Wrabetz vor Ablöse?

ORF-Wahl: Grüne ziehen mit Koalitionspartner mit

Medien
09.08.2021 09:32

Die beiden Regierungsparteien ziehen bei der am Dienstag anstehenden Wahl des neuen ORF-Generaldirektors an einem Strang. Nach informellen Gesprächen zwischen Türkis und Grün am Wochenende dürfte der ÖVP-Wunschkandidat Roland Weißmann mit deutlicher Unterstützung rechnen können. Davon dürfte auch der kleine Koalitionspartner mit zwei Direktorenposten profitieren.

Die Wahl am Dienstag findet im obersten ORF-Gremium in offener Abstimmung statt. Insgesamt haben sich 14 Personen für den ORF-Chefposten beworben. Als aussichtsreichste Bewerber galten der amtierende ORF-Chef Alexander Wrabetz, ORF1-Channelmanagerin Lisa Totzauer und Roland Weißmann, der auf Basis der türkisen Unterstützung bald die Favoritenrolle übernahm. Daneben bewarb sich aus dem ORF auch noch der stellvertretende Technik-Direktor Thomas Prantner.

Zumindest 18 Stimmen notwendig
Für eine Mehrheit im ORF-Stiftungsrat braucht es 18 Stimmen. Die Mitglieder werden von Regierung (9), Parlamentsparteien (6), Bundesländern (9), ORF-Publikumsrat (6) und Zentralbetriebsrat (5) beschickt und sind - abgesehen von einzelnen Ausnahmen - in parteipolitischen „Freundeskreisen“ organisiert.

Die Wahl von Roland Weißmann könnte dem Vernehmen nach bereits nach dem ersten Wahlgang fixiert werden. (Bild: Alex Gotter)
Die Wahl von Roland Weißmann könnte dem Vernehmen nach bereits nach dem ersten Wahlgang fixiert werden.

Türkiser „Freundeskreis“ stimmt einheitlich
Der türkise „Freundeskreis“ hat in den vergangenen Jahren im obersten ORF-Aufsichtsorgan eine zentrale Rolle erlangt. 16 der insgesamt 35 Gremienvertreter gelten als ÖVP-nah, dazu kommen zwei bis vier weitere türkisnahe unabhängige Stiftungsräte. Die Bürgerlichen werden am Dienstag dem Vernehmen nach geschlossen für Weißmann votieren. Mit den drei grünen Stiftungsräten und einem weiteren unabhängigen von der Regierung entsandten Mitglied dürfte Weißmann mit bis zu 23 Stimmen an die Zweidrittelmehrheit herankommen und zum neuen ORF-Chef bestellt werden.

Wrabetz: „Externer“ bestimmt über Nachfolger
Der noch amtierende Generaldirektor Alexander Wrabetz sparte im Vorfeld der Wahl nicht mit Kritik am politischen Stil rund um die Wahl: „Was man so hört“, könne „aufgrund bestimmter Arithmetik“ eine Gruppe alleine über die Bestellung des ORF-Chefs bestimmen. Dort habe man sich den Entschluss aber nicht „demokratisch“ unter sich ausgemacht, sondern ein „Externer“ habe gesagt: „Das ist der Kandidat, dieser ist zu bestellen“, sprach er direkt einen mutmaßlichen Einfluss des Kanzleramts über dessen Medienbeauftragten Gerald Fleischmann an.

Fleischmann selbst gab sich gelassen zu dem Vorwurf: „Es ist offenbar Wahlkampf, in den ich mich nicht einmischen will. Der Stiftungsrat ist ein unabhängiges Gremium, das seine Entscheidungen eigenständig trifft“, erklärte er der „Krone“.

Grüne profitieren von ORF-Deal
Eine offizielle Bestätigung für die akkordierte türkis-grüne Unterstützung gab es vorerst nicht. Die Grünen dürfen sich für die Wahl von Weißmann zwei von vier ORF-Direktoren - Programm und Finanzen - auf ihre Fahnen heften. Sie plädieren dabei für unabhängige und erfolgreiche ORF-Persönlichkeiten, die bereits gezeigt haben, dass sie Sender kompetent führen können, wie aus dem Stiftungsrat zu hören war.

Ö3-Chef Georg Spatt könnte in die ORF-Direktion aufsteigen. (Bild: APA/HERBERT PFARRHOFER)
Ö3-Chef Georg Spatt könnte in die ORF-Direktion aufsteigen.

Entsprechende Chancen werden etwa Ö3-Chef Georg Spatt und ORF III-Geschäftsführerin Eva Schindlauer eingeräumt.

Die Ausschreibung für die vom neuen ORF-Generaldirektor vorgeschlagene Geschäftsverteilung erfolgt ebenfalls am Dienstag, die Wahl der Direktoren sowie der neun Landesdirektoren findet am 16. September statt. Die fünfjährige Amtsperiode des neuen ORF-Chefs und seines Teams beginnt am 1. Jänner 2022. Bis dahin führt ORF-Generaldirektor Wrabetz die Geschäfte weiter.

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