteriegrößen zur Wahl
Zum Marktstart hat man als Kunde die Wahl zwischen einem 40 und einem 60 kWh fassenden Akku (jeweils netto) sowie zwischen einem 96 kW/130 PS/250 Nm und einem 160 kW/218 PS/300 Nm starken Motor. Letzterer ermöglicht dem 1624 kg (DIN) leichten Renault einen Standardsprint in 7,4 Sekunden, bei beiden lässt die Elektronik eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h zu.

Eine Version mit zwei Motoren und entsprechend höherer Gesamtmotorleistung dürfte später folgen. Doch schon die beiden Fronttriebler auf Fahrspaß ausgelegt sein sollen: tiefer Schwerpunkt, direkte Lenkung (12:1) und eine Multilinkhinterachse sollen dazu beitragen. Übrigens hat der Megane auch an den Hinterrädern Scheibenbremsen, anders als der VW ID.3 der mit Trommelbremsen auskommen muss. Das mag technisch gesehen völlig ausreichen, es löst bei manchen Kunden aber Irritationen aus.

Die größere Batterie bietet eine WLTP-Reichweite von 470 Kilometern, in 30 Minuten soll sie von 15 auf 80% aufgeladen sein. Hohe Realreichweiten verspricht die im Vergleich zum Renault Zoe 30 Prozent effektivere (bei -10 Grad) Wärmepumpe, außerdem werden Batterie- und Motorwärme für die Heizung genutzt. Hat man das Navi aktiviert, wird der Akku vor dem nächsten Ladestopp automatisch vorkonditioniert, was die Effizienz steigert. So soll dadurch etwa die Strecke Paris-Amsterdam mit zwei statt drei Ladestopps zu bewerkstelligen sein. Geladen wird an Schnellladern mit maximal 130 kW Gleichstrom, mit Wechselstrom je nachdem an welcher Quell mit 2,3/3,7/11 kW einphasig oder 22 kW dreiphasig (an öffentlichen Ladesäulen).

Für den 40-kWh-Akku gibt Renault eine WLTP-Reichweite von 300 Kilometer an.

Die Batterie hat einen sogenannten Fireman Access, der es ermöglichen soll, den Stromspeicher im Fall eines Brandes in fünf Minuten zu löschen.

Hightech-Assistenten erleichtern das Leben
Für den Renault Mégane E-Tech Electric ist eine ganze Reihe Assistenzsysteme verfügbar. Der Active Driver Assist kann zum Beispiel zum Durchfahren eines Kreisverkehrs die Geschwindigkeit anpassen. Und es ist möglich zu wählen, wo in der Fahrspur er das Fahrzeug positionieren soll. Kommt einem beim Überholen der Nebenmann zu nahe, wird gewarnt. Ebenso im Fall, dass eine Frontalkollision droht (bis 110 km/h). Einparken kann der Wagen ganz allein, der Fahrer muss nur kurz das Fahrpedal antippen, um den Vorgang zu starten.

Publikumspremiere feiert der Renault Mégane E-Tech Electric auf der IAA in München, die Markteinführung ist für März 2022 geplant. Der aktuelle Mégane mit Verbrennungsmotoren wird vorerst weiter gebaut.

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